
Wiesbaden. Es hatte sich bereits vor dem letzten Verbandsliga-Spiel des FV Biebrich 02 gegen Germania Okriftel (6:0) angedeutet. Nun ist es spruchreif. Kapitän Derrick Amoako wird die 02er verlassen und zu Ligakonkurrent Türkischer SV wechseln, wie der 32-Jährige selbst bestätigt. Mit David Meurer vermeldete die Biebricher Sportliche Leitung um David Schug am Montag den Verbleib einer zentralen Säule der Mannschaft.
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Bemüht hatten sich die Biebricher Verantwortlichen um Amoako, der mit Unterbrechungen rund zehn Jahre das blaue Trikot getragen hat. Vergeblich, wie Schug später feststellen musste und den Abgang „sehr schade“ findet. Der Türkische SV habe sich schon seit drei Jahren um ihn bemüht, erzählt Amoako. „Es war der Kopf“, der am Ende entschieden habe. „Die Gespräche mit Biebrich waren top, sie wollten natürlich, dass ich weitermache. Die Mannschaft wird viel jünger nächstes Jahr und dann habe ich mir gesagt, dass ich mit meinem Alter nochmal etwas anderes machen möchte. Wo ich auch mit ein, zwei Freunden zusammenzuspielen kann, mit denen ich vorher nicht die Möglichkeit hatte, zusammen auf dem Platz zu stehen“, erklärt er.
Konkret meint er damit seinen Cousin Eleazer Mensah, Yoel Yilma, Emirkan Dorul und Wallufs Nazeem Aboubakari, der kurz vor einem Transfer zum TSV steht. Kürzlich hat Klubchef Ilkay Candogan Can Kilic Görgülü als neuen Co-Trainer hinter Chefcoach Gökhan Caliskan vorgestellt. Beim Türkischen SV könne der frischgebackene Vater einer Tochter vieles vereinen. Der Weg zum Sportplatz am Niederfeld sei für ihn ein Katzensprung, zudem habe ihn die Idee des TSV überzeugt. „Die wollen nächstes Jahr eine gute Mannschaft aufstellen. Ich wollte in der Verbandsliga bleiben“, betont Amoako, der in einer Marketingabteilung arbeitet. „Ich hätte aber auch noch eine Etage höher gehen können – die Optionen waren da“.
Nachdem der Linksfuß Biebrich im Sommer 2018 in Richtung VfB Ginsheim (damals noch Hessenliga) verlassen hat, kehrte er vier Jahre später wieder an die Jürgen-Grabwoski-Sportanlage zurück. Sein Leistungszenit erreichte der linke Schienenspieler in der Saison 24/25, in der er 18 Torbeteiligungen beisteuerte und damit maßgeblich zum Erfolg der 02er beigetragen hatte. Besonders profitierte er von der Biebricher Systemumstellung auf eine Dreier- respektive Fünferkette, bei der die beiden Außenspieler mehr Freiheiten genießen. In der abgelaufenen Saison führte Amoako die 02er als Kapitän aufs Feld. Beim 6:0 gegen Okriftel – die Gäste traten aufgrund von Spielermangel nach der Halbzeit nicht mehr an – erzielte Amoako seinen Abschiedstreffer.
Entsprechend emotional fallen daher seine letzten Worte aus: „Ich bin damals nach Biebrich gewechselt, als im gleichen Jahr mein Vater verstorben ist. Ich bin als kleiner Junge hingegangen, bin nach zwei Jahren zu Wehen Wiesbaden ins NLZ (Anm. d. Red.: Nachwuchsleitungszentrum) gewechselt, später zurückgekommen, wieder gegangen und nochmal zurückgekehrt. Jetzt ist der Moment, wo ich Abschied nehme. Danke für alles, was sie für mich getan haben. Auch die Coaches, die ich in dieser Zeit hatte. Ob Andreas Sauer in der D2 oder später Nazir Saridogan, der wie ein Vater für mich war. Er war auch ein Grund dafür, warum ich so lange in Biebrich gespielt habe. Biebrich ist für mich wie eine Herzensangelegenheit.“