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Der FSC Mönchengladbach spielt nur mit den Herren in der Halle.
Der FSC Mönchengladbach spielt nur mit den Herren in der Halle. – Foto: Martina Krämer-Lichtschla

Warum der Frauenfußball Sport Club nur mit einem Herrenteam antritt

Der erste reine Fußballverein für Frauen Mönchengladbachs schickt zur Hallenstadtmeisterschaft eine Herrenauswahl. Warum ein Frauen- oder Mädchenteam derweil nicht teilnimmt.

Ein wenig kurios mutet es schon an: Der Frauenfußball Sport Club (FSC) Mönchengladbach, einer der ersten deutschen Frauenfußball-Vereine überhaupt und erst recht der erste von Mönchengladbach, der in seinen Hochzeiten in den späten 90er- und 2000er-Jahren sechs Nationalspielerinnen ausbildete, nimmt an der Hallenstadtmeisterschaft teil – mit einem Männerteam.

Die in der FairPlay-Runde der Kreisliga C antretende Seniorenmannschaft wird in der nach den Weihnachtstagen ausgetragenen Vorrunde der Meisterschaft in Gruppe 3 unter anderem auf Bezirksligist TuS Wickrath, aber auch auf Liga-Konkurrent Eintracht Güdderath. Das Team, das erst zur Saison 2023/24 als Abspaltung vom Nachbarverein SC Rheindahlen in der untersten Liga in den Spielbetrieb ging, hat beim Budenzauber nur Außenseiterchancen, nimmt eher aus Spaß an der Freude teil.

Halle hat keinen Wert

Ansonsten ist der FSC, eigentlich ein Aushängeschild für den Frauenfußball, nicht vertreten – weder beim Frauenturnier, noch bei einem der Mädchenturnier. Dabei holte der FSC vor geraumer Zeit bereits etliche Stadtmeistertitel. Auch kürzlich wurde die B-Juniorinnen-Auswahl des FSC erst Meister der Kreisklasse und spielt im Frühling in der Leistungsklasse, über die man sich für die Niederrheinliga qualifizieren kann. Doch für den Nichtantritt in der Halle gibt es Gründe, wie FSC-Vorsitzender Wolfgang Wassenberg erklärt: „Ich sehe den sportlichen Wert für uns Mädels nicht. Sie sind noch nicht so weit. Wenn sie mit den besten mithalten könnten, könnte ich mir das schon vorstellen.“ Er verweist jedoch auf den sportlich eher ungleichen Wettbewerb, der die Frauen- und Mädchen-Turniere der vergangenen Hallenmeisterschaften und auch der aktuellen kennzeichnete. Beim U15-Juniorinnen-Turnier am 15. Dezember nahmen nur drei Teams teil, der
SC Hardt hatte gegen die Borussia und den FV keine Chance, verlor jeweils zweistellig, schließlich dominierte Borussia auch den FV.

Bei der U17, bei der der FSC mit seinem Kreisklasse-Team an diesem Sonntag hätte antreten können, ein ähnliches Bild: Borussia gewann deutlich vor dem FV. Immerhin traf hier mit der Borussia ein Regionalligist auf den FV (Niederrheinligist) und mit Giesenkirchen, Neuwerk und Hardt auf drei Kreisklasse-Auswahlen. Die deutlichen Klassenunterschiede lagen also auf der Hand. Das Frauenturnier wird bei der diesjährigen Meisterschaft erst Anfang Januar ausgetragen, aber auch im Vorjahr waren die Borussia (zweite Mannschaft) und der FV den anderen Teams weit voraus.

Laut Wassenberg würden aber gerade diese, eigentlich aber fast alle Frauen- und Nachwuchsteams der Stadt ehemalige Akteurinnen des FSC in ihren Reihen haben. „Seit Sommer spielen mehrere der U15-Nachwuchstalente unseres Leistungszentrums in der U17-Niederrheinliga beim FV und mehrere Elfjährige werden permanent von der Borussia zu Nachwuchscamps eingeladen“, erklärt der Vorsitzende. Dementsprechend hat er auch zur Teilnahme an Turnieren mit genau diesen Konkurrenten eine klare Meinung: „Wenn ich einer Mannschaft die Talente weghole und mich hinterher damit brüste, diese mit 9:1 wegzuhauen, dann hat das für mich keinen Mehrwert“, sagt er in seiner gewohnt deutlichen Art.

Um seine U17-Mädels zu „schützen“, schotte Wassenberg sie also von Turnieren wie der Hallenstadtmeisterschaft ab und das seit rund drei Jahren. Scouts der Mitbewerber würden immer wieder auch FSC-Spielerinnen kontaktieren. Nachdem Wassenberg aber das Frauen-Team 2022 vom Spielbetrieb abgemeldet hatte, will er seitdem den Neuanfang mit seinem Nachwuchsteam weitergehen. Dieses soll perspektivisch bereits im nächsten Jahr aufgesplittet werden: In ein Team, das optimalerweise weiter als B-Jugend-Auswahl nach einem möglichen Aufstieg in der Niederrheinliga kickt. Und in ein Team, das bei den Frauen zunächst in der Kreisliga an den Start geht.

Außerdem hält Wassenberg etwas anderes von der Hallenstadtmeisterschaft ab: Wenig Hilfe von außerhalb für die in die Jahre gekommene Spielstätte des FSC, der darüber hinaus seinen Kabinen- und Sozialräumetrakt noch immer in provisorischen Hochseecontainern unterhält. „Die Stadt gibt uns so wenig, sie kann nicht verlangen, dass wir an städtischen Turnieren festhalten. Und auch vom Stadtsportbund kam schon lange keiner mehr bei uns vorbei“, kritisiert Wassenberg.

Aufrufe: 030.12.2024, 22:00 Uhr
Arnd JanssenAutor