Aydin Ay beendet sein Engagement bei Waldalgesheim und blickt nochmal im Interview zurück.
Aydin Ay beendet sein Engagement bei Waldalgesheim und blickt nochmal im Interview zurück. – Foto: Sven Zimmermann

Abschied mit der erfolgreichsten Saison

Alemannias Cheftrainer Aydin Ay geht mit einem starken achten Platz in der Oberliga +++ Am Ende ist die Luft raus +++ Vorfreude auf ein Wiedersehen

WALDALGESHEIM. Schwamm drüber, dass die letzten fünf Spiele allesamt in die Hose gingen. Mit Platz acht in der Oberliga hat der SV Alemannia Waldalgesheim die erfolgreichste Saison seiner Geschichte gespielt, das Ergebnis aus dem Jahr 2010 eingestellt. Geschenkt, dass am Ende die Luft heraus war. Der Klassenerhalt war schließlich schon vor Weihnachten eingetütet. Zuhause zeigten die Grün-Weißen, dass sie mit jeder Mannschaft mithalten konnten, auch mit Eintracht Trier und Wormatia Worms. Ob die Gegner nun Eintracht Trier oder Wormatia Worms heißen und in der kommenden Saison eine Klasse höher spielen. Eine entscheidende Konstante in den vergangenen viereinhalb Jahren war Trainer Aydin Ay, der den Club jetzt Richtung Schott Mainz verlässt und im Interview auf die Zeit an der Waldstraße zurückblickt.

Herr Ay, wie war das eigentlich damals, als Sie zur Alemannia kamen?

Es gab in der Zeit, als ich bei Wormatia Worms aufgehört habe, nicht so viele super interessante Sachen. Dann kamen schnell die ersten Kontakte zur Alemannia, wir haben uns getroffen, beide Parteien waren interessiert. Reinhard Schenk, Klaus Mohr, Hans Joachim Blum, Björn Trinks und ich hatten gute Gespräche, ich hatte von Beginn an ein gutes Gefühl und richtig Bock auf die Aufgabe. Die Alemannia war über Jahre hinweg ein guter Verein, eine Top-Adresse.

Es folgte relativ schnell ein erstes großes Highlight. Wie war das beim Pokalfinale 2018 in Worms und zwei Jahre später in Pirmasens gegen den FCK?

Das erste Finale wurde mir quasi geschenkt, ich kam ja erst ein paar Wochen vorher nach Waldalgesheim. Ins zweite kamen wir dann kurios, nach dem Spielabbruch in Rüssingen. Die beiden Spiele waren dann richtige Highlights, beide Male denkbar eng. In Worms gegen die Wormatia zu verlieren, war nach dem Ausgleich von Patrick Walther kurz vor Schluss und unseren Chancen schon unglücklich. Genauso wie die Partie gegen Lautern, in der wir erst im Elfmeterschießen unterlagen.

Gibt es das absolute Highlight in den viereinhalb Jahren?

Ich habe schon vor ein paar Tagen zu Blumi (Hans Joachim Blum, die Red.) gesagt, dass sehr viele Dinge dabei waren, auch abgesehen vom Pokal. Wirklich Wahnsinn war das letzte Spiel in der Verbandsliga , als Jule Haas kurz vor Schluss das 2:1 gelang. Schießt er es nicht, steigen wir nicht auf. Oder die Partie im selben Jahr zuvor zuhause gegen Basara. Beide Co-Trainer waren nicht verfügbar, ich war krank und coachte die Mannschaft von zuhause über Telefon und Lautsprecher. Am Ende hatten wir trotzdem 1:0 gewonnen. Was den Fußball ausmacht, sind die vielen kleinen Geschichten, die hängen bleiben, und die Erlebnisse mit Menschen. Die sind unbezahlbar.

Was war denn der emotionalste Augenblick?

Es gab viele Momente in der Kabine mit der Mannschaft, an die ich ewig zurückdenken werde. Es gibt natürlich noch das ein oder andere Highlight, etwa nach dem Pokalfinale in Worms, als uns das halbe Dorf vor dem Sportheim empfangen, Spalier gestanden und geklatscht hat.

In der nächsten Spielzeit kommt es zum ersten Mal seit vielen Jahren zum Duell Alemannia gegen Schott. Wie werden Sie in die Spiele gehen?

Es kam unter meiner Regie tatsächlich nie zum direkten Duell, weder in der Liga, noch in Freundschaftsspielen oder beim Rhein-Nahe-Liga-Turnier. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf. Alemannia und Schott sind zwei Vereine, die über Jahre hinweg sehr seriös und unaufgeregt gearbeitet haben. In den Partien erwarte ich jedenfalls einen gesunden Konkurrenzkampf. Es werden definitiv zwei schöne, zwei interessante Spiele.

Noch ein paar Sätze zum Abschluss dieser Oberliga-Spielzeit, in dem es für die Alemannia gar nicht mehr rund laufen wollte...

Keine Frage, zum Ende hat uns qualitativ und quantitativ Einiges gefehlt. Die körperliche und mentale Belastung war nach den vielen Ausfällen einfach enorm schwierig. Als nach der 0:5-Niederlage in Worms auch noch Oliver Schmitt, Daniel Braun und Nik Rosenbaum weggebrochen sind, haben wir es nicht mehr hinbekommen. Wir haben zwar versucht, alles so lange als möglich positiv zu gestalten, haben es aber nicht geschafft, gegen Dudenhofen etwa ganz unglücklich 2:3 verloren. Die Ergebnisse haben definitiv nichts mit meiner oder irgendeiner anderen Person zu tun.

Wie sehen Ihre Pläne für die kommenden Wochen und Monate aus?

Ich bin erst einmal froh, dass diese Runde abgeschlossen ist und ich ein paar Wochen nichts mit Fußball zu tun habe. Die Mannschaft und ich können erhobenen Hauptes zurückblicken. Uns allen war wichtig, dass wir mit den Helfern und den Ehrenamtlichen zusammensitzen und uns bei ihnen bedanken konnten. Jetzt ist erst einmal Pause angesagt.

Das Interview führte Jochen Werner.



Aufrufe: 020.6.2022, 15:00 Uhr
Jochen WernerAutor