
Es gibt deren mehr als man denkt, Sportlerinnen und Sportler, die neben ihrer Hauptsportart oder nach ihrer aktiven Karriere in einer anderen Sportart Fußball spielen. Und dabei handelt es sich keineswegs ausschließlich um Freizeitsportler.
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Dass Ex-Tennis-Profi Gilles Muller schon immer ein Fußballfan war, ist kein Geheimnis. Wenn es ihm sein Zeitplan erlaubte, war er gerne auch bei Länderspielen zu Gast. Mit zwei Turniersiegen auf der ATP World Tour und legendären Siegen gegen Andre Agassi oder Rafael Nadal und Weltranglistenposition 21 als beste Platzierung sorgte Luxemburgs bester Tennisprofi aller Zeiten weltweit für Aufsehen. Der mittlerweile 42-Jährige schnürt in der Zwischenzeit so gut es geht die Fußballschuhe bei den Veteranen des FC Sporting Bartringen.
„Ich kann mich berufsbedingt natürlich nicht zu sehr binden. Aber ich bin in Bartringen auf sehr nette Menschen getroffen. Über Freunde bin ich dazugestoßen und so kann ich mich ein bisschen bewegen. Wir lachen viel zusammen und verstehen uns gut“ hob der einstige Weltklasseathlet den sozialen Aspekt in einem kurzen Telefongespräch mit FuPa Luxemburg hervor.
Und er ist nicht der einzige Athlet aus dem Großherzogtum von Weltformat, der auch auf dem Fußballplatz aktiv ist bzw. war. Karateka Jennifer Warling, ihres Zeichens Europameisterin von 2019, Vizeeuropameisterin 2014 und 2025 und Bronzegewinnerin 2015 in der Kategorie Kumite 55 Kilo und zweimalige Bronzegewinnerin bei den European Games (2019 und 2023) war beim SC Ell und davor in Lintgen lizenziert.
„Ich habe mit 12 oder 13 Jahren in Lintgen in der Frauenmannschaft angefangen zu spielen und hätte beinahe mit Karate aufgehört, um Fußball zu spielen. Da ich aber noch keine 14 war, durfte ich außer Freundschaftsspielen keine Partien bestreiten. Gleichzeitig habe ich immer an internationalen Karate-Wettkämpfen teilgenommen und dort auch meine ersten Medaillen gewonnen. Ich bin dann ins ‚Sportlycée‘ gewechselt und hatte dadurch kaum noch Zeit für den Fußball.
Bei meiner ersten Jugend-Europameisterschaft wurde ich dann Dritte im Karate. Ich bin aber immer irgendwie mit meinem Team in Lintgen in Kontakt geblieben und habe ab und zu ausgeholfen. Ich glaube 2016 wurde die Frauenmannschaft dort aufgelöst. Da damals einige Spielerinnen nach Ell gewechselt sind, habe ich dort heute noch eine Lizenz. Obwohl ich momentan keine Spiele bestreite, nehme ich in den Sommerferien oft am Training teil, weil mir Fußball immer noch Spaß macht und es außerdem meiner allgemeinen Fitness im Karate guttut. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht verletze.“
Nach ihrer Karriere auf dem Drahtesel traten bzw. treten gleich zwei ehemalige Radprofis gegen den Ball. Kim Kirchen kickte nicht nur als Kind in Jugendteams sondern auch später nach seinem Karriereende für die Veteranen der US Hostert, wo er mittlerweile nicht mehr aktiv, aber noch Mitglied ist. Auf der anderen Seite des Grünewalds spielt Ivan Centrone für die 2.Mannschaft des FC Avenir Beggen.
„Im Alter zwischen 15 und knapp 19 Jahren machte ich eine Pause und betrieb lange überhaupt keinen Sport mehr. Mit 17, 18 Jahren schrieb ich mich bei UNA Strassen ein und mit den Junioren arbeitete ich mich innerhalb einer Saison hoch. So komisch das klingen mag, aber das war dann auch der Grund, wieder mit dem Radsport anzufangen, ich war wieder auf den Geschmack des Sports gekommen. Im Radsport legte ich dann eine respektable Karriere von rund zehn Jahren hin, die aber leider nicht wie gewünscht zu Ende ging. Mit 29 Jahren war ich noch jung und über einen Freund kam ich nach Beggen. Es war die richtige Wahl, es ist eine große Familie und es bereitet mir viel Spaß, dort Fußball zu spielen.“

Für Leichtathletin Mandy Charlet war Fußball eine von zwei „Sportlieben“. Dabei schaffte sie es sogar auf neun Länderspiele für die FLF: „Wenn ich auf meine dreißigjährige sportliche Laufbahn zurückblicke, dann stelle ich fest, dass zwei Sportarten in meinem Herzen den größten Platz eingenommen haben. Die Rede ist von Leichtathletik und Fußball. Vierzehn Jahre lang war die Leichtathletik mein Zuhause. Ich war eine leidenschaftliche und begnadete Siebenkämpferin, trainierte fünf bis sechsmal pro Woche und verbrachte meine Wochenenden auf Wettkämpfen. Der Sport bestimmte meinen Alltag, gab mir Struktur, Ziele und vor allem Identität. Die Disziplinen des Siebenkampfs forderten mich körperlich wie mental und genau diese Vielseitigkeit liebte ich. Leistung, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen waren für mich selbstverständlich. An meiner Seite war stets meine Trainerin und Mentorin Danielle Lorang vom CAD.
Mit 20 Jahren begann meine berufliche Laufbahn als Polizistin. Die Belastung durch Sport und Beruf war hoch und langsam veränderte sich etwas in mir. Die Leidenschaft für den Einzelsport wurde weniger intensiv und gleichzeitig wuchs die Lust auf etwas Neues. Ich sehnte mich nach einem Teamsport, nach Gemeinschaft und nach einem anderen sportlichen Gefühl. Ich begann meine Fußballkarriere mit 23 Jahren bei F91. Nur ein Jahr später war ich Teil der Damennationalmannschaft. Ein Traum ging in Erfüllung. Unser damaliger Trainer, Romain Jean, der 2024 verstorben ist, prägte uns nicht nur sportlich sondern auch menschlich. Zum ersten Mal erlebte ich das Gefühl, Teil eines Teams zu sein, gemeinsame Siege zu feiern und Niederlagen zu verarbeiten. Freundschaften bestehen bis heute noch. Ich war angekommen und glücklich.
Trotzdem vermisste ich meinen Einzelsport. Die Leichtathletik war so lange mein Zuhause, dass ich sie nicht sofort loslassen konnte. Ich nahm neben der Fußballmeisterschaft an Landes- und Teammeisterschaften der Leichtathletik teil. Die Leistungen standen nicht mehr so sehr im Vordergrund. Viel wichtiger war es, die Freude an der Leichtathletik und dem Fußball parallel zu leben. Heute bin ich dankbar für diesen Weg. Beide Sportarten haben mich geformt, mir unterschiedliche Werte vermittelt und mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Sport war nie nur Bewegung, er war Leidenschaft, Schule fürs Leben und ein unverzichtbarer Teil meiner Geschichte.“

Es gibt auch Fußballer von hohem Niveau, die sich nach dem Karriereende anderen Sportarten zuwendeten. Jérôme Marcolino lief einst in der BGL Ligue für u.a. Hamm, Differdingen, Käerjeng, Rosport und die US Esch auf. Ihn trifft man mittlerweile des Öfteren auf dem Golfplatz wieder. Jean-Philippe Facques wandte sich einst nach seinem Schlussstrich im Fußball 2009 beispielsweise dem Triathlon zu. Natürlich erheben wir keinen Anspruch darauf, dass unsere Liste komplett ist. Doch die obige Aufzählung soll aufzeigen, dass Fußball nicht nur, wie von Mandy Charlet erklärt, Zusammenhalt und Teamgeist fördert, sondern am Ende des Tages auch eine besondere gesellschaftliche Rolle spielt.
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