
Sieben Tore, noch viel mehr Strafraumszenen, ein gehaltener Elfmeter, großer Ärger über ein weggepfiffenes, mögliches Siegtor auf der einen und der Last-Second-Dreier auf der anderen Seite – das 3:4 (2:1) des SV Gonsenheim gegen den neuen Tabellenführer der Fußball-Oberliga, den 1. FC Kaiserslautern II, hatte alles zu bieten.
Wobei den Gonsenheimern der Klick auf das Re-Live unserer Übertragung und da genau auf Zählerstand 2:17:04 richtig weh tut. „Im Leben kein Abseits“, war sich Kapitän Paul Simon schon direkt nach Schlusspfiff sicher. Enes Coric hatte eigentlich im perfekten Moment auf Josef Elhajj durchgesteckt. Nein, im Leben nicht. Elhajj traf, FCK-Coach Alexander Bugera ärgerte sich maßlos, gar nicht mit dem Abseitspfiff rechnend. Doch der ertönte (84.).
„4:3 oder 3:4, das macht schon einen Unterschied“, hielt SVG-Trainer Luca Vanni im Gefühl der Machtlosigkeit fest. Die fünfte Minute der Nachspielzeit brach gerade an, da spielte sich der FCK noch einmal über eine Direktpasskombination zu Drini Miftaris Siegtreffer durch. „Spitzenreiter“-Gesänge bei den vielen Lautern-Fans unter den rund 400 Zuschauern, auf den Boden sackende Spieler, zornesrote Köpfe und schon bald eine dicke Portion Stolz bei den Platzherren.
Beide Teams boten eine exzellente Leistung. Der SVG hatte in der Defensive enorm viel zu tun – und führte früh 2:0. Der SVG spielte sich durchs Pfälzer Pressing, Elhajj verwertete die Hereingabe von Abwehr-Nebenmann Julian Donges (12.). Titus Henseler knallte den Ball nach hohem Ballgewinn und Yannik Ischdonats Ablage in den Winkel (14.). Das 3:2 gelang dem früheren FCK-Talent Maurice Neukirch nach Donges weit gezogener Flanke per Kopf (52.). Und auch, als Paul Simon einen strittigen Elfmeter von Shawn Blum stark parierte (69.), schien das Momentum auf Gonsenheimer Seite.
Lauterer Kombinationsspiel nicht zu bremsen
Das Problem aus SVG-Sicht: Der FCK hatte in Sachen Entschlossenheit, Spieltempo und Kombinationssicherheit nach vorne einen herausragenden Tag erwischt. Unzählige Male spielte der Zweitliga-Unterbau sind an und in die Gefahrenzone. Etliche Schüsse und Zuspiele blockten die Gonsenheimer im Kollektiv, mehrmals Paul Simon und einmal auch der Pfosten halfen mit. Doch all diese Wucht und Klasse war auf Dauer nicht aufzuhalten.
Owen Gibs wurde im Anschluss an einen Einwurf freigespielt (28.), und wie sich der FCK über die Grundlinie zu den Toren von Blum (47.) und Tyrese Zeigler (76.) durchspielte, war eine Augenweide. Genauso wie, bei allem berechtigten Gonsenheimer Ärger, das 3:4 samt Kurzpass-Ablage direkt am Fünfer. Je eine Szene, in der vehement Elfmeter gefordert wurde, gab es auf beiden Seiten, und bei Corics abgefälschtem Distanzschuss (37.) hatten die Gonsenheimer den Torschrei schon auf den Lippen. Es war ein Spiel wie ein einziges Highlight-Video.
"Die mit Abstand beste Mannschaft der Liga"
„Wir haben im Sommer gesagt, die Leute sollen Spaß haben, wenn sie herkommen“, sagte Vanni, um Worte zur Einordnung ringend. Das hatten sie ganz gewiss. Gegen die, so der SVG-Coach, „mit Abstand beste Mannschaft der Liga“ ist eine Niederlage keine Schande. Das Zustandekommen ist bitter. „Es tut mir einfach leid für die Jungs“, sagt Vanni, „in so einem Spiel muss alles passen.“
SV Gonsenheim: Simon – Donges, Jindra, Hangatta – Elhajj, Coric, Neukirch (86. Basic), Neal – Ischdonat (77. Dietze), Demir (69. Vodi), Henseler (69. Hofmann).