
Der FC Pesch hat das für Sonntag angesetzte Heimspiel gegen den FC Wegberg-Beeck kurzfristig abgesagt. Eine Wiedergutmachung nach der 0:7-Niederlage der Vorwoche in Bergisch Gladbach bleibt damit aus und das Schlusslicht verzichtet auf das Duell mit dem Tabellendritten der Formtabelle. Eine Entscheidung, die in der höchsten Spielklasse des Verbandes Seltenheitswert hat, aber beim Blick auf die Gesamtsituation des Vereins einer klaren Strategie folgt.
Es ist in der laufenden Mittelrheinliga-Saison der zweite Fall, in dem eine Mannschaft nicht zu einer Partie antritt. Zuvor hatte Teutonia Weiden am 20. Spieltag das Gastspiel beim Siegburger SV wegen Spielermangels sausen lassen. In Pesch liegen die Gründe jedoch nicht nur in einer dünnen Personaldecke der ersten Mannschaft, sondern vielmehr in einer bewussten Schwerpunktverlagerung innerhalb des Klubs. Während die Mittelrheinliga-Truppe sportlich bereits für die Landesliga planen kann, brennt bei der Reserve in der Kreisliga A Köln der Baum. Mit lediglich 19 Punkten belegt der FC Pesch II den vorletzten Tabellenplatz und steht damit vor dem Absturz in die Kreisliga B.
Pascal Ervens, der erste Vorsitzende des FC Pesch verteidigt die Entscheidung des Nicht-Antritts. Er verweist auf ein massives Lazarett, sieht aber auch die Notwendigkeit der Amtshilfe innerhalb des Vereins: "Wir haben sehr viele kranke und verletzte Spieler und können deshalb keine schlagkräftige Truppe stellen. Außerdem müssen wir unsere zweite Mannschaft, die sich im Abstiegskampf befindet, unterstützen. Das machen wir schon seit Wochen, und am Sonntag sollen nun noch einmal vier Spieler unterstützen."
Dabei geht es dem Ervens auch um den Pescher Nachwuchs. Der Verein verfügt über eine A-Jugend, die ebenfalls in der Mittelrheinliga aktiv ist. Für diese Talente soll der Unterbau im Seniorenbereich so hochklassig wie möglich gehalten werden. Ervens führt dazu weiter aus: "Wir haben eine A-Jugend-Mittelrheinliga-Mannschaft und wir müssen den Abstieg der zweiten Mannschaft unbedingt verhindern, um den U19-Spielern eine Perspektive bieten zu können. Steigt die Zweite ab, fällt unser kompletter Unterbau weg."
Dass dieser Schritt zu Lasten des sportlichen Wettbewerbs in der Mittelrheinliga geht, nimmt man in Pesch in Kauf. Da der Abstieg der ersten Mannschaft ohnehin besiegelt ist, sieht Ervens keine moralischen Bedenken gegenüber dem Gegner oder der Liga. "Es geht für unsere erste Mannschaft um nichts mehr, der Abstieg ist besiegelt. Auch für Wegberg-Beeck geht es um nichts mehr, deshalb haben wir uns zu diesem Schritt entschieden", so der Vorsitzende abschließend.
Der FC Wegberg-Beeck, der nach einer starken Rückrunde eigentlich mit breiter Brust angereist wäre, nahm die Absage trocken zur Kenntnis. In einer knappen Mitteilung auf den vereinseigenen Kanälen hieß es lediglich, dass die Heimmannschaft sich aus internen Gründen dazu entschieden habe, nicht anzutreten. Damit wandern die drei Punkte kampflos auf das Konto der Beecker, während der FC Pesch am Sonntag alles daran setzen wird, zumindest auf Kreisebene den drohenden Abstieg abzuwenden.