
Am Sonntag bekommt es Abstiegskandidat SpVg Porz mit Top-Team VfL Vichttal zutun. Während die Gäste mit einem Auswärtsdreier den Klassenerhalt wohl sicher hätten, brauchen die Hausherren zwingend drei Punkte, um die minimalen Aufstiegschancen in die Regionalliga noch am Leben zu halten. Zugleich ist die SpVg aus Porz nach der überaus bitteren 2:5-Klatsche im Hinspiel auf Wiedergutmachung aus. Zwar hat SpVg-Coach Jonas Wendt wieder mehr Optionen, muss jedoch im Tor auf eine ungewohnte Maßnahme zurückgreifen. Sein Gegenüber Sanjin Talic will derweil die Ungeschlagenen-Serie auf heimischem Terrain weiter ausbauen.
Als einzige aller 16 Mannschaften ist der VfL Vichttal auf eigener Anlage noch unbesiegt. Weder die Aufstiegskonkurrenten SV Bergisch Gladbach 09 (2:1), SV Eintracht Hohkeppel (2:2) oder der SSV Merten (2:2), noch eines der anderen Teams konnten den VfL im heimischem Sportpark Dörenberg bezwingen. In Summe kommt der Tabellenvierte in zwölf Heimspielen auf 30 erobere Punkte, steht in der Heimtabelle derzeit auf Rang zwei. Neben dem - ob des Rückstands von acht Zählern auf Spitzenreiter Bergisch Gladbach - nicht mehr ganz so realistisch einzuschätzenden Ziel der Meisterschaft peilt Vichttal demnach ein weiteres Saisonziel an, wie Co-Trainer Sanjin Talic hervorhebt:
„Wir wollen den inoffiziellen Titel 'die heimstärkste Mannschaft der Saison' holen“, versichert der 45-Jährige und erinnert sich zugleich noch gut an den Hinrunden-Auftritt gegen Porz: „Das Hinspiel war ein emotionales, packendes Duell. Wir lagen mit 0:2 in Rückstand und drehten das Spiel ab der 74. Minute in ein 5:2. Wir erwarten definitiv wieder ein Spiel mit den Hinspiel-Mustern und vielen Toren“, verrät der Assistent von Chefcoach Arandjel Avramovic. Damals besorgten Yassine Al Gnondi per Dreierpack und Mustapha Chahrour sowie Henrik Artz mit ihren Treffern den spektakulären Auswärtserfolg des VfL. Nach der 1:3-Pleite beim FC Wegberg-Beeck in der Vorwoche sollen nun wieder drei Punkte her, um den Anschluss an die Tabellenspitze aufrechtzuerhalten.
Die SpVg Porz hingegen schwimmt in anderen Gewässern als der Kontrahent aus Vichttal. Mit 24 Punkten auf der Habenseite belegt die SpVg nach wie vor den letzten Nicht-Abstiegsplatz, hat den Klassenerhalt noch nicht in der Tasche. Durch den Nichtantritt des FC Pesch in der vergangenen Woche hatte die Elf von Coach Jonas Wendt nicht nur die Möglichkeit auf einer zusätzliche Trainingseinheit, sondern weist nun auch einen Vorsprung von zehn Punkten auf Verfolger Sportfreunde Düren auf. Dieses Polster macht dem Abstiegskandidaten Mut, was auch Wendt betont. Zugleich tritt der Chefcoach jedoch bewusst auf die Euphoriebremse.
„Wir haben am Wochenende trainiert und konnten mit Etienne Kamm und Eung-yu Kim zwei Rückkehrer gewinnen, die am Sonntag definitiv im Kader stehen werden. Auch wenn die Tabellensituation für uns gut aussieht, wissen wir, dass rechnerisch noch alles möglich ist. Ich werde den Teufel tun und uns jetzt schon als durch bezeichnen - zumal man bei uns zuletzt nicht grade positiven Lauf sprechen konnte“, stellt der 43-jährige Übungsleiter mit Blick auf die zuletzt schwache Bilanz klar: Aus den vergangenen sieben Ligaspielen sprang einzig ein Zähler zugunsten der SpVg heraus.
Damit diese nun ein Ende findet, gelte es insbesondere die Lehren aus dem Hinspiel aufzuarbeiten, wie Wendt betont: „Wir kennen die offensive Wucht der Vichttaler - das mussten wir im Hinspiel am eigenen Leib erfahren, als wir eine Führung nach einer gelb-roten Karte noch aus der Hand gegeben haben.“ Für den Underdog spricht jedenfalls, dass mit Kamm und Kim zwei wichtige Akteure wieder zur Verfügung stehen. Generell kann die SpVg in Sachen Personalsorgen wieder etwas aufatmen, auch wenn die Torwart-Situation weiter Probleme bereitet: „Bei Daniel Spiegel und Metin Kizil kommt ein Einsatz noch zu früh, aber wir sind optimistisch, dass sie kommende Woche wieder ins Training einsteigen können, sodass sich unser Lazarett - sofern nicht neues Neues passiert - endlich etwas lichtet“, lässt der Cheftrainer positiv verlauten. Einzig zwischen den Pfosten hapert es: Weil Ersatzkeeper Markus Wollnik gelbgesperrt ausfällt, wird der ursprünglich bereits im "Ruhestand" weilende Lukas Tschunitsch am Sonntag einspringen und „über sich hinaus wachsen“ müssen.
Dass Porz aufgrund der Tabellensituation zweifelsohne als Außenseiter nach Vichttal fährt, steht außer Frage. Dennoch unterstreicht Chefcoach Wendt vor der Begegnung die Möglichkeit, mit einem Dreier endgültig alles klar zu machen im Keller und weiß auch um die eigenen Qualitäten seiner Mannschaft: „Wir wissen trotz der Personalnot, wozu wir in der Arbeit gegen den Ball fähig sind, wenn die Abläufe greifen. Zudem wissen wir, dass wir immer für ein Tor gut sind. Wir fahren mit Selbstbewusstsein hin, haben dort nichts zu verlieren und aufgrund des Polsters in der Tabelle steht nichts auf Messers Schneide“, nimmt der 43-Jährige bewusst etwas Druck aus den Segeln. Zudem sei auch der Fakt, dass der Kontrahent auf heimischer Anlage bislang noch unbesiegt ist, ein „zusätzlicher Motivationsfaktor.“
Ob es dann schlussendlich erneut zu einem solch spektakulären und torreichen Aufeinandertreffen wie bei der vergangenen Begegnung kommt, bleibt abzuwarten. Ab 15.30 Uhr rollt der Ball in Vichttal.