Nach der Absage des Mehrkampf-Meetings 2025 durch Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und Deutsche Leichtathletik GmbH (DLM) hat der TV Ratingen eine Idee ins Spiel gebracht: Könnte die Stadt nicht vom DLV als Gegenleistung für die Millionen-Investition ins Stadion – gerade für die Wünsche des DLV – eine Sicherheitsgarantie verlangen, dass das Mehrkampf-Meeting jährlich in Ratingen stattfindet?
Sie fände das „einleuchtend“, hatte Marion Weißhoff-Günther, die Vorstandsvorsitzende des TV Ratingen, der sonst nur einen Einjahres-Ausrichtervertrag mit dem DLV abschließt, unserer Redaktion gesagt.
Der unter anderem für den Sport zuständige Dezernent und Erste Beigeordnete Patrick Anders erfährt diese Idee von unserer Redaktion und erwidert: „Die Anregung werden wir prüfen.“ Er ergänzt: „Als ich nach Ratingen kam, habe ich die Situation so wahrgenommen, dass der DLV den Vertrag für das Meeting nur jahresweise abschließt. Gemeinschaftlich mit dem TV Ratingen hatten wir ja auch bisher nie einen Anlass, daran zu zweifeln. Klar ist: Wir hätten die Laufbahn sowieso erneuern müssen, die war einfach kaputt. Aber das Upgrade auf blaue Bahnen mit unterschiedlichen Härtegraden war ein durchaus kostenintensiver Wunsch des DLV, den wir auch mit Blick auf die Kategorie des Gold Labels durch World Athletics unterstützt haben.“Durch diese Kategorie ist das Ratinger Meeting eines der hochklassigsten weltweit.
Generell zur Absage seitens des DLV sagt Anders: „Wirklich ärgerlich ist das für die zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich beim TV Ratingen für das Meeting einsetzen. Mitglieder planen ihren Urlaub um das Datum herum – die städtischen Mitarbeiter aber ehrlicherweise auch. Ab dem ersten Tag, nach dem die Fußball-Saison jedes Jahr endet, beginnen die wochenlangen Vorbereitungen für das Meeting.“
Anders führt auch mit Blick auf den für die Absage genannten Grund, dass das Meeting in Talence aus dem September, in dem die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Tokio stattfindet, in den eigentlich für Ratingen üblichen Juni gerutscht und damit eine Konkurrenz ist, weiter aus: „Mich hat die Absage überrascht, und ich finde sie auch fatal, wenn im Zuge von Olympia-Bewerbungen immer davon gesprochen wird, dass unsere Kommunen attraktive Sportstätten haben müssten. Da setzt eine Stadt das um, und dann findet das Meeting hier ein-, zweimal statt, und dann überrascht einen Verband der Wettkampf-Kalender? Da erwarte ich einfach eine gewisse Sensibilität des DLV auch für die kommenden Jahre. Wir werden da auch noch gezielt nachfragen und die Möglichkeiten einer Sicherheitsgarantie bestimmt prüfen.“
Zu prüfen hat seine Verwaltung seit Mittwochabend noch einiges, das in unmittelbarem Zusammenhang steht: Partei-übergreifend haben CDU, Grüne, Bürger-Union, SPD und FDP da einen Antrag eingebracht, der im Missstand der Absage eine Chance sieht – den Rasen im Stadion auszutauschen. Als Anlass nehmen die Fraktionen das Viertelfinale des Niederrheinpokals, als sich Oberligist Ratingen 04/19 dem MSV Duisburg mit 2:3 nach Verlängerung beugen musste, und Dietmar Hirsch als Trainer des Regionalliga-Spitzenreiters im Anschluss medial wirksam beklagte, der Rasensei „nicht Fußball-tauglich“ und er würde seinen „Hund nicht da drauf lassen“.
Dass das über die Stadtgrenzen hinaus kein gutes Bild vom Ratinger Fußball-Standort zeichnet, versteht sich von selbst. Dass man hier „große Fußballspiele ausrichten“ kann, sei ein Fazit der Pokal-Partie, finden die Fraktionen, schreiben aber auch unisono: „Einzig beständiger Kritikpunkt des Stadions ist nach wie vor der Zustand des dort im Jahre 2017 verlegten Naturrasens, der ganz offensichtlich zumindest in weiten Teilen des Jahres den Anforderungen an einen belastbaren Sportrasen nicht oder allenfalls unzureichend genügt. In der Vorlage 289/2024 führt die Sportfachverwaltung deshalb auch folgerichtig aus, dass der Naturrasen des Stadions mittelfristig einer Erneuerung bedarf.“
Und da kommt die Meeting-Absage ins Spiel: „Mit dem nunmehr bekannt gewordenen, deutlich zu kritisierenden Entschluss des DLV, das (...) Meeting im Jahre 2025 nicht durchzuführen, bietet sich nach unserer Einschätzung die nahezu einzigartige Gelegenheit, die notwendige Sanierung des Naturrasens im Frühjahr/Sommer des Jahres 2025 im Anschluss an das letzte Spiel von Ratingen 04/19 in der Oberliga Niederrhein durchzuführen“, heißt es in dem Antrag. Am Sonntag, 23. Mai gastiert der Mülheimer FC, bei dem 04/19 an diesem Sonntag ab 15.45 Uhr zum Hinspiel antritt, zum letzten Heimspiel der Saison in Ratingen.
Daher beantragen die Fraktionen: „Die Verwaltung wird gebeten, schnellstmöglich die Kosten sowie die zeitlichen Rahmenbedingungen für einen Austausch des in Naturrasen ausgeführten Großspielfeldes im Stadion Ratingen zu prüfen und in einer Vorlage für den HAFA/Rat einschließlich eines entsprechenden Mittelbereitstellungsvorschlages darzustellen. Dabei soll die Zielsetzung verfolgt werden, die Maßnahme möglichst unmittelbar im Anschluss an das letzte Saison-Heimspiel von Ratingen 04/19 durchzuführen und einen deutlich leistungsfähigeren Rasen zu verlegen, als dies bisher der Fall ist. Entsprechende Abstimmungen mit dem Verein bitten wir die Verwaltung zu treffen. Ebenso soll geprüft werden, ob und zu welchen Rahmenbedingungen die Möglichkeit besteht, das gesamte Spielfeld, aber zumindest die stark belasteten Sechzehnmeter-Räume, als Hybridrasen auszuführen.“
So bitter die Absage des Meetings für das kommende Jahr ist, sind daraus mindestens zwei gute Ideen erwachsen, die es zu prüfen gilt.