Ernst Ertelt ist 76 Jahre alt. Fußball war und ist seine große Leidenschaft. Und Ertelt steht auch im hohen Alter regelmäßig auf dem Platz. Er spielt Walking Football bei Concordia Rheinberg. 14 Oldiekicker gehören zur Mannschaft. Gehfußball findet immer mehr Anhänger in Deutschland. „Die Zahl der Spieler wächst stetig weiter“, sagt Winfried Titze, Mitglied der Breitensport-Kommission im Fußballverband Niederrhein (FVN). Jetzt hat das FVN-Präsidium eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, um die junge Trendsportart noch bekannter zu machen. Zu den sechs AG-Mitgliedern gehört mit Dieter Wiekhorst (72) auch ein Mitspieler von Ernst Ertelt.
Winfried Titze zählt sich in Deutschland zu den Gehfußballern der ersten Stunde: „Walking Football kommt aus England, 2011 ging’s dort los. Wir von den Fusseberg Kickers Helpenstein haben den Sport 2018 für uns entdeckt.“ Aktuell gibt’s im FVN-Gebiet 75 Gehfußball-Mannschaften – Tendenz steigend. Bundesweit sollen es mittlerweile um die 600 Teams sein. In Helpenstein hat sich in diesem Jahr das erste Frauen-Team gegründet. „18 Damen sind dem Verein extra dafür beigetreten. Im Zuge des demografischen Wandels bietet Gehfußball eine gute Möglichkeit, neue Mitglieder dazuzugewinnen“, so Titze.
Grundsätzlich gibt es für Walking Football keine vorgeschriebene Altersbeschränkung. Der Großteil der Spieler ist aber 50 Jahre und älter. Die Unterschiede zum typischen Fußball sind groß. Einer Mannschaft gehören zumeist nur sechs Akteure an, die Tore sind kleiner, und es gibt keinen Keeper. Rennen und laufen ist untersagt. Es sind nur Flachpässe erlaubt. „Die Leistung steht nicht im Vordergrund, sondern vielmehr die Kameradschaft und der Spaß“, weiß Titze, der für 2025 einen weiteren Popularitätsschub für den Gehfußball erwartet.
Im vergangenen Monat hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Bundesärztekammer Walking Football offiziell als Präventionssport anerkannt. „Welcher positiven Auswirkungen die Entscheidung hat und inwieweit Krankenkassen einen Zuschuss für Gehfußballangebote bewilligen, ist noch offen“, sagt Titze. Bei einer Videokonferenz Ende Januar mit Mitarbeitern des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) und den Breitensport-Vertretern der Landesverbände soll auch darüber gesprochen werden.
Da Peter Frymuth, FVN-Präsident und DFB-Vizepräsident, Befürworter von Walking Football ist, übernimmt der FVN im Gehfußball eine Vorreiterrolle. Winfried Titze: „Wir sind deutschlandweit der erste Verband, der 2025 eine Trainerausbildung startet.“ Es sei ein Pilotprojekt. In diesem Jahr wurden 38 Gehfußball-Schiedsrichter beim FVN ausgebildet.
Der Baerler Dieter Wiekhorst ist schon seit vielen Jahren Anhänger des Gehfußballs. „Der Sport ist optimal für ältere Spieler mit körperlichen Einschränkungen, die sich einfach nur in der Gemeinschaft bewegen wollen“, sagt der 72-Jährige, der auch Coach der Rheinberger Mannschaft ist. Als Mitglied der neuen Walking Football-AG sei es seine Aufgabe, in den Vereinen für die Sportart zu werben. So will er demnächst bei Arbeitstagungen in den Fußball-Kreisen Kleve/Geldern, Moers, Oberhausen/Bottrop sowie Rees/Bocholt zu Gast sein.
Wiekhorst: „Mein Ziel ist, ein Netzwerk aufzubauen.“ Wenn Wiekhorst vor den Vereinsvertretern spricht, wird er sicherlich auch erwähnen, dass in Bundesliga-Vereinen wie Schalke 04, Bayer Leverkusen, Arminia Bielefeld oder VfL Bochum Gehfußball gespielt wird. Das Angebot sei auch ideal für Neu- oder Wiedereinsteiger.
Während es in einigen Landesverbänden einen organisierten Spielbetrieb gibt, ist das im FVN-Gebiet nicht der Fall. „Wir haben durch Nachfragen in den Vereinen erfahren, dass sich die Mannschaften lieber in Freundschaftsspielen gegenüberstehen oder Turniere organisieren“, so Wiekhorst. „Hauptsache, es wird gespielt.“