
Der 1. FC Nürnberg II steht ganz dicht vor dem Titelgewinn in der Regionalliga Bayern. Die U23 des Clubs benötigt aus den abschließenden beiden Partien noch einen Punkt, dann ist der Triumph perfekt. Der fehlende Zähler soll schon am kommenden Samstag zu Gast bei der SpVgg Bayreuth eingefahren werden. Eine weitere Kröte müssen die Nürnberger allerdings schon vor der möglichen Titelsause schlucken: Neben dem Aufstieg, von dem der Verein schon zeitig freiwillig Abstand genommen hat, müssen die FCN-Youngsters auch auf ein in Deutschland untrennbar mit Meisterschaften verbundenes Utensil verzichten. Eine Meisterschale wird`s nämlich nicht geben...
Auch der Bayerische Fußball-Verband (BFV) ehrt seine Regionalliga-Meister normalerweise mit der Übergabe einer Schale. Aber wie so oft im Bürokratiedschungel Bundesrepublik greift auch in diesem Fall eine Ausnahmeregelung: Der BFV verleiht seine Schalen ausdrücklich nur an die Amateurmeister, was als Schriftzug auf der Schale gut lesbar zu erkennen ist. Und eine Nachwuchsmannschaft eines Profivereins erfüllt nun mal dieses Kriterium nicht. Ob nun allerdings die SpVgg Unterhaching oder die Würzburger Kickers, die beide unter Profibedingungen arbeiten, als klassische Amateurfußballer durchgehen, darf zumindest diskutiert werden...

Angesprochen auf den kuriosen Umstand, dass die "Cluberer" im sehr wahrscheinlichen Fall des Triumphs auf die Meisterschale verzichten müssen, meint FCN-Teammanager Thomas Hüttner schmunzelnd: "Unser Stand ist, dass wir zumindest Medaillen und den Meisterwimpel bekommen würden." Zudem gibt es Überlegungen am Valznerweiher, kurzerhand selbst der Mannschaft einen Pokal zu überreichen.
Freilich Kleinigkeiten, die das große Ganze nicht in den Schatten stellen sollen. "Die Tabelle ist immer auch wie ein Zeugnis. Wenn man kurz vor Schluss ganz oben steht, dann ist das der Beleg dafür, dass die Jungs eines sehr, sehr gute Saison gespielt haben", betont Hüttner und zählt die ausschlaggebenden Gründe auf, die den Club in diese Situation gebracht haben: "Der tolle Start mit fünf Siegen in Folge zu Saisonbeginn war die Basis - und das ist alles andere als selbstverständlich. Denn im Sommer haben wir immer einen Umbruch zu meistern und die jungen Spieler müssen sich erst an den Herrenfußball herantasten. Da sind eigentlich Startschwierigkeiten vorprogrammiert. Es lief von Anfang an, das hat uns beflügelt. Und obwohl bereits 39 verschiedene Spieler zum Einsatz gekommen sind, ist die Mannschaft zu einem echten Team zusammengewachsen." Sie sind in dieser Spielzeit zu einer Meistermannschaft gereift die Club-Talente, jetzt müssen sie nur noch den letzten Schritt gehen - auch ohne Meisterschale.

Sieben Jahre später im Hier und Jetzt könnte es nun zu einem kuriosen Szenario kommen, und eine denkwürdige Saison wäre um eine weitere Episode reicher: Der 1. FC Nürnberg II wird Meister, die SpVgg Unterhaching will nicht aufsteigen, erhält aber als Tabellenzweiter die Meisterschale - und der Drittplatzierte Würzburger Kickers hat eigentlich nichts in der Hand, spielt aber um den Aufstieg...