
Am Freitagabend war Tim Banerjee im Stadionzelt zum neuen Vorsitzenden des FC Wegberg-Beeck gewählt worden. Am Sonntagnachmittag kredenzte ihm die Mannschaft dazu ein üppiges Antrittsgeschenk auf dem Platz: Beeck schlug das Topteam des SV Eintracht Hohkeppel nach rasanten 90 Minuten 3:1. Die Kleeblätter lieferten dabei die mit Abstand bislang beste Saisonleistung ab und zeigten, was für ein Potenzial in dem Team eigentlich steckt.
„Wir haben heute das Herz auf dem Platz gelassen, haben mit viel Emotion, Leidenschaft und Power gespielt. Wir wollten eine Reaktion auf das 1:2 von Königsdorf zeigen – und das ist uns auch geglückt“, bilanzierte FC-Coach Mark Zeh. Reichlich bedient war dagegen sein Hohkeppeler Kollege: „Beecks Sieg ist verdient. Bei den Gegentoren sahen wir nicht gut aus. Insgesamt haben wir zu wenig Gier gezeigt“, urteilte Abdullah Keseroglu.
Für den SV endete so eine äußerst bittere Woche mit lauter Niederlagen: erst vergangenen Sonntag das 2:4 nach 2:0-Führung im Gipfeltreffen gegen Bergisch Gladbach, am Donnerstag dann das 1:4 im Mittelrheinpokal-Halbfinale gegen Drittligist Viktoria Köln – und nun die zweite Ligapleite hintereinander.
Folge: Die angepeilte direkte Rückkehr in die Regionalliga ist für das Team aus der Gemeinde Lindlar in die Ferne gerückt – zu Bergisch Gladbach sind es nun schon acht Punkte. Und weil auch die weiteren Spitzenteams allesamt gewannen, ist der SV, der davor neun Punktspiele hintereinander gewonnen hatte, gar auf Platz vier zurückgefallen.
Dass sich die Schwarz-Roten eine Menge vorgenommen hatten, war von Anpfiff an zu sehen. Denn die Heimelf drückte direkt auf die Tube, war zunächst klar spielbestimmend. Der sehr agile Marc Kleefisch, der für den erkrankten Marc Brasnic mal wieder im Sturmzentrum spielte, lieferte ein bemerkenswertes Laufpensum ab, war überall zu finden und für Hohkeppels Hintermannschaft ein ständiger Unruheherd.
Was kollektiv aber auch für die gesamte Mannschaft galt. Niklas Koppitz hatte die erste Chance (13.), die zweite saß dann aber auch schon: Zunächst scheiterte Kleefisch an Keeper Darlington Ticha, der in der U19 einst für Beeck gespielt hatte, den Nachschuss schob Luca Bini mit links flach ins lange Eck (16.). Eigentlich hätte aber ein anderer Ex-Beecker Hohkeppels Tor hüten sollen. „Doch beim Aufwärmen habe ich mich leider verletzt“, erläuterte Justin Strauch.
Der Rückstand wirkte auf den Gast, ausgestattet mit einer außergewöhnlichen individuellen Qualität, wie eine Hallo-Wach-Pille. Speziell Mike Owusu ließ sich nur schwer kontrollieren, sein erster Torschuss verfehlte das Gehäuse denkbar knapp (26.). Tarik Dogan hätte aus kurzer Distanz den Ausgleich dann eigentlich erzielen müssen, schaufelte den Ball aber übers Gehäuse (32.).
In diese erste Hohkeppeler Drangphase fiel stattdessen das 2:0. Einen äußerst scharf hereingezogenen Freistoß Timo Brauns fälschte Koppitz mit dem Kopf ins Tor ab – sein erster Saisontreffer (38.). „Auch wenn ich nicht viele Kopfballtore mache – mein erstes war es aber nicht“, merkte er zu seinem Premierentor an. Aktien an diesem Tor hatte aber auch der gleichfalls sehr starke Merlin Schlosser, der nach einem schnell nach vorne ausgeführten Einwurf und einem folgenden entschlossenen Solo den Freistoß herausgeholt hatte. Kurz vor der Pause hatte Bini nach einem klasse Steckpass des ebenfalls sehr agilen Timo Braun sogar noch das 3:0 auf dem Fuß, scheiterte aber an Ticha (45.).
Direkt nach Wiederanpfiff hätte es Bini um ein Haar ungewollt aber wieder spannend gemacht. Denn mit einem schlimmen Fehlpass setzte er Owusu in Szene, doch Beecks Keeper Yannik Hasenbein bügelte diesen kapitalen Bock mit einer wahren Glanztat wieder aus (47.). Aus dem ohnehin guten Spiel wurde nun ein sehr gutes, gab es bei hohem Tempo Chancen fast im Minutentakt. Für Beeck hatten Justin Hoffmanns (50.), Braun (55./56.) und Kleefisch (61.) nennenswerte Möglichkeiten für das dritte Tor.
Umgekehrt herrschte aber auch in Beecks Strafraum mächtig Betrieb, wuchs Hasenbein wiederholt über sich hinaus. Seine größte Tat vollbrachte er bei einem extrem „fiesen“ Flatterball von Rudolf Gonzales, den er irgendwie noch aus dem Winkel holte (61.). Entschieden war die rassige Partie in der 67. Minute. Der eingewechselte Hirotaka Sugiura, der sich nahtlos einfügte und direkt Impulse setzte, bediente Braun. Der zog auf und davon, setzte sich entschlossen gegen einen Gegenspieler durch und traf ins lange Eck. Nur noch Ergebniskosmetik war das 3:1, das aus einem Handelfmeter resultierte. Den hatte der eingewechselte Gabriel Paczulla verursacht, Firat Tuncer verwandelte sicher (81.). Das verletzungsbedingte Ausscheiden von Vize-Kapitän Nils Hühne (Platzwunde) überstand Beeck danach unbeschadet.