Glaubt man den Statistiken, dann gab es in der Amtszeit von Trainer Andreas Schwan bislang 108 Heimspiele auf der Christian-Rötzel-Kampfbahn. Am Freitag folgt nun Nummer 109. Es wird das letzte sein für den 39-Jährigen. Und ungeplant hat Nettetal für diesen Anlass eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen: Am Freitagabend wird im Spiel gegen die SSVg Velbert das Flutlicht im Stadion angeknipst.
Die Spielverschiebung auf Freitag hatte Nettetal bereits vor einigen Wochen beantragt, weit vor der Entscheidung, dass Verein und Trainer sich im Winter trennen. Nach achteinhalb Jahren als Trainer erhält Schwan für sein letztes Spiel in Nettetal aber nun eine spezielle Kulisse. „Es wird ein emotionaler Abend werden. Die Vorfreude im Trainerteam ist groß, wir wollen es genießen – und bestenfalls Punkte mitnehmen“, sagt Schwan.
Der Gast bei dieser Abschiedsfeier hat auf dem Papier jedoch das Potenzial, den Abend ein Stück weit zu vermiesen. Denn Velbert hat sich nach mäßigem Saisonstart zuletzt gefangen und sechs der vergangenen acht Spiele gewonnen. Aktuell rangiert die Mannschaft auf Platz drei der Tabelle. Die Ambitionen sind ohnehin groß: Immerhin spielte der Verein in der Vorsaison noch in der Regionalliga und möchte dorthin schnellstmöglich zurückkehren.
„Velbert ist eine absolute Topmannschaft, die derzeit gut in der Spur ist. Dass sie offensiv so stark sind, liegt vor allem daran, dass sie viele Jungs nach dem Abstieg gehalten haben“, sagt Schwan. Ausdruck der guten Angriffsqualitäten: In drei der vergangenen vier Spielen erzielte Velbert mindestens vier Tore, am vorigen Spieltag gab es einen 5:1-Erfolg in Büderich. Schwan ist daher bewusst, dass sein Team „vor allem defensiv stark gefordert“ sein wird.
Allerdings galt der Verteidigungsfokus bereits vor zwei Wochen im Niederrheinpokal gegen den Regionalligisten 1. FC Bocholt (5:4 n. E.) sowie in der Liga gegen die Sportfreunde Baumberg am vergangenen Samstag (1:1). Das Remis war der erste Punkt nach zuvor fünf Niederlagen in Serie. Mit zehn Punkten steht Union auf einem Abstiegsplatz.
In beiden Partien schlug sich Nettetal defensiv jedoch beachtlich. Entsprechend musste in der Trainingswoche nicht viel verändert werden, sondern die defensiven Abläufe nur verfestigt werden. Aber auch offensiv fordert Schwan ein mutiges auftreten: „Wir wollen aber gleichzeitig auch den Gegner defensiv beschäftigen. In den vergangenen beiden Spielen ist uns das gut gelungen. Auch gegen Baumberg hatten wir unsere Chancen. Wir werden uns nicht nur hinten hineinstellen“, so der Trainer. Allerdings weist Velbert nicht nur eine gute Offensive auf, sondern stellt mit nur zwölf Gegentoren nach 15 Spielen die beste Defensive. Das Kräfteverhältnis vor dem Spiel ist somit klar geregelt.
Einziger Nachteil an einem Freitagsspiel: Der Trainingsumfang ist reduziert, statt drei absolvierte Nettetal nur zwei Einheiten in dieser Woche. Grundsätzlich ist Schwan jedoch ein Fan von Partien am Freitagabend. „Atmosphärisch ist es einfach klasse. Die Spieler und Zuschauer kommen nach einem Arbeitstag ins Stadion, man kann den Abend länger zusammen genießen und hat danach ein freies Wochenende“, sagt Schwan.
Und an diesem Freitag wird es eben ein ganz besonderes Abendspiel für ihn. Er habe ein paar Freunde eingeladen, so Schwan, die auch nach dem Spiel noch bleiben, um „ein paar schöne Stunden im Vereinsheim“ zu erleben. Bestenfalls mit einem guten Ergebnis aus dem Velbert-Spiel als Basis für den weiteren Abend.