
Als Kevin Kruth im Winter der Saison 2024/25 das Traineramt beim SV Bergisch Gladbach 09 übernahm, steckte der Traditionsverein im Tabellenkeller. Platz 14 war die Ausgangslage, schnell Punkte für den Klassenerhalt nötig. Knapp ein Jahr später hat sich das Bild grundlegend gewandelt: Mit einer starken Rückrunde führte der 40-Jährige sein Team noch auf Platz vier, in der laufenden Spielzeit knüpfte Bergisch Gladbach nahtlos daran an – und überwintert ungeschlagen als Tabellenführer der Mittelrheinliga.
Mit fünf Punkten Vorsprung auf das Verfolgertrio Eintracht Hohkeppel, Siegburger SV und VfL Vichttal hat sich Gladbach eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Auch ein Blick auf die Jahrestabelle 2025 unterstreicht die Konstanz: 65 Punkte aus 30 Ligaspielen bedeuten den Spitzenwert. Zudem überzeugt das Team defensiv – mit nur 13 Gegentoren stellt der SVB die zweitbeste Abwehr der Liga, einzig der SSV Merten kassierte ein Tor weniger.
Für Kruth ist der Lauf kein Zufall. „Das ist sicherlich nicht selbstverständlich. Wir haben sehr intensiv an unseren Grundprinzipien gearbeitet. Entscheidend war dabei vor allem unsere hohe Intensität gegen den Ball als Kollektiv. Das zeichnet uns als Mannschaft aus“, erklärt der Trainer. Hinzu komme die Zielstrebigkeit im Offensivspiel: „Mit dem Tempo, das wir haben, haben wir unsere Situationen konsequent ausgespielt und – mit Ausnahme des Spiels in Porz – auch eine gute Effizienz gezeigt.“
Ein weiterer Schlüssel liegt für Kruth im Kopf. Woche für Woche habe sich die Mannschaft neu fokussiert. „Es spielte keine Rolle, wie viele Spiele wir zuvor ungeschlagen waren oder welcher Gegner auf uns gewartet hat. Diese Haltung muss auch in Zukunft unser Maßstab bleiben.“
Dass der SV Bergisch Gladbach diesen Weg weiter mit Kruth gehen will, zeigt die Vertragsverlängerung um zwei Jahre, die vor wenigen Tagen bekanntgegeben wurde. Für den Trainer eine folgerichtige Entscheidung. „Wenn man auf das Jahr 2025 blickt, haben wir als Mannschaft ein sehr starkes Jahr gespielt und 65 Punkte geholt – und das mit einer sehr jungen Truppe. Das macht mich stolz“, sagt Kruth, betont aber auch das Gesamtgefüge: „Gleichzeitig ist das eine Gesamtleistung aller Beteiligten: vom sportlichen Leiter über die Betreuer bis hin zu Spielern und Trainerteam.“ Besonders hebt er die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Chris Schlösser hervor und stellt klar: „In Bergisch Gladbach passt einfach sehr viel. Der Verein ist hervorragend strukturiert.“
Mit der Tabellenführung zur Winterpause rückt zwangsläufig auch das Thema Regionalliga in den Fokus – jene Spielklasse, der die Nullneuner bis zum Abstieg in der Saison 2020/21 angehörte. Kruth bleibt dennoch bewusst zurückhaltend. „Wir haben uns eine hervorragende Position erarbeitet, sind in der Hinserie ungeschlagen geblieben und haben fünf Punkte Vorsprung auf Platz zwei. Trotzdem wissen wir, dass das keine Garantie für die Rückrunde ist.“ Entscheidend sei, weiterhin demütig zu bleiben und die Vorbereitung ernst zu nehmen. „In jedem Spiel müssen wir unsere Hausaufgaben machen.“
Ein konkretes Aufstiegsziel formuliert der Trainer noch nicht. „Wir denken aktuell noch nicht konkret an das Thema Aufstieg, sondern wollen zunächst gut in die Rückserie starten.“ Gleichzeitig macht er deutlich, dass im Erfolgsfall niemand auf die Bremse treten würde. „Sollte sich die Hinrunde bestätigen, gibt es im Verein niemanden, der den Weg in Richtung Regionalliga verhindern würde.“
Auch personell sieht Kruth keinen akuten Handlungsbedarf. Abgesehen vom bekannten Zugang Soufian Amaadacho soll der Kader unverändert bleiben. „Wir sind mit unserem Kader sehr zufrieden – sowohl in der Breite als auch in Bezug auf Alter und Qualität“, erklärt er. Weitere Transfers sind aktuell nicht geplant: „Wir starten mit der Mannschaft, die diese erfolgreiche Hinrunde gespielt hat, plus Soufian, in die Rückrunde.“
Der SV Bergisch Gladbach geht als Tabellenführer in die zweite Saisonhälfte. Das obere Tabellendrittel ist eng gestaffelt, der Vorsprung knapp. Dass selbst eine ungeschlagene Halbserie keine Garantie für den Titel ist, hat der Klub bereits in der Saison 2018/19 selbst bewiesen – damals holte Bergisch Gladbach unter Trainer Helge Hohl den FC Wegberg-Beeck trotz eines Acht-Punkte-Rückstands zur Winterpause noch ein und wurde am Ende Meister.
