2025-04-02T15:12:16.030Z 1743670032897

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Michael Gauch und der Vorstand von RWO Alzey strahlen trotz aller Schwierigkeiten große Zuversicht für die Zukunft aus. Woher kommt dieser unverwüstliche Optimismus?	Foto: Martin Hartmann / pakalski-press
Michael Gauch und der Vorstand von RWO Alzey strahlen trotz aller Schwierigkeiten große Zuversicht für die Zukunft aus. Woher kommt dieser unverwüstliche Optimismus? Foto: Martin Hartmann / pakalski-press

RWO Alzey strotzt vor Zuversicht

Woher nimmt der Vorstand des krisengeschüttelten Vereins die Motivation, nicht zu kapitulieren?

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Alzey. Dem Vorstand von RWO Alzey weht seit dem ersten Amtstag in der Öffentlichkeit ein ziemlich kalter Wind entgegen. Darüber hinaus plagen den Klub erheblich finanzielle Schwierigkeiten, die der Führung des Wartberg-Klubs angeblich erst nach der Amtsübernahme vor einem guten Jahr bekanntgeworden sei. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz: Die Funktionäre arbeiten unbeirrt weiter. Das überrascht. Woher kommt diese Motivation? Michael Gauch, Mitglied im Vorstand, sagt: „Aus der Zuversicht, ja, aus der Überzeugung, dass alles gut werden wird“.

Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung und Wormser Zeitung.

Herr Gauch, in der Öffentlichkeit herrscht der Eindruck vor, dass es derzeit alles andere als ein Vergnügen ist, Mitglied des Vorstands von RWO Alzey zu sein. Aber alle Unwägbarkeiten, inklusive der medialen Kritik wegen der sportlichen Talfahrt der ersten Fußball-Mannschaft, unvorteilhaftem Trainerwechsel oder den roten Zahlen in der Kasse, perlen an den Funktionären augenscheinlich ab. Was passiert da intern?

Ich glaube, wenn man sich entscheidet, ein Amt im Verein zu bekleiden, sollte man sich im Klaren sein, dass nicht alles gerade läuft und dass man nicht immer Lob bekommt. Man muss zudem sagen, dass offensichtlich die Richtigen im Vorstand sind. Da haben sich Personen gefunden, die das aushalten können. Dass wir nicht fehlerfrei sind, ist klar. Aber wir stützen uns gegenseitig. Das beflügelt, dass man weitermacht.

Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass alle Vorstandsmitglieder in ihrem Handeln eine Perspektive sehen. Woher kommt diese Zuversicht?

Aus der eigenen Kraft. Wir sind noch da, wir sind noch zusammen. Und man sollte nicht vergessen, der Vorstand wurde im November 2023 nahezu komplett ausgetauscht. Die Positionen sind besetzt worden. Das war positiv in der heutigen Zeit, in der ehrenamtliche Posten oft nicht besetzt werden können. Und die Zuversicht rührt aus dem Umstand, dass die Stadionsanierung nun so gut wie abgeschlossen ist. Wir sehen nun Licht am Ende des Tunnels.

Inwiefern?

Wir hatten die zurückliegenden zweieinhalb Jahre keine Heimspiele mehr im Wartbergstadion. Dass sich das nun endlich ändert, heißt nicht, dass damit alle Probleme vom Tisch sind. Aber ich denke, es wird uns Vieles leichter fallen. Der Improvisationsaufwand, der mit der fehlenden festen Trainings- und Spielstätte auf dem Wartberg verbunden war, fällt weg. Wir brauchen keine Nutzungsgebühren auf fremden Plätzen, die uns dankenswerterweise beispielsweise in Spiesheim zur Verfügung gestellt wurden, zahlen. Stattdessen haben wir nun wieder eine Heimat, was den Organisationsaufwand reduziert, uns finanziell entlastet und vor allem dem zuletzt nachteilig dezentralisierten Vereinsleben guttun wird. Ich hoffe, das wird Kräfte freisetzen, die wir die Jugendarbeit und in den Verein stecken können. Wir können unseren Verein wieder leben – und das ist dem Vorstand sehr wichtig.

Dieser Tage gab es eine erste Berührung zwischen der neuen Sportstätte und den Fußballern?

Ja. Und eine rührende Episode. Als wir ans Tor zum Aufschließen kamen, standen einige Kinder davor. Sie schauten auf die reizvolle neue Sportanlage, wollten sie am liebsten gleich mal ausprobieren. Wir mussten sie leider noch um einige Tage vertrösten. Aber das Interesse, die Vorfreude der Kinder zu erleben, endlich auf diesem tollen Platz Fußball spielen zu können, das war ein unheimlich schönes Gefühl. Da spürte man, warum man sich engagiert und sich von mittlerweile abflauenden Turbulenzen nicht beirren lässt.

Das motiviert?

Auf jeden Fall. Aber positiv ist auch, dass wir in den zurückliegenden drei Monaten einen ordentlichen Zuwachs bei den Mitgliedern hatten. Dass wir sogar überlegen, in der nächsten Saison ein Mädchenteam aufzustellen. Und, sehr positiv, dass wir im Vorstand alle Hand anlegen. Ob das jetzt bei der erstmaligen Bewirtung bei der Weinbergswanderung war, ob das am Winzerfest war oder aktuell beim Christkindlmarkt. Also alle, die Verantwortung tragen, ziehen alle mit.

„Es motiviert, dass unsere Maßnahmen wirken“

Beeindruckend auch, dass offensichtlich keiner aus dem Vorstand vor den Verbindlichkeiten zurückschreckt, die der neue Vorstand geerbt hat. Wieso wirft keiner hin in Anbetracht dieses Handicaps?

Wissen Sie, es motiviert, dass wir sehen, dass der Schuldenberg nicht mehr wächst, sondern allmählich sogar im Schrumpfen begriffen ist. Noch nicht erheblich, aber immerhin so deutlich, dass wir merken, richtige Maßnahmen eingeleitet zu haben. Wobei man deutlich sagen muss, dass die wirtschaftlichen Voraussetzungen und sportlicher Erfolg eng miteinander verflochten sind. Als wir im November starteten und die Zahlen erstmals sahen, mussten wir gleich den Rotstift ansetzen.

Spannendes Thema …

… ja, die Konsequenzen sind bekannt. Manche Spieler verließen im zurückliegenden Winter den Verein, weitere folgten im Sommer. Es waren auch Reaktionen, dass wir, der neue Vorstand, restriktiver auf die Einhaltung der Vereinbarungen in den schriftlichen Verträgen achteten, als das offenbar unsere Vorgänger getan haben. Klar, das waren unpopuläre Maßnahmen und war sicher nicht sexy. Aber es war unvermeidbar, wenn der Verein wirtschaftlich überleben sollte.

„Wir hatten nicht immer das glücklichste Händchen“

Das hatte die sportliche Talfahrt zur Folge?

Genau. Aber: Ich will nicht damit sagen, dass wir bei der einen oder anderen Entscheidung immer ein glückliches Händchen hatten. Nicht alles, was wir initiierten, war fehlerfrei. Da sind wir selbstkritisch. Wir sehen es aber auch so, dass den abgewanderten Spielern der Verein nicht so sehr am Herzen gelegen hat.

Wo sieht der neue Vorstand den Verein in fünf Jahren?

Sehen und wünschen – das sind zwei paar Schuhe. Ich wünsche mir, dass wir spätestens bis dahin einen ausgeglichenen Haushalt und - eng damit verknüpft – Planungssicherheit haben. Dass wir eine verlässliche Etatplanung über ein Jahr erstellen können, in der Einnahmen und Ausgaben verlässlich fixiert sind. Das ist wünschenswert – genauso, dass wir möglichst alle Jugenden besetzen und vielleicht im aktiven Spielbetrieb, das heißt erste und zweite Mannschaft, vertreten sind. Wenn wir wieder in der Landesliga vertreten wären, würde ich mich sehr freuen.

„Jugend darf nicht vernachlässigt werden“

Welchen Stellenwert wird die erste Fußball-Mannschaft in Zukunft haben?

Aktive und die Jugend sollen den gleichen Stellenwert genießen. Klar ist, die erste Mannschaft ist Aushängeschild. Aber, ich denke, die Jugend darf nicht vernachlässigt werden, weil: Sie ist die Zukunft. Spieler von anderen Vereinen zu holen, ist in der Regel mit einem finanziellen Aufwand verbunden. Den möchten wir nicht mehr in dem Maße betreiben, wie das manch andere Vereine tun. Erstens, weil wir es nicht mehr können und zweitens: Wir wollen es auch nicht mehr. Ich sehe den Vorstand nicht als Geldbeschaffer. Sicher, wir brauchen Geld, um den Verein am Laufen zu halten. Aber es sollte nicht primär die Aufgabe des Vereins sein, Geld zu besorgen, um Legionäre zu bezahlen.

Wie stehen Sie zur großen öffentlichen Aufmerksamkeit, die RWO Alzey augenscheinlich hat?

Ich denke ab und zu mal, RWO Alzey ist Bayern München, ist Real Madrid. Fakt aber ist doch: Wir sind ganz kleine Lichter im Hobbybereich und sonst gar nichts. Es ist und bleibt Hobby und Hobby sollte Spaß machen. Hobby sollte verbinden und sollte nicht zur übersteigerten Aufgabe werden. Das sollten wir uns alle vergegenwärtigen – gerade vor der Tragödie, die sich in Magdeburg ereignete oder anderen persönlichen Unglücken. Da merkt man doch, wie schnell alles vorbei sein kann. Das relativiert die Bedeutung des Fußballs. Den sollte man gar nicht so wichtig nehmen.

Das Interview führte Claus Rosenberg



Aufrufe: 030.12.2024, 21:00 Uhr
Claus RosenbergAutor