2024 ist das Jahr des FC Ruderting. Erst die grandiose Hallensaison samt Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft, dann der Vizetitel in der Bayernliga und die unverhoffte Regionalliga-Relegation, die trotz Niederlage ein großer Erfolg war. Unter Neu-Trainer Florian Spiller schien der FCR auch in der aktuellen Spielzeit auf einer Welle der Euphorie weiterschwimmen zu können - die ersten fünf Spiele: Nur Siege. Dann allerdings folgten nur ein Punkt aus zwei Spielen und mit der SpVgg Greuther Fürth ein Gegner im Kampf um den Meistertitel, der ausnahmslos gewinnt.
Sind alle Regionalliga-Träume für das Team aus dem Landkreis Passau deshalb bereits vorzeitig ausgeträumt? Teammanger Michael Eder, vergangene Spielzeit noch der Mann an der Linie, dazu im FuPa-Interview...
Mitsch, heißt es angesichts der Stärke von Fürth mit acht Siegen in acht Spielen für den FC Ruderting bereits: Regionalliga, ade?
Nein, natürlich nicht (lacht). Ich habe Fürth-Coach Felix Bernhard im Juni bei einer Trainerfortbildung in Oberhaching getroffen und dort haben wir uns bereits gegenseitig die Favoritenrolle für die neue Saison zugeschoben. Aber Respekt nach Fürth! Denn so klar und eindeutig ist in den vergangenen Jahren noch kein Team durch die Bayernliga spaziert. Fakt ist aber auch: es werden noch 42 Punkte vergeben und es wird noch genug Stolpersteine geben.
Auch ihr seid makellos in die Saison gestartet - mit fünf Dreiern zum Auftakt, darunter ein 8:1 und ein 5:0. Es folgte die Pleite gegen Theuern und das Remis in Forstern. Warum? Weil diese beide Gegner stärker waren als die zuvor? Oder liegt es an euch?
Gegen Theuern lag es klar an uns. Der Gast ging mit einem Sonntagsschuss in Führung und hat anschließend den Bus vor dem Tor geparkt (lacht). An dem Tag hätten wir noch fünf Stunden spielen können - das Tor war wie vernagelt. In Forstern haben wir in der kompletten Duellhistorie noch nie einen Punkt geholt. Dementsprechend kann man den erstmaligen Punktgewinn dort auch positiv sehen. (schmunzelt)
Gegen Amicitia am vergangenen Wochenende sind Madl, Kaspar & Co. in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Und wieder ein einfaches: "Warum"?
In der ersten Halbzeit hat man der Mannschaft angemerkt, dass ein gewisser Sieg-Druck auf ihr lastet. Nach der Halbzeit haben wir uns langsam von unseren Ängsten befreit, wir haben richtig Gas gegeben und es war nur eine Frage der Zeit, bis die jeweiligen Tore fielen.
Vorne das Kleeblatt, fünf Punkte dahinter ihr, dann das Mittelfeld mit etwas Abstand - und nochmal mit Polster der Tabellenkeller. Ist die Bayernliga eine Liga mit drei Spielklassen?
Wenn man sich die Tabelle zu Gemüte führt, dann schaut's sehr danach aus, ja. Trotzdem sind die Mannschaften im hinteren Drittel nicht so einfach zu bespielen. Wir sind zudem noch immer in der 4. Liga: da haust du keinen Gegner mit einem Fuß einfach so weg.
Wenn es heuer mit dem Aufstieg in die Regionalliga nicht klappt, dann... bricht das Team auseinander? Muss man kleinere Brötchen backen?
Wir müssen nicht aufsteigen. Unser Ziel ist immer, dass wir in der Bayernliga eine gute Rolle spielen wollen. Falls irgendwann mal mehr rausspringen sollte, werden wir uns garantiert nicht dagegen wehren. Unser Glück ist, dass es keinen Verein in der näheren Umgebung gibt, der so hoch spielt wie wir und der uns einige Spielerinnen abwerben könnte. Nach Kirchberg und Frauenbiburg ist die Entfernung für die Spielerinnen einfach zu groß.
Ist der Bayerische Wald in Sachen Frauenfußball vielleicht zu strukturschwach, um eine Regionalliga-Mannschaft zu stellen? Will heißen: Gibt es zu wenig Spielerinnen mit entsprechender Qualität in eurem Einflussgebiet?
Es gibt, wie gesagt, nicht viele Vereine in der Umgebung auf ähnlichem Niveau und somit auch nicht viele Spielerinnen, die uns sofort weiterhelfen. Wir haben mittlerweile einen großen Stammkader mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren, das heißt, wir befinden uns noch gar nicht auf dem Zenit unserer Leistungsfähigkeit. Außerdem haben wir einen großartigen Unterbau mit unserer 2. Mannschaft, die aktuell zwei Klassen unter uns Tabellenführer in der Bezirksoberliga ist. Aber zurück zur Frage: Schaut man sich die Teams aus der Regionalliga an - beispielsweise Stuttgart, Frankfurt, Karlsruhe, Augsburg oder Hoffenheim - , so haben diese Vereine natürlich eine viel größere Auswahl an Spielerinnen in ihren jeweiligen Städten bzw. Umkreisen. Für uns heißt es deshalb: Kreative Lösungen finden und im Bereich unserer Möglichkeiten alles auszureizen, um gegen diese Teams dann bestehen zu können.
Der FC Ruderting spielt Bayernliga, vierte Liga. Also auf die Herren umgelegt: Auf einem Niveau mit der SpVgg Hankofen-Hailing und sogar eins über dem SV Schalding-Heining. Fühlt ihr euch im Verhältnis ausreichend wertgeschätzt?
Wir fühlen uns auf jeden Fall zu 100 Prozent wertgeschätzt. Vergleiche mit Herrenteams sind in keiner Liga bzw. keiner Sportart angebracht. Genauso wenig, wie man die Vergangenheit mit der Gegenwart vergleichen sollte.
Was muss noch passieren, damit der Frauenfußball noch mehr in den Fokus rückt?
In den vergangenen Jahren hat sich hier sehr viel zum Positiven verändert. Ich habe schon das Gefühl, dass sich in der Wahrnehmung der Leute der Frauenfussball extrem zum Guten verändert hat.
Und kurz noch zu Dir: Dich kennt man als Spieler und Herrentrainer. Nun bist Du Teammanger bei den Mädls. Worin siehst Du die größten Unterschiede? Was macht Dir beim jeweiligen Geschlecht besonders Spaß? Warum jetzt Funktionär?
Als im Winter die Anfrage von "The one and only - FCR - Frauen" , Johanna Maier, kam, wusste ich selber nicht recht, was mich erwarten würde. Nach elf Jahren als Herrentrainer habe ich mir gedacht: Warum nicht mal den Horizont erweitern und mich auf das Abenteuer Frauentrainer einlassen? Dass die Rückrunde angefangen von der Halle bis zum Relegationsmatch in Ulm so überragend verläuft, konnte man natürlich nicht vorhersehen. Es war aber für mich im Winter bereits klar, dass ich das Kapitel aus familiären Gründen im Sommer wieder schließen werde. Aus Dankbarkeit und weil es mir so unfassbar viel Spaß gemacht hat, will ich den Mädels und auch Johanna hier etwas zurückgeben und habe in der Position des Teammanagers das gefunden, was mich erfüllt: Ich bin zeitlich flexibel und muss generell nicht immer anwesend sein. Gemeinsam mit Johanna macht es mir sehr großen Spaß, an den bereits sehr guten Strukturen der Frauenabteilung noch weiter zu arbeiten.
Der Unterschied zu den Herrenteams ist ganz klar, dass die Entscheidungsprozesse viel kürzer sind. Bei den Frauen kommt eine Probespielerin ins Training, man redet über einen möglichen Wechsel und ein paar Tage später kommt das Ja oder Nein. Bei den Herren sind mittlerweile oft unzählige Telefonate bzw. WhatsApp von Nöten, um den Spieler zu überzeugen. Außerdem hat man bei den Mädels im Frühjahr nie Angst, dass die halbe Mannschaft wechseln könnte. Bei den Frauen hören immer nur maximal ein, zwei Spielerinnen auf, Wechsel kommen hier nicht so oft vor. Ich beneide mittlerweile keinen Herren-Abteilungsleiter, der sich ab der Winterpause mit der Thematik Spielerpersonal rumschlagen muss. (lacht)
Vielen Dank für das Gespräch - wir wünschen Dir weiterhin viel Spaß mit Deinen Mädls