2026-02-20T12:29:42.904Z

Kommentar

Sommerschlaf am Mittelrhein: Ein Plädoyer für mehr Sonne auf dem Platz

Kommentar zur fast dreimonatigen Sommerpause im Verbandsgebiet Mittelrhein

von Andreas Santner · Heute, 06:30 Uhr · 0 Leser
Der Spaß bei eisigen Temperaturen hält sich im Training in Grenzen.
Der Spaß bei eisigen Temperaturen hält sich im Training in Grenzen. – Foto: KI-generiert / Montage: FuPa

Der Rahmenterminplan des Fußball-Verbands Mittelrhein (FVM) wirkt wie ein Dokument aus einer anderen Klimazone. Wer ihn liest, könnte meinen, der Amateurfußball zwischen Gummersbach und Aachen flüchte ganz bewusst vor der Sonne. Während die Profis bei der Weltmeisterschaft in den USA und Kanada um Titel schwitzen, fällt der heimische Spielbetrieb in einen fast dreimonatigen Tiefschlaf. Von Anfang Juni bis Ende August ruht der Ball – eine Pause, die folgen für die Wintervorbereitung hat.

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Es ist eine kurios: Wenn die Plätze im Juni im saftigsten Grün stehen und das Wetter nach Fußball schreit, bleiben die Sportstätten leer. Die Spieler tauschen den Kunstrasen gegen das Freibad, während die Vereine ihre Anlagen schonen. Doch die Rechnung folgt prompt im Spätwinter: Sobald der Karnevalskater verflogen ist, wird der Spielbetrieb im Februar wieder hochgefahren – die Vorbereitung oft auf gefrorenen Böden, die eher an Eishallen als an Fußballplätze erinnern. Die viel kurze Pause wird oftmals für Hallenturnier genutzt – Regeneration Fehlanzeige. Das Resultat sind frustrierte Trainer, die über eine unmögliche Vorbereitung klagen, und ein erhöhtes Verletzungsrisiko für die Spieler.

Die Debatte: Verlängern, Verkürzen oder Umdenken?

Sollte man die Saison also einfach zwei Wochen in den Juni schieben oder Mitte August starten? Wie so oft im Leben gibt es hier zwei gewichtige Meinungen:

Eine Verlängerung der Saison bis Mitte oder Ende Juni würde die Qualität des Spiels spürbar heben. Auf weichem Boden rollt der Ball kontrollierter als auf Permafrost, und der Termindruck in den Wintermonaten ließe nach. Sicher, das Hauptargument gegen eine solche Verschiebung ist die Ferienzeit der Familien. Doch wer fragt eigentlich die wachsende Zahl der kinderlosen Kicker? Für sie würde ein früherer Saisonstart Mitte August oder ein längeres Spielen im Juni die Chance bieten, außerhalb der teuren Hochsaison zu verreisen, ohne direkt den Stammplatz zu riskieren.

Natürlich hat die Medaille eine Kehrseite. Eine Saisonverlängerung würde die ohnehin knappe Zeit für die (Rasen-)Regeneration verkürzen – ein Albtraum für jeden Platzwart. Auch das Ehrenamt und die Schiedsrichter benötigen ihre Auszeit. Zudem birgt der Hochsommer eigene Gefahren: Hitzeschlachten bei 35 Grad sind für die Gesundheit der Amateure kaum förderlicher als Spiele bei Minustemperaturen.

Die Lösung könnte so einfach wie pragmatisch sein: Mehr Mut zum Flutlichtspiel an milden Juni-Abenden und weniger Zwang zur Winter-Arithmetik. Es ist paradox, dass wir in teure Kunstrasenplätze investieren, nur um sie im Hochsommer einzuzäunen und im Winter, wenn sie glatt wie eine Skipiste sind, zur Pflichtveranstaltung zu erklären. Vielleicht sollte man beim FVM überlegen, dass Fußball ein Freiluftsport ist, der bei Licht und Wärme am meisten Freude bereitet. Bis dahin bleibt den Spielern nur die Hoffnung auf einen milden Winter – wenn der Verband schon nicht bereit ist, den Terminkalender endlich konsequenter in die wärmeren Monate zu rücken.