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Interview

U23 Reloaded - Stammermann baut Meppens Talentschmiede um

von René Diebel · 20.07.2025, 08:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: René Diebel

Nach acht Jahren im Jugendleistungszentrum des SV Meppen stellt sich Carsten Stammermann einer neuen Herausforderung: Als Trainer der U23 führt er ein komplett umgebautes, extrem junges Team in die Oberliga Niedersachsen. Im Gespräch mit FuPa spricht der 56-Jährige über den Reiz dieser Aufgabe, den Umbruch im Kader, seine Erwartungen an die Saison und warum Teamgeist für ihn wichtiger ist als alles andere.

FuPa: Nach acht Jahren im Jugendleistungszentrum, in denen du die Teams von der U15 bis zur U19 begleitet hast, steht nun die U23 im Mittelpunkt. Wie lange musstest du überlegen, als die Anfrage für den Trainerposten kam?

Carsten: Das war eigentlich ganz leicht, ich hatte und habe zu Tobias Bartels schon lange ein sehr freundschaftliches Verhältnis – wir haben immer mal wieder darüber gesprochen. Sein Wunsch war es auch, dass ich sein Nachfolger werden sollte. Als der Verein dann auch mich zugekommen ist, musste ich nicht lange überlegen. Ein weiterer Grund ist auch, dass ich viele der Jungs, die dort mittlerweile spielen, schon in der U19 gehabt habe. Der Weg des Vereines, einen Umbruch zu machen – mehr auf eine U23 zu gehen – hat mich gereizt, ich arbeite gerne mit jungen, hungrigen Spielern zusammen.

FuPa: Die Oberliga-Saison steht vor der Tür. Worauf freust du dich bei diesem neuen Kapitel am meisten und wovor hast du gleichzeitig den größten Respekt?

Carsten: Ich freue mich vor allem erstmal darauf, alle Spieler kennenzulernen, dass ist ja schon in vollem Gange. Darüberhinaus wird es spannend zu sehen, wie wir den großen Umbruch hinbekommen. Davor habe ich auch entsprechend Respekt, andererseits ist das auch ein großer Reiz, ein Teil dieser Entwicklung zu sein. Ich freue mich auf viele spannende Spiele interessante Klubs, einige Derby’s und auf viele Trainerkollegen.

– Foto: René Diebel

FuPa: Da viele Spieler aus dem bisherigen Kader die U23 verlassen haben, war ein größerer Umbruch nötig. Wie stark warst du selbst in die Suche und Verpflichtung neuer Spieler eingebunden?

Carsten: Ja, der Umbruch ist schon extrem, und war ehrlich gesagt auch nicht so groß geplant. Wir wollten schon dem Team ein anderes Gesicht geben, auch das Team ein Stückweit verjüngen, doch der eine oder andere Abgang hat schon weh getan, da bin ich ehrlich. Am meisten sicherlich der Abgang von Felix Golkowski (Golli), er war mein Kapitän in der U19, ein wunderbarer Typ, ganz wichtig für jedes Team – sein Abgang tut uns schon weh, weil er auch ein Leader gewesen wäre – nicht desto trotz ist es aber auch der einzige Wechsel den ich verstehen konnte, weil er in Spelle in ein tolles Umfeld kommt und dort auch in einer ersten Mannschaft spielt.

Durch die vielen Abgänge war ich ehrlicherweise fast schon zu spät mit im Boot, denn irgendwann hat mir der Verein auch die Kaderplanung mit zur Aufgabe gemacht, es ist uns dann gelungen, so glaube ich qualitativ und quantitativ einen ordentlichen wettbewerbsfähigen Kader zusammen zu stellen, der jedoch extrem jung ist.

Ich habe quasi alle Gespräche geführt und war daher schon sehr eingebunden.

FuPa: Ein komplett neu formierter Kader braucht Zeit, um zusammenzufinden. Welche Maßnahmen ergreifst du, um Teamgeist und stabile Strukturen in der Mannschaft aufzubauen?

Carsten: Wir sind relativ früh in die Vorbereitung gestartet, haben viele Einheiten schon gemacht. Dazu zählen gerade auch in der Anfangsphase auch viele Testspiele damit sich die Jungs auch dort kennenlernen und ein Teamgefühl entwickeln. Wir hatten in der letzten Woche schon unsere Einstandsparty, die von den Jungs die dageblieben sind hervorragend organisiert war und allen sehr viel Spass gemacht hat. Teamgeist entwickelt sich auch dort – ich sage den Jungs immer – so wie ihr feiert, müsst ihr auch Fußball spielen – als Einheit, mit viel Spielfreue und immer gemeinsam ein Ziel haben. Die neun Jungs, die dageblieben sind, spielen bei der Integration schon eine wichtige Rolle, machen das gerade überragend und unterstützen mich sehr, die Stimmung war von Anfang an sehr gut und die Jungs arbeiten sehr gut zusammen.

FuPa: Auch für dich persönlich ist die Oberliga Neuland. Wie bereitest du dich selbst auf die neue Liga und deren Anforderungen vor?

Carsten: Als Trainer ist das richtig, ansonsten kenne ich die Oberliga Niedersachsen sogar noch aus meiner eigenen Spielerkarriere, da ich sowohl mit BW Lohne und dem BV Cloppenburg dort selbst mal gespielt habe – es sind sogar noch einige Vereine von damals dabei. Ich habe schon in der letzten Saison einige Spiele gesehen, in der jetzigen Vorbereitung mir auch schon das eine oder andere Testspiel von anderen Gegnern angeschaut. Ich mag auch gerne den Austausch mit anderen Verantwortlichen in Vereinen, so habe ich schon länger einen guten Austausch mit Markus Schütte vom SC Spelle-Venhaus. Es wird dennoch schon etwas Neues sein, spannend und herausfordernd.

– Foto: René Diebel

FuPa: Wie stellst du sicher, dass auch deine Mannschaft bestmöglich auf die Intensität und Qualität der Oberliga vorbereitet ist?

Carsten: Wir sind extrem jung, uns wird gegen jeden Gegner die Erfahrung fehlen. Grundvoraussetzung eines jeden Spielers ist, dass er fit ist und bereit ist, alles zu geben. Wir werden bestimmt in vielen Spielen mehr laufen müssen als der Gegner, darauf lege ich auch hohen Wert, wir müssen extrem fit sein, und in den talentfreien Bereichen (Laufbereitschaft, Wille, Leidenschaft, Teamgeist) darf uns nie ein Gegner überlegen sein – die Jungs sollen das als eine riesige Chance sehen, auf so hohen Niveau schnell Spielzeit zu bekommen, bei mir geht es letztlich immer um die Leistung – egal ob ein Spieler 18 oder 30 ist. Dazu zählt Vertrauen, die Jungs müssen wissen das ich uneingeschränkt hinter ihnen stehe, dass sie Fehler machen dürfen – nur dann können sie auch mir vertrauen und ich kann ihnen vertrauen. Ich glaube ich weiß, was uns erwarten wird, dennoch wird es sicherlich gerade am Anfang auch Rückschläge geben, und dann wird sich zeigen, ob wir schon so weit sind, damit umzugehen.

FuPa: Gibt es bestimmte Spiele oder Gegner in der kommenden Saison, auf die du dich ganz besonders freust?

Carsten: Ich glaube alle Spiele sind spannend und herausfordernd. Dennoch sind Gegner wie Spelle, Holthausen-Biene als Derby’s oder aber auch Bersenbrück und Atlas Delmenhorst vielleicht noch ein bisschen reizvoller, aber auch unser Auftaktspiel beim BSV Rehden hat einen großen Reiz, zumal es voraussichtlich ein Freitagabendspiel werden wird.

FuPa: Mit welchen Erwartungen und Zielen gehst du in die Saison, sowohl für dich persönlich als auch für das Team?

Carsten: Ich habe von mir als Trainer immer den Anspruch jeden Spieler ein Stück weit auf seinem fußballerischen Weg zu begleiten, ich möchte ihn besser machen, seine Entwicklung beeinflussen, dafür steht bei mir auch nicht nur die fußballerische Seite, sondern auch die menschliche Seite im Vordergrund. Ich möchte schon wissen wie die Jungs ticken, welche Vorstellungen sie vom Leben haben. Die betreiben alle einen Riesenaufwand, haben teilweise noch Träume und die möchte ich auch am Leben halten.

Damit ich das Schaffe, muss ich ein Stückweit auch voran gehen, Wege aufzeigen und Hilfen geben. Das ist sicher ein primäres Ziel von mir selbst.

Und dabei darf die Freude niemals zu kurz kommen. Sportlich möchten wir die Klasse halten, und wissen auch, dass es für uns vom ersten Spieltag nur darum geht – nichts desto trotz ist die U23 bei uns auch ein Ausbildungsteam, es gilt hier auch immer wieder den einen oder anderen Spieler so zu entwickeln, dass er für unser Regionalligateam interessant sein könnte. Es gibt also genügend Ziele für mich als Trainer und für das Team.

FuPa: Vielen Dank, Carsten, für deine Zeit und die offenen Einblicke in deine Arbeit mit der neu formierten U23. Ich wünschen dir und deinem Team viel Erfolg beim großen Ziel, die Klasse in der Oberliga zu halten und dass ihr dabei nicht nur sportlich, sondern auch als Mannschaft weiter zusammenwachst.