2026-03-13T07:45:35.464Z

Allgemeines

Streit um Regionalliga-Reform: So funktioniert das "Kompass-Modell"

Blockade-Vorwürfe aus dem Osten

von Johannes Ohr · Heute, 15:37 Uhr · 0 Leser
Klare Meinung: Die Fans aus Duisburg geben im Spiel gegen 1860 ihre Meinung zum Besten – „Vier Himmelsrichtungen, doch nur ein Ziel: Kompassmodell jetzt!“
Klare Meinung: Die Fans aus Duisburg geben im Spiel gegen 1860 ihre Meinung zum Besten – „Vier Himmelsrichtungen, doch nur ein Ziel: Kompassmodell jetzt!“ – Foto: IMAGO/Christoph Reichwein

Die Regionalliga-Reform spaltet den deutschen Fußball. Clubs aus dem Osten werfen Verbänden Blockade aus Machtinteressen vor.

Wer als Fußballromantiker in den Osten blickt, dem dürfte das Herz bluten. Tabellenführer der Regionalliga Nordost ist der 1. FC Lok Leipzig, dahinter folgen der Hallescher FC, Rot-Weiß Erfurt und Carl-Zeiss Jena. Viele waren feste Größen in der 3. Liga, stecken nun aber im engsten Nadelöhr des deutschen Ligasystems.

Während West- und Südwest-Meister jede Saison direkt aufsteigen dürfen, gilt für die Regionalligen Nordost, Nord und Bayern ein Rotationsprinzip: Nur eine Liga erhält pro Saison einen direkten Aufstiegsplatz. Vereine und Fans fordern eine Reform der Regionalligen. Ein Vorschlag ist das Kompass-Modell. Heute wird erneut dazu getagt. Unsere Zeitung beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie funktioniert das Konzept?

Künftig soll es statt fünf nur vier Regionalligen mit je 20 Clubs geben. Die Einteilung richtet sich nach geografischen Gesichtspunkten – daher der Name „Kompass“. Mittels Künstlicher Intelligenz und unter Berücksichtigung der kürzesten Fahrtwege erfolgt sie nach Himmelsrichtung jährlich neu. Ein Beispiel: Viktoria Aschaffenburg, im Nordwesten Bayerns und an der Grenze zu Hessen gelegen, könnte entweder in der Süd- oder in der Weststaffel spielen. Der wichtigste Punkt: Die Relegation um den Aufstieg entfällt. Wer Meister wird, steigt direkt auf.

Wer berät sich mit wem?

Über mögliche Reformen wird in der Arbeitsgruppe Regionalliga-Reform beraten. In der Arbeitsgruppe sitzen Vertreter von Vereinen und Verbänden aus allen fünf Regionalligen. Vorsitzender der Arbeitsgruppe ist Dr. Michael Vesper. Die Gruppe selbst trifft noch keine endgültigen Entscheidungen, sondern erarbeitet Vorschläge.

Welchen Aussichten hat die Reform?

Unter den Vereinen erhält die Reforminitiative zunehmend Unterstützung. Nach Angaben der Initiatoren haben sich inzwischen 70 Clubs aus den ersten fünf Ligen sowie zahlreiche Fanszenen hinter die Forderung gestellt. Besonders groß ist die Zustimmung in der Regionalliga Nordost und im Norden, deutlich verhaltener im Westen, in Bayern und im Südwesten.

Hat eine klare Meinung zur Regionalliga-Reform: Halle-Sportchef Daniel Mayer.
Hat eine klare Meinung zur Regionalliga-Reform: Halle-Sportchef Daniel Mayer. – Foto: IMAGO/PICTURE POINT / Roger Petzsche

Warum gibt es Zoff?

Vor allem Clubs aus dem Osten sehen eine Blockadehaltung bei den Landesverbänden Nord, Bayern und West, die nach Umsetzung des Kompassmodells keine eigene Regionalliga mehr hätten. „Es geht den Blockierern nur um Macht und persönliche Interessen“, schießt Daniel Mayer, Sportchef des Halleschen FC.

Was sagen die bayrischen Vereine und der BFV?

Der BFV wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht detailliert zu „etwaigen medial diskutierten Modellen“ äußern, verwies stattdessen auf ein Statement aus der Vorwoche. „Das Kompassmodell ist – anders als behauptet – nicht die präferierte Lösung des DFB“, schreibt der Verband darin.

In Unterhaching droht in dieser Saison der Relegations-GAU. Aktuell liegen die Vorstädter auf Rang eins der Regionalliga Bayern. Das würde allerdings nicht zum direkten Aufstieg reichen, es käme zu den Entscheidungsspielen gegen die Nordost-Staffel (höchstwahrscheinlich Lok Leipzig).

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte die SpVgg mit, die Ergebnisse des heutigen Treffens abwarten zu wollen, ehe man sich zur Thematik äußert. Auch die Löwen wollten keine Stellungnahme abgeben. Allerdings betonte 1860-Vizepräsident Peter Schaefer im Herbst 2025: „Wir wollen gemeinsam mit vielen anderen Vereinen Verantwortung übernehmen, um den Fußball gerechter zu gestalten.“ Bald könnte er erfolgen, der nächste Schritt in Richtung Gerechtigkeit.