Die Viktoria zeigte sich jedoch unbeeindruckt und glich nach einer Viertelstunde durch Samuele Carella (16.) aus. „Ich war dann sehr froh, dass wir relativ zügig den Ausgleich machen konnten“, sagte Viktoria-Trainer Marian Wilhelm. In der Folge erhöhte der Drittligist den Druck deutlich, erspielte sich zahlreiche Chancen, biss sich jedoch immer wieder an der kompakten Defensive der Gastgeber und an Torhüter Michael Vogel die Zähne aus.
Otto haderte ein wenig mit dem schnellen Ausgleich: „Schade, dass wir das nicht länger halten konnten. Dass wir zehn oder 15 Minuten nach dem Führungstreffer den Ausgleich kassieren.“ Dennoch überwog bei ihm der Stolz: „Die Art und Weise, wie meine Mannschaft heute aufgetreten ist, wie sie unseren taktischen Plan umgesetzt hat. Das war bis zur letzten Minute klar erkennbar und deshalb einfach ein riesiges Lob an meine Jungs.“
Auch nach der Pause blieb die Partie intensiv. Zwei Distanzschüsse der Viktoria strichen knapp über die Latte. Wilhelm verwies auf die schwierigen Rahmenbedingungen: „Mit dem denkbar schlechtesten Pokalspielverlauf, mit dem man in so ein Spiel gehen kann, sind wir relativ früh in Rückstand geraten. Da hat sicherlich der Platz dann das erste Mal zugeschlagen. Es war nicht einfach, heute bei den Bedingungen, gegen so leidenschaftlich verteidigenden Gegner zu bestehen. Die Räume haben sie extrem eng gemacht.“
Wilhelm: "Dann denkst du, jetzt wird es ganz ungemütlich"
In der 78. Minute schien das Momentum endgültig zu kippen. Frank Ronstadt sah die Gelb-Rote Karte, Viktoria musste in Unterzahl weiterspielen. „Dann ist so ein Spiel immer schwer, wenn es lange unentschieden steht. Dann bestraft uns das Spiel mit der gelb-roten Karte. Dann sitzt du natürlich draußen als Trainer und denkst, jetzt wird es ganz ungemütlich“, beschrieb Wilhelm die Situation.
Doch der Drittligist schlug in Unterzahl zu. Nach einem Eckball traf Benjamin Zank in der 84. Minute zum 2:1. „Dann bin ich natürlich heilfroh, dass die Jungs da mit der Standard in Führung gehen. Danach haben wir wirklich gut verteidigt, wenig zulassen, auch in Unterzahl“, sagte Wilhelm.
Siegburg warf in der Schlussphase alles nach vorne. In der Nachspielzeit hatte der eingewechselte Alexander-Tackie Sai die große Chance zum Ausgleich, doch es blieb beim knappen Sieg des Favoriten. Otto blieb dennoch positiv: „Wenn man einen Drittligisten bis zur 90. Minute in ein spannendes Spiel verwickelt, dann bin ich einfach stolz. Das ist eine sehr gute Leistung, auf die wir aufbauen.“ Seine Botschaft an die Mannschaft war klar: „Ich habe den Jungs gesagt, es gibt keinen Grund, mit gesenktem Kopf in die Kabine zu gehen. Seid einfach stolz auf das, was ihr geleistet habt. Und weiter geht’s.“
Wilhelm zollte dem Gegner Respekt: „Ich glaube, man kann Siegburg zu einer extrem guten Leistung gratulieren. Sie haben uns das Leben heute unfassbar schwer gemacht.“ Am Ende zählte für ihn jedoch vor allem das Weiterkommen: „Für ging es heute ums Weiterzukommen. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat, dass wir eine Runde weiter sind.“
So zieht Viktoria Köln trotz großer Gegenwehr ins Halbfinale ein – während Siegburg erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb ausscheidet.