
Bei Teutonia Weiden kehrt einfach keine Ruhe ein. Nach der kampflosen Spielabsage gegen den Siegburger SV hat der Tabellenvorletzte die Reißleine gezogen und Trainer Ercüment Dönmez sowie Co-Trainer Frank Kohl mit sofortiger Wirkung freigestellt. Es ist bereits der zweite Wechsel an der Seitenlinie in der laufenden Spielzeit – eine Entwicklung, die die chronische Instabilität der Würselener unterstreicht.
Die sportliche Talfahrt der vergangenen Wochen hat nun also personelle Konsequenzen gefordert. Erst im Dezember hatte Ercüment Dönmez das Amt übernommen, doch nach knapp drei Monaten ist das Kapitel bereits wieder beendet. Die nackten Zahlen der Ära Dönmez lesen sich ernüchternd: In sechs Pflichtspielen unter der Regie des B-Lizenz-Inhabers gelang lediglich ein einziger Dreier. Dem gegenüber stehen fünf Niederlagen bei einem Torverhältnis von 7:22.
Den vorläufigen Tiefpunkt markierte das vergangene Wochenende, als die Teutonia die Partie gegen Siegburg aufgrund von akutem Personalmangel absagen musste – ein Vorgang, der in der Mittelrheinliga Seltenheitswert besitzt und inzwischen mit einer 0:2-Wertung gegen Weiden quittiert wurde.
Die sportliche Führung hat nun Cemil Temür mit der Leitung der Mannschaft betraut. Temür, der erst im Februar als Sportlicher Leiter installiert wurde, verfügt über die B+-Lizenz und soll den Karren nun vorerst selbst aus dem Dreck ziehen. Eine externe Lösung wurde angesichts des engen Zeitplans und der prekären Lage verworfen.
Temür selbst blickt mit gemischten Gefühlen auf seine neue Doppelrolle: „Am Sonntag haben wir die Mannschaft darüber informiert, dass Ercüment Dönmez nicht mehr Trainer ist. Das Verhältnis zwischen Team und Trainer war zerrüttet. Ich persönlich habe mich noch dafür eingesetzt, dass die Trainer weitermachen, deshalb tut mir die Entscheidung auch menschlich weh. Letztlich wurde sie aber vom Hauptvorstand getroffen. Wir werden jetzt von Woche zu Woche schauen. Ich übernehme zunächst das Traineramt. Es gab zwar ein, zwei Kandidaten, aber ein neuer Trainer braucht Zeit, um die Mannschaft kennenzulernen – und diese Zeit haben wir aktuell nicht.“
Dabei stellt der neue starke Mann an der Seitenlinie klar, dass dies keine Dauerlösung im Alleingang sein kann: „Klar ist aber auch: Ich bin nicht Felix Magath und kann neben meinem Job nicht dauerhaft gleichzeitig die sportliche Leitung und das Traineramt alleine stemmen. Einige Spieler unterstützen mich, aber wir brauchen definitiv noch einen Co-Trainer, der das Tagesgeschäft mitübernimmt. Deshalb kann ich auch nicht garantieren, dass ich bis Saisonende Cheftrainer bleibe.“
Die mangelnde Kontinuität der letzten Jahre auf der Chef-Trainer-Position spiegelt sich nun auch tabellarisch wider. Acht Punkte Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze bei schwindender Anzahl an Spielen machen den Klassenerhalt zu einer mathematischen Herausforderung. „Der Rückstand beträgt acht Punkte, aber es ist noch alles möglich. Aufgeben kommt für uns nicht infrage. Das erste Training nach der Entscheidung war bereits gut – auch wenn es sich mit Fotografen und Reportern fast wie an der Säbener Straße angefühlt hat. Jetzt geht es aber darum, wieder den Fokus auf das Sportliche zu legen. Noch mehr ‚FC Hollywood‘ können wir im Moment wirklich nicht gebrauchen“, gibt sich Temür kämpferisch.
Die Vereinsführung hat unterdessen eine zweigleisige Planung für die kommende Spielzeit initiiert, die sowohl die Mittelrheinliga als auch die Landesliga umfasst. Die Priorität liegt unmittelbar auf der Konsolidierung des Kaders für die anstehende Aufgabe gegen den Aufsteiger aus Bornheim. Trotz der angespannten Personallage – beim ersten Training unter Temür standen lediglich 14 Spieler zur Verfügung – strebt der Verein eine reguläre Beendigung der Saison an.
Ob der „Feuerwehrmann“ Temür das Ruder noch einmal herumreißen kann, wird sich zeigen. Bei der Teutonia hofft man nun inständig, dass der Fokus endlich wieder auf das grüne Geläuf zurückkehrt.