Während die meisten Vereine aus dem Fußballkreis Grevenbroich/Neuss jüngst die wiederbelebte Kreishallenmeisterschaft dazu nutzten, um erstmals im neuer Jahr in Bewegung zu kommen, hatte Landesligist SC Kapellen mit dem Wetter zu kämpfen. Die Kapellener verzichteten auf die kurze Hallensaison, weil sie mit ihrer jungen Mannschaft und dem im Sommer installierten Trainer Lennart Ingmann ihren Fokus aufs Feld legen und am 6. Januar mit der Vorbereitung starten wollten.
Doch der Wintereinbruch machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Weil die Plätze in Grevenbroich bis Dienstag gesperrt sind, war bis auf die eine oder andere Einheit in der Halle bislang hauptsächlich Alternativtraining mit Laufschuhen oder im Fitnessraum drin. Dabei drängt die Zeit, denn schon am 2. Februar steht die Neuauflage des abgebrochenen Spiels gegen Titelkandidat FC Kosova an, eine Woche später ist die wiedererstarkte Holzheimer SG im Jupp-Breuer-Stadion zu Gast.
Das Fußballjahr des SCK startet also mit zwei Punktspielen, die seine in den Wochen vor der Winterpause begonnene Erfolgsserie auf eine harte Prüfung stellen. Eine Erfolgsserie, mit dem der Tabellendritte der Vorsaison den schwachen Saisonstart inklusive des Abrutschens auf einen Abstiegsplatz wieder einigermaßen reparieren konnte. Auf das bittere 0:2 bei TuRU Düsseldorf Mitte Oktober folgten sieben Partien ohne Niederlage, die 15 Punkte einbrachten. Dadurch brachten die Kapellener ordentlich Abstand zwischen sich und die Abstiegszone, sie überwintern auf Platz elf und haben den Kontakt zum breiten Mittelfeld hergestellt. „Mit der jungen Mannschaft und dem neuen Trainer war es schwer, uns zu finden. Aber wir haben die Ruhe bewahrt, zu unserem Konzept gestanden und füreinander gekämpft. Da war es bei unserer individuellen Qualität nur eine Frage der Zeit, bis sich der Erfolg wieder einstellt“, erklärt Kapellens Sportlicher Leiter Jörg Ferber.
Wobei es auch ein großes Problem war, dass die Kapellener von eben dieser individuellen Qualität nach der vergangenen Saison einiges einbüßten. So verabschiedete sich Toptorjäger Pablo Ramm nach dem knapp verpassten Aufstieg in Richtung Wegberg-Beeck. Zudem stand Routinier und Kapitän Robert Wilschrey nach einem neuerlichen Kreuzbandriss weiter nicht zur Verfügung, Mittelfeldmotor Can Yücel hat wegen einer hartnäckigen Leistenverletzung noch kein einziges Spiel bestritten. Hinzu kamen häufige kürzere Ausfälle, die den eigentlich breit aufgestellten Kader immer wieder vor Probleme stellten und das zunächst auf Angriffspressing ausgelegte System des Trainers nicht so richtig greifen ließen.
„Das haben wir erkannt und entsprechende Umstellungen vorgenommen. Eine Mischung aus Mittelfeld und Angriffspressing hat dann wesentlich besser funktioniert“, sagt Jörg Ferber. Das hatte auch positive Auswirkungen auf das Nervenkostüm einiger Akteure, deren individuelle Fehler öfter zu bitteren Gegentoren führten. Negativer Höhepunkt war das 0:5 beim ASV Süchteln. Doch das Defensivverhalten erreichte danach noch gehobenes Landesliga-Niveau, weniger als 25 Gegentore können nur wenige Konkurrenten vorweisen. Der andere Teil der Wahrheit ist aber auch, dass nur wenige Konkurrenten seltener getroffen haben als Kapellen (29). Die durch den Abschied von Pablo Ramm gerissene Lücke klafft also weiterhin, weswegen die Kapellener auch Augen und Ohren offenhalten, ob es nicht irgendwo einen Stürmer gibt, der ihnen weiterhelfen könnte und ins Budget passt.
Dabei helfen könnte Patrick Becker, der nach seinem Abschied aus Holzheim zu seinem Heimatverein zurückgekehrt ist, um ihn in Sachen Scouting und Sponsoring zu unterstützen. Dass es etwas wird mit einem Zugang in der Wintertransferperiode, ist laut Jörg Ferber zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Feststeht aber in Tom Seidel ein Abgang. Er war unzufrieden mit seinen Spielanteilen und erhofft sich beim Bezirksligisten SVG Weissenberg mehr Einsatzzeit. Für den restlichen Kader und die nach und nach zurückkehrenden Verletzten geht es nun darum, in der Zeit bis zum ersten Punktspiel wieder richtig in einen Trainingsrhythmus zu kommen. Immerhin kam am Sonntag kurzfristig das erste Testspiel zustande, das beim SC St. Tönis 5:1 gewonnen wurde. Am Mittwoch beim 1. FC Lintfort und am Samstag bei der SpVg Odenkirchen sind weitere Tests geplant.