Die Position des Sportlichen Leiters oder Sportdirektors gilt sowohl auf Amateurebene als auch im Profi-Bereich als eine Schlüsselrolle im Fußball-Geschäft. Das Ziel: Der sportliche Erfolg. Und der ist überall gleich definiert. Doch Anforderungen, Aufgaben und die Arbeitsweise unterscheiden sich je nach Liga und Verein. Ein Vergleich zwischen Michael Kolkenbrock, dem Sportlichen Leiter des SV Menzelen (Kreisliga A), und Youri Mulder, dem Sportdirektor des Zweitligisten Schalke 04 – gleichzeitig Kolkenbrocks Herzensverein.
Durch den 8:2-Kantersieg gegen Concordia Rheinberg geht der SV Menzelen als Aufsteiger mit einem Sieben-Punkte-Polster in die Winterpause. Mit 23 Zählern und Tabellenplatz zehn liegen die Grün-Weißen im Kampf um den Klassenerhalt voll im Soll. Seit 2017 trifft Michael Kolkenbrock beim SVM die sportlichen Entscheidungen und ist seit Sommer durch den Umzug von Dennis Falk auch als Fußball-Obmann tätig.
Zu Kolkenbrocks Hauptaufgaben gehört der ständige Austausch mit dem Trainerteam und den Spielern – insbesondere wenn es um Neuzugänge oder Abmeldungen geht. Anders als im Transfer-Alltag und den Vertragsverhandlungen im Profi-Geschäft, in die bekanntlich auch Spielerberater involviert sind, läuft die Kaderplanung bei den hiesigen Dorfklubs fast ausnahmslos über mündliche Zusagen für die neue Saison.
Die Gespräche beginnen oft im Winter und ziehen sich bis ins Frühjahr. „Es sieht so aus, als würde den Verein niemand verlassen“, so Kolkenbrock. Zudem ist der 57-Jährige für organisatorischen Aufgaben wie Passwesen und Spielverlegungen verantwortlich.
Die Herausforderung besteht darin, den Seniorenbereich zu stärken, die zweite Mannschaft als Unterbau auszubauen und die Entwicklung von Spielern aus der eigenen Jugend, die einen Großteil der A-Liga-Mannschaft von Frank Griesdorn ausmachen, voranzutreiben. „Das geht in einem kleinen Verein gar nicht anders. Wir sind eine homogene Truppe mit einem super Teamgeist. Inzwischen wecken unsere Spieler Begehrlichkeiten. Aber wir führen alle eine total offene Kommunikation“, sagt Kolkenbrock und erklärt mit Blick auf potenzielle Verstärkungen: „Die Jungs regeln untereinander sehr viel und kennen die Spieler in der Umgebung besser. Da brauche ich gar nicht so viel mehr tun.“
Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum 2025 ist der SV Menzelen in der A-Liga angekommen. Dort möchte sich der Verein etablieren. Kolkenbrock versteht sein Amt als Sportlicher Leiter auch so, möglichst frühzeitig die Ziele der nächsten Saison zu definieren und eine gemeinsame Vision zu entwickeln. „Wir haben goldene Jahrgänge, die Truppe kann noch lange so zusammenspielen. Ich möchte nicht ausschließen, dass wir irgendwann sogar in der Bezirksliga spielen.“ Das gab’s in Menzelen noch nicht.
Seine Dauerkarte für die Heimspiele des FC Schalke 04 hat Michael Kolkenbrock für die laufende Saison aus zeitlichen Gründen abgegeben. Der S04-Anhänger traut der Mannschaft von Kees van Wonderen trotz der enttäuschenden Hinrunde noch einen einstelligen Tabellenplatz zu und schätzt, auch mit Blick auf sein eigenes Ehrenamt, vor allem die Arbeit des neuen Direktors Profifußballs und früheren Publikumslieblings Youri Mulder. „Er versprüht viel Optimismus und hat ein ganz anderes Auftreten als sein Vorgänger Marc Wilmots. Ich habe ihn als Spieler geliebt, aber als Funktionär war er nicht mehr das Kampfschwein.“
Während Scouting und Kaderplanung bei den Schalkern in den Händen von Ben Manga liegen, ist Mulders Rolle im Vergleich zum Amateuramt wesentlich komplexer, strategischer ausgerichtet und mit wirtschaftlicher Verantwortung verbunden. Der Niederländer vertritt den Profi-Klub gegenüber Medien, Fans sowie Sponsoren und arbeitet eng mit Aufsichtsrat, Vorstand, der medizinischen Abteilung und der „Knappenschmiede“ zusammen. Er ist Bindeglied zwischen sämtlichen Bereichen.
Die Vision des Zweitligisten ist ähnlich ambitioniert. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten will der Klub bis 2026 wieder in die Bundesliga aufsteigen und dort dauerhaft konkurrenzfähig sein. Kolkenbrock würde das unterschreiben. Gut möglich, dass sich sein SV Menzelen dann schon zu einem ambitionierten A-Ligisten entwickelt hat und von der Bezirksliga träumen darf.