
Er verkörpert wohl wie kein Zweiter die klassischen Tugenden und die Vereinstreue, die den „Regionalliga-Dino“ seit Jahren auszeichnen. Samed Bahar, in Altötting geborener, defensivstarker Rechtsverteidiger, der bei Bedarf auch im defensiven Mittelfeld oder in der Innenverteidigung auflaufen kann, gehört längst zum festen Inventar in der Buchbacher SMR-Arena.
Seine Reise bei den Rot-Weißen begann bereits im Sommer 2018, als er vom damaligen Landesligisten FC Töging zum TSV wechselte. Abgesehen von einem nur wenige Wochen andauernden Intermezzo im Sommer 2023 bei Türkgücü München, das er aus beruflichen Gründen wagte, aber aufgrund mangelnder Einsatzzeiten schnell wieder beendete, ist der Abwehrspieler dem Kult-Team aus dem Landkreis Mühldorf treu geblieben.
Mit seiner Erfahrung aus weit über einhundert Regionalliga-Einsätzen bringt er genau die Stabilität und Zweikampfhärte auf den Platz, die es im harten Regionalliga-Alltag braucht. Dass der Verein und der Defensiv-Spezialist, der mit seiner Familie in Garching an der Alz lebt, seit vielen Jahren eine große Einheit bilden, unterstreicht auch seine Vertragsverlängerung bis zum Sommer 2027.
Angesprochen auf das Abschneiden des TSV Buchbach in der abgelaufenen Saison - die Oberbayern landeten auf dem elften Rang - zeigt sich Bahar gewohnt bodenständig, aber auch ambitioniert: „Wir in Buchbach backen seit der Gründung der Regionalliga Bayern immer kleine Brötchen. Somit sind wir grundsätzlich erst einmal zufrieden, wenn wir den Klassenerhalt schaffen. Jedoch muss man gestehen, dass der Anspruch der Spieler unter der Ära von Trainer Petrovic etwas gestiegen ist. Somit war die abgelaufene Saison, was den Tabellenplatz betrifft, nicht zufriedenstellend." Mit seiner persönlichen Bilanz ist er "soweit zufrieden, weil ich vor allem in den entscheidenden Spielen meine Leistung abrufen konnte".
FuPa: Samed, die Regionalliga Bayern wird oft als „Champions League der Amateure“ bezeichnet. Was macht es für einen Verteidiger so besonders - aber auch so schwer -, in dieser Liga die Null zu halten?
Die Liga ist manchmal wirklich speziell. Sie ist ein extrem starker Mix aus teilweise hoher individueller Klasse, aber eben auch vielen Zufallstoren. Da fallen Treffer nach Einwürfen, weil der Ball irgendwie im Strafraum hängen bleibt. Oder man trifft auf Mannschaften, die sehr robust agieren und nur lange Bälle spielen wollen. In der nächsten Partie wartet dann wieder ein Gegner, der den Ball flach hält und absolut nichts dem Zufall überlassen will.
Sich Woche für Woche genau auf diese unterschiedlichen Spielstile einzustellen und das defensiv zu lösen, macht es für uns hinten extrem schwierig - gerade weil viele Teams in dieser Liga das Glück auch einfach mal erzwingen.
Ein guter Abwehrspieler besticht entweder durch kompromisslose Zweikampfhärte oder ein exzellentes Auge für das Spiel. Wo siehst du deine absoluten Stärken? Und in welcher Kategorie musst du manchmal noch nachbessern?
Ich würde behaupten, dass ich selten einen Zweikampf verliere. Jedoch sehe ich meine Stärken definitiv im Spiel mit dem Ball. Klar besser werden muss ich allerdings, was die Spritzigkeit betrifft - aber das ist ja kein Geheimnis... (lacht)

Das moderne Spiel verlangt von Verteidigern auch Qualitäten im Spielaufbau. Bist du eher der Typ „Sicherheitspass zum Nebenmann“? Oder packst du gerne mal die lasergenaue 40-Meter-Diagonale aus?
Sowohl als auch, würde ich sagen. Aber ich bevorzuge da schon eher die lasergenaue 40-Meter-Diagonale. Da muss ich mir allerdings wohl noch etwas Nachhilfe von Albano Gashi holen - der ist ja bekanntlich ein absoluter Spezialist dafür! (grinst).
Hand aufs Herz: Welcher Stürmer oder welche Offensivabteilung in der Regionalliga Bayern hat dir bis dato die meisten Kopfschmerzen bereitet - und warum?
Da gab es einige Herausforderungen in den letzten 200 Spielen (lacht). Ich kann jedoch sagen, dass vor allem die Spiele gegen Noah Agbaje, Martin Thomann oder auch Eliot Muteba immer extrem fordernd sind, aber auch umso mehr Spaß machen. Ich hasse und liebe es gleichzeitig, gegen Außenspieler anzutreten, die jedes Mal das Eins-gegen-Eins suchen. Egal, wie oft sie hängen bleiben - sie probieren es immer wieder...
Die ewige Debatte: Dreier-/Fünferkette oder die klassische Viererkette? Welches System liegt dir persönlich am besten? Und wo fühlst du dich am wohlsten?
Ich bevorzuge die Viererkette oder auch eine Dreierkette, da ich gerne als rechter Außenverteidiger oder als rechter Innenverteidiger das Spiel aktiv mitgestalten möchte.

Als Defensivspezialist muss man auf dem Platz vor allem eins sein: laut! Wie dirigierst du deine Vorderleute - bist du eher der emotionale Antreiber? =der doch meist der ruhige, sachliche Stratege?
Ich bin auf dem Platz eher der ruhige Typ und werde erst emotional laut, wenn ich merke, dass sich die Mannschaft gegenseitig angeht und die Stimmung negativ wird.
Was war in deiner bisherigen Karriere dein absolutes Highlight-Zweikampfduell oder deine spektakulärste Rettungsaktion, an die du dich heute noch gerne erinnerst?
Er wird lachen, wenn er das liest, aber das vielleicht bedeutsamste Duell zu diesem damaligen Zeitpunkt war für uns das Heimspiel gegen Memmingen am 30. Spieltag in der Saison 2023/24 . Ich musste den damals besten Außenspieler, Maxi Berwein, aus dem Spiel nehmen. Nach 60 Minuten wurde er ausgewechselt - und wir haben 3:2 gewonnen. Das war ein extrem bedeutender Sieg für unseren eigentlich schon nicht mehr geglaubten Klassenerhalt. 'Job done', würde ich sagen!
Heutzutage wird im Strafraum extrem viel gehalten, gezupft und psychologisch gearbeitet. Was ist dein (legaler!) Lieblingstrick, um einem Stürmer schon vor dem ersten Ballkontakt den Spaß am Spiel zu nehmen?
Diese versteckten Fouls habe ich gar nicht drauf, glaube ich (lacht). Ich versuche, das Ganze immer smart und spielerisch zu lösen.

Stichwort Offensivdrang: Ein Tor nach einer eigenen Ecke oder eine perfekte Grätsche in allerletzter Sekunde, die das Gegentor verhindert – was lässt dein Verteidiger-Herz höher schlagen?
Eigentlich sollte jeder Verteidiger sagen: die Grätsche in letzter Sekunde. Jedoch habe ich mittlerweile großen Spaß am Toreschießen gefunden - und würde daher ein Tor nach einer Ecke bevorzugen.
Zum Abschluss: Welcher ehemalige oder aktive Profi-Verteidiger ist dein großes Vorbild in Sachen Mentalität und Spielweise - und warum?
Ich würde mal ganz dezent behaupten, dass mein Spielertyp und auch meine Mentalität der von Joshua Kimmich sehr ähneln. Beide nicht die Schnellsten, dafür aber zweikampfstark und gut mit dem Ball. Aber das natürlich nur ganz dezent verglichen... (lacht)

Und noch die Nachspielzeit-Frage: Wie schneidet dein Team in der kommenden Saison ab? Wo steht ihr am Ende der Spielzeit?
Wie jedes Jahr gilt es erst einmal, so früh wie möglich die Klasse zu sichern. Wir haben aktuell einen großen Umbruch zu bewältigen. Wir müssen wieder demütig arbeiten und versuchen, mit dem neuen Trainer früh in einen guten Flow zu finden.
Dafür alles Gute! Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.