Siegtorschützin Caroline Ebert vor Leerstettens Laura Felbinger
Siegtorschützin Caroline Ebert vor Leerstettens Laura Felbinger – Foto: Günther Perzl

Matchball vergeben, ein Wechselbad der Gefühle in Leerstetten

Mit hängenden Köpfen saßen sie auf dem Rasen nach dem Schlusspfiff, die Fußballerinnen des Tabellenführers SV Leerstetten. Ihre grandiose Aufholjagd nach 0:2 Rückstand war umsonst gewesen. Auf der anderen Spielfeldseite grenzenloser Jubel bei den Spielerinnen der SpVgg Germania Ebing nach ihrem Lastminute-Sieg im Spitzenspiel der Frauen Landesliga-Nord. Ihr Treffer in der Nachspielzeit zum 2:3 hält sie im Rennen hält um Meisterschaft und Aufstieg.

Ohne zwei wegen Verletzung bzw. Corona ausgefallene Stammspielerinnen war es keine leichte Aufgabe für das Team von Leerstettens Trainergespann Marcel Kröning/Christian Tischner, sich für die im Hinspiel erlittene 1:4-Packung zu revanchieren.

Sie versuchten es trotzdem, agierten diesmal gleich von Anfang an auf Augenhöhe gegen ihre hochmotivierten oberfränkischen Gäste, hatten aber auch Glück, dass Gästetorjägerin Caroline Ebert nach einer Viertelstunde einen Abstauber nicht im Kasten unterbringen konnte. Als Lisa Sommer kurze Zeit später mit einem Handelfmeter ihre Farben 1:0 in Front gebracht hatte (19.), wurde die Aufgabe für die Mittelfränkinnen keinesfalls leichter.

Sie versuchten trotzdem, das Heft in die Hand zu nehmen, scheiterten aber ein ums andere Mal in aussichtsreicher Position. Tamara Loukas zimmerte das Spielgerät, nach klugem Rückpass von Annalena Herzog, über den Kasten (23.). Wenig später war Herzog mit dem Ball am Fuß in den Strafraum eingedrungen, hatte Germania-Keeperin Anja Gasseter schon umspielt ,sich dabei die Kugel aber so weit vorgelegt, dass sie unerreichbar ins Toraus rollte (25.). Drei Zeigerumdrehungen später war es wieder Loukas, die eine gefühlvolle Hereingabe von Selina Perzl mit sehenswerter Volleyabnahme aus der Luft über die Latte setzte.

Volley-Abnahme von Tamara Loukas
Volley-Abnahme von Tamara Loukas – Foto: Günther Perzl

Die Eiermann-Elf agierte aus einer stabilen Abwehrreihe, probierte es immer wieder mit langen Bällen und hätte damit fast Erfolg gehabt. Hannah Zahn erlief sich einen dieser langen Bälle, verzog beim Abschluss aber knapp. SVL-Keeperin Amanda Stahl wäre wohl machtlos gewesen. Zweimal fehlte dann Nina Ruckriegel noch vor der Pause das notwendige Schussglück. Beim ersten Mal, als sie vom Strafraumeck abzog, nachdem sie von Katrin Hauffenmeyer bedient worden war, beim zweiten Mal bei einem Schuss vom Fünfereck nach einem Freistoß. Beide Male zielte sie knapp am langen Pfosten vorbei (33., 40.).

Nina Ruckriegel hat abgezogen
Nina Ruckriegel hat abgezogen – Foto: Günther Perzl

Durch einen überraschenden Treffer gleich nach der Pause wurde die Aufgabe für Leerstetten dann noch schwieriger. Ebert, Germania-Torschützin vom Dienst, hatte es diesmal besser gemacht als in Hälfte eins. Allein vor Keeperin Stahl staubte sie zum vielumjubelten 0:2 ab (47.). Der unerwartete Treffer versetzte sowohl die zahlreichen heimischen Fans unter den gut 100 Zuschauern, als auch die Heim-Elf, in kurze Schock-Starre. Mit Nadine Böhm und Karina Frei als frisches Personal, erholte sich das SVL-Team schnell und zeigte Reaktion.

Sie gaben noch mehr Gas und boten Keeperin Gasseter nun gleich mehrfach Gelegenheit sich auszuzeichnen. Je zwei Mal Herzog und Hauffenmeyer, sowie Loukas, Ruckriegel und Perzl scheiterten dabei mit ihren Abschlüssen. Ebing konnte sich in dieser Phase nie richtig aus Leerstettens Umklammerung befreien. Der Anschlusstreffer lag in der Luft, wollte aber einfach nicht fallen. Erst als Tamara Böhm, Mitte der zweiten Hälfte, nach kurz ausgeführtem Eckball, aus gut 20 Metern und halblinker Position passgenau in den rechten Winkel zum 1:2 getroffen hatte (69.), war die Hoffnung wieder da auf die Wende.

Riesen Freude über den Treffer von Tamara Böhm (Nr.8)
Riesen Freude über den Treffer von Tamara Böhm (Nr.8) – Foto: Günther Perzl

Die Gastgeberinnen ließen jetzt Angriff um Angriff auf das Gästetor rollen und wurden dafür zehn Zeigerumdrehungen später belohnt. Herzog setzte sich im Sechzehner gegen zwei Abwehrspielerinnen durch und düpierte, mit ihrem Aufsetzer ins kurze Eck zum 2:2, auch noch Gasseter (79.).

Annalena Herzog trifft zum Ausgleich
Annalena Herzog trifft zum Ausgleich – Foto: Günther Perzl

Während Leerstetten, motiviert durch die erfolgreiche Aufholjagd, jetzt den letzten Schritt auch noch wollte, zeigten sich die Gäste zunehmend frustriert. Sie hatten einen komfortablen Vorsprung nicht über die Zeit gebracht. Die Härte im Spiel nahm zu. Innerhalb weniger Minuten kassierte Ebing drei Gelbe Karten und hatte Glück, dass der ansonsten gut leitende Schiedsrichter Christian Siry den regelwidrigen Ellbogeneinsatz von Hannah Zahn, an Perzl in der 90. Spielminute, nicht als rotwürdig erkannt hat. So konnte Ebert in der verletzungsbedingt notwendigen Nachspielzeit, für Ebing noch einen Konter mit dem späten Siegtreffer zum 2:3 (90.+4), abschließen.

Das hat weh getan. Der Ellbogen von Hannah Zahn am Hals von Selina Perzl
Das hat weh getan. Der Ellbogen von Hannah Zahn am Hals von Selina Perzl – Foto: Günther Perzl

Leerstettens Fußballerinnen haben mit dieser Niederlage zwar ihren ersten Matchball zur Meisterschaft vergeben. Der Bayernligaaufstieg liegt jedoch weiter in ihrer eigenen Hand. Sie brauchen noch drei Punkte und können sich erhobenen Hauptes auf die beiden noch ausstehenden Begegnungen mit Erlangen und Schweinfurt freuen. Haben sie doch gerade, in einem spannenden Spitzenspiel zwischen zwei Teams auf Augenhöhe, Moral bewiesen und guten Fußball abgeliefert. Auch nach Meinung vieler Zuschauer wäre ein Remis an diesem Tag wohl das gerechtere Ergebnis gewesen. Aber so ist halt Fußball, nicht immer gerecht.

Aufrufe: 023.5.2022, 15:38 Uhr
Günther PerzlAutor