2025-12-17T10:26:01.779Z

Allgemeines
SpVgg Unterhaching, Präsident Manni Schwabl.
SpVgg Unterhaching, Präsident Manni Schwabl. – Foto: IMAGO/Ulrich Wagner

„Unsere Heimat bleibt“: Manni Schwabl exklusiv über Bayerns Stadionkauf, Bender und die 3. Liga

Haching-Präsident spricht ausführlich

Abstieg aus der 3. Liga, erfolgreicher Neuanfang in der Regionalliga mit Trainer Sven Bender. Und mit dem FC Bayern gibt es einen neuen Verpächter des Sportparks. Die Spielvereinigung Unterhaching hatte 2025 (wieder mal) ein bewegtes Jahr. Präsident Manni Schwabl ordnet für unsere Zeitung die wichtigsten Themen im Interview ein.

Manni Schwabl, 2025 war ein bewegtes Jahr für die SpVgg Unterhaching. Eine Saison in der 3. Liga, in der nichts zusammenlief und im Abstieg gipfelte. Dann der Aufschwung mit verändertem Kader und Trainer Sven Bender in der Regionalliga. Wie blicken Sie als Präsident auf das vergangene Jahr zurück?

Das erste Halbjahr war geprägt von sehr viel Schatten. Mit dem ersten Spiel in der Rückrunde standen wir sportlich schon voll mit dem Rücken zur Wand. Wir haben alles probiert, aber der Abwärtstrend war einfach nicht mehr aufzuhalten. In der 3. Liga kämpft jeder ums nackte Überleben. Das hat man auch daran gesehen, wie die anderen Teams im Tabellenkeller im Winter noch nachgerüstet haben.

Nach dem Abstieg gab es eine intensive Analyse. Sie haben angekündigt, dass Sie mehr als je zuvor für Haching brennen. Was hat dafür gesorgt, dass die Flamme nie erstickt ist?

Der enge Kern und die Gremien sind immer zusammengestanden. Zudem hilft die Ansicht, dass ein Verein nicht nur aus einer ersten Mannschaft besteht. Die sozialen Aspekte oder auch unser Nachwuchsbereich ziehen einen dann wieder hoch und halten einen bei Laune. Daraus schöpft man die Kraft. Über den Fußball kannst du Aufmerksamkeit erregen. Wir unterstützen 50 Senioren aus dem Hachinger Tal jeden Monat. Zusammen mit „Stars4Kids“ haben wir 30 000 Euro für „brotZeit e.V.“ gesammelt, damit können wir an zwei Schulen in Unterhaching ein Jahr lang täglich ein Frühstück ausgeben. Man muss nur vor der eigenen Haustüre schauen, welche Probleme es gibt.

Sportpark in Unterhaching, Luftaufnahme
Sportpark in Unterhaching, Luftaufnahme – Foto: IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

In der Regionalliga mischt Haching wieder um die Aufstiegsplätze mit. Mit einem Kader, der deutlich ausgeglichener und besser zusammengestellt wirkt.

Sven Bender, Marc Endres und Markus (Schwabl d. Red.) haben beim neuen Kader ein glückliches Händchen bewiesen. Da stecken akribische Arbeit und viel Empathie dahinter. Das zeichnet Sven auch aus, er erreicht die jungen Leute. Bei der Generation Z und so weiter kann man ja auch schon mal durchdrehen (lacht). Sven erreicht die Spieler mit der richtigen Ansprache, ist am Puls der Zeit. Wenn ich mich manchmal mit dem Hermann Gerland am Stammtisch unterhalte, da würde diese Generation vermutlich nicht so gerne zuhören (lacht). Aber das ist nun mal einfach eine andere Welt.

Ein Thema, das für viel Emotionalität gesorgt hat, war der Stadionkauf des FC Bayern in Haching. Wie ordnen Sie das mit etwas Abstand ein?

Wir haben im Laufe der letzten Monate gemerkt, dass das Ganze doch eine Nummer zu groß für uns ist. Den Kauf hätten wir schon hinbekommen, aber den ganzen Rückstau von Instandhaltungen und Renovierungen muss man erst mal packen. Da stößt man an die Grenzen, wenn man gar nicht genau weiß, wann und wieviel investiert werden muss. Bei einem Objekt, das in die Jahre gekommen ist, kann jeden Tag etwas Neues auftauchen. Die infrastrukturellen Anforderungen in den Profiligen werden auch immer höher, alles wird teurer. Das hätten wir nicht mehr im Kreuz gehabt. Dafür brauchen wir uns auch nicht schämen.

FC Bayern und Haching: Wie Scampi und Schweinsbraten

Mit dem FC Bayern hat man nun einen Kooperationspartner als neuen Verpächter.

25 Jahre, nachdem wir Bayern zum Meister gemacht haben, das ist doch eine runde Geschichte (lacht). Es braucht keiner Angst haben, dass Bayern uns hier rausdrängt. Das wird ein Gemeinschaftsprojekt. Es ist die Königslösung, auch für die Gemeinde. Natürlich hatten wir den Traum, das selbst zu stemmen. Aber das Thema Stadion, da muss man nur nach Aachen schauen, hat anderen Vereinen auch schon mal das Genick gebrochen. Der Sportpark ist unsere Heimat, und so wird es auch fortgeführt. Die häufigste Frage war, ob dann im Wirtshaus eine andere Biersorte reinkommt. Da habe ich gesagt: Bleibts mal ruhig und wartet ab! Natürlich wird es auch Kompromisse geben. Aber Bayern wird hier nicht alles umwerfen, das gehen beide Partner mit viel Feingefühl an.

Also haben Sie keine Sorge, dass sich das Gefühl der Heimat etwas verflüchtigt, wenn Bayern über die Jahre immer mehr Einfluss nimmt?

Nein, weil wir das gemeinsam anpacken. Und jeder will doch diesen Charme erhalten. Wo gibt es denn noch ein Stadion, an dem du direkt davor einen Biergarten hast und Familien gerne hingehen? Das passt doch auch gut zum Frauenfußball. Hier soll sich jeder wohlfühlen. Und das wird auch so bleiben. In der Allianz Arena ist eher Scampi gefragt, hier Schweinsbraten, Leberkäs und Ei. Das macht auch den Charme von beiden Seiten aus. Wir sind nun mal eher die Brotzeit-Abteilung (lacht). Ich glaube, die Kooperation wird jetzt noch intensiver und wir werden uns da wunderbar ergänzen.

Man wird Sie demnächst also auch häufiger beim Frauenfußball sehen. Spätestens, wenn Enkeltochter Ella aktiv mitspielt.

Ella hat schon gesagt, dass sie mal beim FC Bayern spielt, weil wir ja noch keine Mädels-Teams haben. Da muss sie demnächst nicht mehr weit fahren, wenn das Leistungszentrum vor der eigenen Haustüre ist (lacht). Der Frauenfußball hat einen riesigen Sprung gemacht. Die Stimmung ist immer freundlich, das passt super nach Haching.

Manni Schwabl: Jeder kennt meinen sportlichen Ehrgeiz

Wenn wir einen Ausblick auf 2026 werfen – kann ein möglicher Aufstieg in die 3. Liga gestemmt werden?

Vor der Saison habe ich gesagt: Erst mal aufbauen und dann angreifen, wenn wir reif für die 3. Liga sind. Da hat mir die Truppe im positiven Sinn einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil wir so gut dastehen. Wir werden in den nächsten vier Wochen in den Gremien ganz pragmatisch bewerten, ob wir die Lizenz beantragen. Aber jeder kennt meinen sportlichen Ehrgeiz. Wenn es irgendwie möglich ist, will man natürlich immer den maximalen sportlichen Erfolg.

Interview: Nico-Marius Schmitz

Aufrufe: 04.1.2026, 15:00 Uhr
Nico-Marius SchmitzAutor