
Wenn sich der VfL Vichttal und Teutonia Weiden begegnen, dann geht es selten ruhig zu. Das Derby ist nicht irgendein Nachholspiel – es trägt eine besondere Schärfe in sich. Im Hinspiel der vergangenen Saison kam es nach dem Schlusspfiff zu Rudelbildungen zwischen Spielern und Zuschauern, die Polizei rückte an. „Sehr schade“, fand Vichttal-Trainer Andi Avramovic damals, denn das Spiel selbst war sehenswert.
Auch sportlich ist diese Begegnung außergewöhnlich. In den letzten beiden Ligaduellen fielen 15 Tore – ein 4:4 und ein 4:3 für Vichttal. Und die Sommerpause hat der Rivalität eine zusätzliche Würze verliehen: Zahlreiche Leistungsträger wechselten die Seiten – Niklas Valerius, Yassine Ali Gnondi, Cetin Canel, Robin Ahns, Frederik Said oder Nuredin Ali Khan gingen von Weiden nach Vichttal, während Luca Barata, Talha Varli, Onur Alagöz und Haydar Kilic den entgegengesetzten Weg einschlugen.
Sportlich sind die Voraussetzungen klar: Vichttal steht mit 23 Punkten auf Platz drei, ein Sieg würde den Sprung auf Rang zwei bedeuten – punktgleich mit Tabellenführer Bergisch Gladbach. Weiden hingegen steckt im Tabellenkeller, rangiert mit neun Punkten auf Platz 14 und benötigt dringend Zählbares im Kampf gegen den Abstieg.
Bei Vichttal ist die Vorfreude groß – und die Erwartungshaltung entsprechend hoch. „Wir freuen uns natürlich total auf das Derby und ich gehe schwer davon aus, dass wieder viele Tore fallen können. Beide Mannschaften sind heiß auf das Duell, zumal sich einige Spieler untereinander gut kennen“, sagt Philip Gibbons aus der sportlichen Leitung.
Gleichzeitig warnt er davor, sich vom Tabellenstand täuschen zu lassen: „Wir wissen, dass Weiden alles reinhauen wird – und genau deshalb dürfen wir das absolut nicht unterschätzen. Wir müssen von der ersten Sekunde an hellwach sein und die nötige Bereitschaft mitbringen.“
Die Vichttaler gehen mit Rückenwind in die Partie. Das Testspiel gegen Drittligist Alemannia Aachen vor über 1.700 Zuschauern wurde nicht nur zum Erlebnis, sondern auch mit einem 3:1 gewonnen. „Das war ein Highlight. Aber für die kommenden Pflichtspiele hat das Ergebnis keinerlei Bedeutung. Jeder muss das abhaken und darf keinen Gegner unterschätzen“, betont Gibbons.
Auf der anderen Seite reist Weiden mit dem Mut des Underdogs an. Die jüngsten Derbys waren spektakulär, doch diesmal erwartet Sportchef Keskin Kilic ein anderes Spiel: „Dieses Mal rechne ich mit einem etwas kontrollierteren Spiel. Beide Mannschaften kennen die Bedeutung des Derbys und werden versuchen, weniger Räume preiszugeben.“
Die Ausgangslage spricht zwar klar für den VfL, doch Weiden will sich nicht verstecken. „Wir haben Respekt – aber keine Angst, weder vor Vichttal noch vor irgendeinem anderen Gegner in dieser Liga. Wir fahren zu jedem Spiel mit dem klaren Anspruch, es zu gewinnen.“
Ein Wunsch bleibt: das nötige Quäntchen Glück. „Gegen Pesch hatten wir zuletzt dreimal Aluminium – das war wirklich bitter“, so Kilic.