
Nach dem 6:3-Erfolg über Tabellennachbar FC Hennef 05 in der Vorwoche konnte der FC Pesch selbstbewusst zum SSV Merten fahren, auch wenn die Ausgangslage klar war: Gegen den Kontrahenten aus der oberen Tabellenhälfte ging das Ligaschlusslicht als klarer Underdog. Nach zwischenzeitlichem Comeback muss sich der FC - anders als beim Überraschungssieg - mit 2:5 geschlagen geben. Nach Spielende hadert Chefcoach Ali Meybodi mit zwei strittigen Entscheidungen, während sein Gegenüber Bünyamin Kilic von einem chaotischen Spielverlauf spricht.
Anders als beim 1:0 im Hinspiel zeigte sich die Hintermannschaft des FC Pesch von Beginn an löchrig. So dauerte es keine fünf Minuten, ehe Emirhan Özen zum 1:0 für Merten einschob und die Hausherren somit früh auf die Siegerstraße brachte. Alles andere als ein gelungener Start für die Gäste, wie FC-Übungsleiter Meybodi anführt: "Wir sind nicht gut in die Partie gekommen. In den ersten zehn bis 15 Minuten waren wir einfach nicht wach genug. Der Gegner erzielt auch direkt das 1:0, weil wir in der Abwehr nicht gut sortiert waren", kritisiert der 50-Jährige und ergänzt: "Danach hatten wir noch zwei, drei weitere Unachtsamkeiten, bei denen wir Glück hatten, dass der Gegner nicht noch erhöht hat."
Zwar kam der Außenseiter im Anschluss dann "besser ins Spiel" und schaffte es lange Zeit, die Mertener Offensive vom eigenen Gehäuse fernzuhalten. Kurz vor dem Pausenpfiff kam es dann jedoch zu besagter strittiger Szene: Nach einem Eckstoß des SSV riss FC-Schlussmann Mertcan Akar Gegenspieler Maximlian Decker scheinbar regelwidrig zu Boden, weshalb auf Strafstoß für die Hausherren entschieden wurde. Diesen verwandelte Gaspard Fehlinger mit seinem ersten Saisontreffer sicher zum 2:0. Meybodi beschreibt die Szene wie folgt: "Ich habe die Situation ehrlich gesagt nicht richtig gesehen. Der Schiedsrichter entschied auf Foul unseres Keepers, der jedoch beteuert, dass da nichts war."
Doch der Elfmeterpfiff war nicht die einzige Entscheidung, die Meybodi kritisiert: "Kurz darauf gab es eine Szene, die aus meiner Sicht eine klare Tätlichkeit einer Mertener Spielers war. Das hätte man sehen müssen. So gehst du dann leider mit einem 0:2-Rückstand in die Kabine", zeigt sich der Cheftrainer verärgert über die nicht geahndete Aktion.
Nach dem Seitenwechsel wendet sich dann jedoch das Blatt. Weil der SSV die ersten Minuten nach dem Wiederanpfiff verschläft und Gäste-Coach Meybodi seiner Mannschaft in der Halbzeitpause scheinbar die richtigen Worte mit auf den Weg gegeben hatte, besorgten Ismail Farzat und Georg Skhri unmittelbar zu Beginn des zweiten Abschnitts den Ausgleich. Merten-Trainer Kilic macht den Einbruch seiner Elf an fehlendem Zugriff in der Defensive fest: "Pesch hat sich nicht aufgegeben und kommt mit dem ersten Torschuss in der zweiten Halbzeit zum Anschluss. Beim 2:2 sehen wir hinten nicht gut aus: Obwohl wir in Überzahl sind, kommt der Gegner im Strafraum irgendwie zum Abschluss."
Aus Sicht von Meybodi war seine Mannschaft durch die beiden Treffer wieder "voll im Spiel", agierte auch in der Folge wach und mutig. Allerdings wurde auch Merten zunehmen stärker , scheiterte aber - wie so oft in den vergangenen Wochen - zumeist an sich selbst: "Wir haben wie in den vergangenen Spielen reihenweise Hochkaräter vergeben. Wir laufen zweimal allein auf den Torwart zu, treffen die Latte und schießen kurz vor Schluss völlig frei über das Tor", hadert Kilic einmal mehr mit der schwachen Chancenverwertung seiner Elf. Bedingt durch eine Verletzung und dem bereits erschöpften Wechselkontingent mussten seine Mannen in der Schlussphase sogar in Unterzahl agieren.
Dass der Favorit am Ende dennoch klar mit 5:2 die Oberhand behält, sei dem 39-jährigen Erfolgstrainer zufolge insbesondere seinem Kapitän Jerome Propheter zuzuschreiben: "Jerome war heute der absolute Dreh- und Angelpunkt. Was er mit seinen 35 Jahren spielt, ist herausragend - riesigen Respekt. Da haben unsere 20-jährigen teilweise Standfußball gespielt - von Jeromes Einstellung können sie sich eine Scheibe abschneiden", lobt Kilic seinen Mittelfeld-Routinier in den höchsten Tönen. Aber auch seine Einwechslungen hätten sich durchaus bezahlt gemacht: "Auch die eingewechselten Shahin Biniazz und Monir Hassan waren sofort präsent", freut sich der Cheftrainer über die beiden Joker-Tore. Zwischenzeitlich reihte sich noch Stürmer Fehlinger mit seinem zweiten Tagestreffer zum 4:2 in die Torschützenliste ein.
Gästetrainer Meybodi hingegen weiß, warum es am Ende nicht zu etwas zählbarem gereicht hat: "Wir waren nach dem 2:2 in der Defensive wieder etwas unachtsam und haben zwei vermeidbare Gegentore kassiert. Der Gegner hat unsere Inaktivität gegen den Ball in dieser Phase eiskalt bestraft. Zwar haben wir es danach weiter versucht und hatten ordentliche Ansätze zum Strafraum, aber beim vorletzten Pass fehlte die nötige Präzision", schlussfolgert Meybodi und bilanziert: "Das Ergebnis fühlt sich deutlicher an, als das Spiel eigentlich war. Am Ende des Tages reichen 30 bis 35 gute Minuten einfach nicht aus. Wir haben uns durch Schläfrigkeiten selbst selbst auf die Verliererstraße gebracht." Dennoch zieht der Übungsleiter auch positive Schlüsse: "Die Jungs haben sich nach dem 0:2 nicht aufgegeben und sich gegen die Niederlage aufgebäumt."
Kilic hingegen ordnet den Heimsieg seiner Mannschaft wie folgt ein: "Wir waren die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen, auch wenn die zwei unnötigen Gegentore wehtun", betont der Chefcoach. Insbesondere ob der vielen personellen Umstellungen in der Startformation des Gastgebers sei der Erfolg dabei keines Wegs selbstverständlich: Auf insgesamt fünf Positionen rotierte Kilic in seiner Anfangself. Nichtsdestotrotz knüpft der SSV an den 2:0-Sieg beim 1. FC Düren in der Vorwoche an. Diese Serie gilt es nun weiter auszubauen: "Wir haben jetzt zwei Wochen frei und werden uns intensiv auf das Spiel gegen Vichttal vorbereiten. Das ist ein echtes Sechs-Punkte-Spiel, in dem wir den Abstand auf Platz zwei auf drei Punkte verkürzen können", gibt Kilic die Marschroute unmissverständlich vor.
Während der SSV Verfolger SC Fortuna Köln II durch den Erfolg drei Punkte hinten sich lässt, spitzt sich die Lage für Pesch weiter zu: Acht eroberte Punkte bedeuten die schwächste Ausbeute aller 16 Mannschaften die Niederlage in Merten ist bereits die 17. in der laufenden Spielzeit. Der Rückstand auf das rettende Ufer ist somit bereits auf zwölf Zähler angewachsen.