2026-01-09T09:36:09.492Z

Allgemeines
Gemeinsam auf der Hargesheimer Kerb: Roger Waldbillig (links) und Rainer Bauer (rechts) halten den Verein von verschiedenen Seiten zusammen.
Gemeinsam auf der Hargesheimer Kerb: Roger Waldbillig (links) und Rainer Bauer (rechts) halten den Verein von verschiedenen Seiten zusammen. – Foto: kazy-stock.adobe/ T. Gauza

Rainer und Roger: Zwei, die den TSV Hargesheim am Laufen halten

Serie: Zwei engagierte Rentner prägen den TSV Hargesheim seit Jahrzehnten +++ Fußballschule und Dorftreffpunkt: Rainer Bauer und Roger Waldbillig stehen für das familiäre Miteinander beim TSV– als Platzwart, Grillmeister, Organisator und Kassierer.

Hargesheim. Beim TSV Hargesheim tragen viele helfende Hände dazu bei, dass der Vereinsbetrieb reibungslos läuft – auf und neben dem Platz. Zwei von ihnen sind Roger Waldbillig und Rainer Bauer. Beide engagieren sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Bereichen des Vereins: Waldbillig als „Grillmeister“ und Platzwart, Bauer als langjähriges Vereinsmitglied, ehemaliger Jugendtrainer und heute als Teil der Jugendleitung und Kassierer im Vorstand. Ihr Einsatz steht exemplarisch für das Ehrenamt im Sportverein – und zeigt, wie vielfältig Engagement im Vereinsleben aussehen kann. Was sie antreibt, wie sie ihren Verein prägen und warum der TSV für sie längst mehr ist als nur ein Sportverein, erzählen sie im Porträt.

Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung.

Als Platzwart des TSV Hargesheim ist Roger Waldbillig täglich unterwegs.
Als Platzwart des TSV Hargesheim ist Roger Waldbillig täglich unterwegs. – Foto: T. Gauza/ R. Waldbillig

Jugendtraining und Dorftreff am Grill: Roger Waldbillig versorgt alle

Roger Waldbillig sagt: "Ich wohne seit 30 Jahren in Hargesheim und bin bereits vor meinem Engagement häufig am Vereinsgelände gewesen". Als seine Enkel vor rund 14 Jahren zum TSV kamen, habe er am Sportplatz die Grillhütte übernommen, die er bis heute betreibe. "Wir haben viele Jugendmannschaften, und bei jedem Spiel schmeiße ich den Grill an", sagt Waldbillig. Zunächst grille er freitags beim Training der F- und D-Jugend, dann aber auch für die Hargesheimer Bevölkerung, die aus dem Ort zum Sportplatz komme, um seine Frikadellen mit Zwiebeln zu kosten. "Samstags werden zwischen sechs und sieben Spiele ausgetragen – da fange ich morgens um 10 Uhr an und bleibe bis 19 Uhr auf dem Platz", erklärt er. Wie gut das Angebot ankomme, merke er nicht nur an den Rückmeldungen der Eltern, die ihn mit selbst gebackenem Kuchen und Pralinen überraschten, sondern auch an den Reaktionen der Gastmannschaften, die an ihren eigenen Spielstätten oft kein vergleichbares gastronomisches Angebot hätten.

Platzwart mit Herz – jeden Morgen im Einsatz

Neben der Verpflegung widme er sich seit seinem Ruhestand vor vier Jahren der Aufgabe des Platzwartes – auch an den Grilltagen. "Ich bin jeden Morgen oben am Sportplatz und schaue, ob die Anlage sauber ist und alles funktioniert", berichtet Waldbillig. Neben dem regelmäßigen Mähen fahre er den Kunstrasenplatz drei Mal pro Woche ab. Zu seinen Aufgaben sagt Waldbillig: "So wie es ist, bin ich sehr zufrieden, aber es gibt immer etwas zu tun. Was ich machen kann, wird gemacht". So nehme er sich unter anderem auch spontan anfallender Streicharbeiten an und habe während der Sommerpause nicht weniger zu tun – denn auch in dieser Zeit sei der Platz durchgehend für Trainingseinheiten belegt. Zur Zukunft seines Engagements sagt der Grillmeister: "In drei Jahren werde ich 70 Jahre alt. Dann denke ich vielleicht darüber nach, ein bisschen langsamer zu machen". Solange er gesund sei, wolle er sich jedoch weiterhin im Verein engagieren – vor allem zur Unterstützung der Jugend, ohne die der Verein überhaupt nicht existieren könne.

Fußballschule und Inklusion: Besondere Momente am Platz

Zu den Höhepunkten der Vereinsarbeit gehöre für ihn die jährlich in Hargesheim stattfindende 05er-Fußballschule, während der auch er ganztägig im Einsatz sei. Der Kontakt zu ehemaligen Mainzer Profispielern wie Christof Babatz oder Fabrizio Hayer, die im Rahmen des Mainz-05-Fußballcamps bereits die Jugend des TSV trainiert hätten, sei stets angenehm gewesen. Auch Waldbillig habe bereits an einem Fototermin in Mainz teilgenommen. "Wir haben in Hargesheim auch eine Mannschaft für Spieler mit Down-Syndrom, die einmal pro Woche trainiert. Das ist eine ganz tolle Gruppe", sagt Waldbillig. Er selbst sei jeden Donnerstag beim Training auf dem Sportplatz, um zuzuschauen, denn im gesamten Umkreis finde sich ein vergleichbares Projekt für Behindertenfußball nicht mehr. "Wir haben so tolle Kinder. Ihretwegen mache ich die Arbeit so gerne", sagt Waldbillig und fügt abschließend hinzu: "Wenn ich die F-Jugend und G-Jugend sehe, die kleinen Kinder, bei denen die Hosen länger sind als die Beinchen – wenn ich die strahlen sehe, dann ist für mich der Tag gerettet".

Engagement in vielen Rollen: Rainer Bauers TSV-Vita reicht von seiner aktiven Zeit als Spieler über Stationen als Trainer und Mitglied der Jugendleitung bis hin zu seiner aktuellsten Aufgabe als erster Kassierer. Selbst im Urlaub ist der TSV dabei – hier in Form eines Vereins-Hoodies.
Engagement in vielen Rollen: Rainer Bauers TSV-Vita reicht von seiner aktiven Zeit als Spieler über Stationen als Trainer und Mitglied der Jugendleitung bis hin zu seiner aktuellsten Aufgabe als erster Kassierer. Selbst im Urlaub ist der TSV dabei – hier in Form eines Vereins-Hoodies. – Foto: T. Gauza/ R. Bauer

Vereinsurgestein Rainer Bauer – 50 Jahre beim TSV und heute im Vorstand aktiv

Zu seinem Werdegang beim TSV sagt Rainer Bauer: "Zum Verein bin ich als kleines Kind gekommen – nämlich ab der F-Jugend – und bin nun seit 50 Jahren dabei." Nachdem seine eigenen Kinder mit dem Fußballspielen begonnen hatten, habe Bauer als Trainer angefangen und zwischen 2012 und 2019 Mannschaften ab den Bambini betreut. Als im Jahr 2017 ein Wechsel in der Jugendleitung stattgefunden habe, sei er dann Teil der Jugendleitung geworden. "Seit 2023 bin ich nun auch im Vorstand und übernehme dort das Amt des ersten Kassierers", sagt Bauer zu seinem neuesten Tätigkeitsfeld. "Ich war früher Buchhalter, und das habe ich hier im Verein gewissermaßen übernommen", ergänzt er. Täglich verbringe er dabei ein bis zwei Stunden am Computer mit Buchungen für den Verein. Bei der örtlichen Kirmes, die vor Kurzem stattfand, sei Bauer zudem für die Beschaffung von Wechselgeld am TSV-Stand zuständig gewesen, habe aber auch bei Aufbauarbeiten mitgeholfen.

Ihr habt auch eine gute Seele im Verein, die wir unbedingt mal vorstellen sollten? Schreibt eine Mail an fupa@vrm.de !

"Herausfordernd ist für mich das jährlich stattfindende Jugendturnier, der Gräfenbach-Cup, da ich hierbei für die Organisation federführend zuständig bin und die Mannschaften einlade", erklärt Bauer. Dafür schreibe er im Vorfeld die Trainer aller potenziellen Teams an, um am Ende Zusagen von 50 bis 60 Mannschaften zu erhalten und alle Spielfelder vollständig belegen zu können. Im Falle von Absagen könne sich die Planung auch bis zum letzten Tag vor Turnierbeginn hinziehen. "Im Team bereiten wir die Einkäufe von Essen und Trinken vor, sorgen für ausreichende Parkmöglichkeiten und überlegen uns die allgemeine Abwicklung sowie die Wechselzeiten", sagt Bauer. Nach 18 Jahren – so lange gibt es den Gräfenbach-Cup bereits – gelinge die Organisation inzwischen durchaus routiniert. "Der Höhepunkt ist immer der letzte Tag des Turniers. Dann freut man sich und ist stolz, dass alle Leute zufrieden sind", sagt der erste Kassierer.

Eine große TSV-Familie: Rainer Bauer über Zukunft und Zusammenhalt

"Es macht zum einen Spaß, und zum anderen ist hier eine große TSV-Familie entstanden", sagt Bauer über sein anhaltendes Engagement. Jedem im Verein sei die Freude und Hilfsbereitschaft auch unter der Woche anzumerken. Da es im Ort selbst keine Kneipen mehr gebe, sei das Vereinsheim zudem zu einem zentralen Treffpunkt geworden. Es stimme ihn froh, zu sehen, dass der Sportplatz von Lebendigkeit und Zusammenhalt geprägt sei. Für die Zukunft des Vereins, der auch in diesem Jahr einen großen Zulauf junger Spieler erlebt habe, wünsche sich Bauer den Ausbau von Sponsoring-Konzepten, um das Budget des TSV zu stärken. Auch die Kontakte zu Spielern aus seinen früheren Mannschaften, die heute teilweise noch beim TSV oder in anderen Aktivenabteilungen spielten, seien nach wie vor sehr herzlich. "Wenn wir uns am Sportplatz sehen, kommen sie sofort auf mich zu und begrüßen mich. Ich freue mich immer, wenn sie da sind", sagt Bauer abschließend.

Thomas Gauza, F-Jugend-Trainer und Mitglied der Jugendleitung, sagt: "Rainer macht für uns sehr viel akribische Arbeit im Hintergrund und sorgt dafür, dass der Verein funktioniert". Viele im Verein würden ihn gar nicht persönlich kennen und erst merken, wie essenziell Rainer Bauers Arbeit ist, wenn er einmal nicht mehr da wäre. "Roger kennt hingegen jeder, weil er mit jedem ins Gespräch kommt – und niemand ohne eine Wurst nach Hause gehen will", erklärt Gauza. Sein Einsatz trage entscheidend dazu bei, dass viele Menschen gerne und regelmäßig zum Sportplatz kommen. Beide seien somit zwar ganz unterschiedliche Charaktere, aber jeder für sich unverzichtbar für den TSV.

Abschließende Fragerunde:

1. Mich motiviert es, im Verein ehrenamtlich tätig zu sein, weil ...

Roger Waldbillig:
"… es einfach Spaß macht."

Rainer Bauer:
"… man Freude daran hat, wenn die Abläufe gut funktionieren und alle sorgsam miteinander umgehen. Außerdem braucht es engagierte Menschen, sonst kann ein Verein nicht bestehen."

2. Das schätze ich an meinem Verein:

Roger Waldbillig:
"Die Kameradschaft im Verein. Wenn ich am Sportplatz etwas zu erledigen habe und Hilfe brauche, ist immer jemand da, der mir ohne Zögern zur Seite steht."

Rainer Bauer:
"Dass ein respektvoller Umgang herrscht, nie ein böses Wort fällt und dass der Verein sich weiterentwickeln will."

3. Diese Mannschaft sollte unbedingt einmal gegen meinen Verein auflaufen:

Roger Waldbillig:
"Ich bin seit 1969 ein Schalker – einmal blau, immer blau. Aber wir haben auch sehr gute Beziehungen zu Mainz 05. Ich würde mir wünschen, dass eine Traditionsmannschaft wie Mainz 05 in Hargesheim für ein Benefizspiel zugunsten der Jugend aufläuft. Das wäre ein großartiges Ereignis."

Rainer Bauer:
"Ich bin FC-Köln-Fan – da liegt es nahe, dass die Altstars des FC einmal gegen uns spielen."

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Zur Serie: Es gibt in nahezu jedem Fußballverein mindestens eine davon: Die Rede ist von einer engagierten Person, die größtenteils im Hintergrund agiert, sich akribisch einbringt und den Verein am Laufen hält. Ohne die vieles bei dem heimischen Sportverein nicht so funktionieren würde, wie es der Fall ist. In unserer Serie „Die gute Seele im Verein" rücken wir diese oft unsichtbaren Ehrenamtlichen ins Rampenlicht und würdigen ihren unverzichtbaren Einsatz.

Ihr habt einen Vorschlag für eine "gute Seele" aus eurem Verein, die wir unbedingt mal vorstellen sollten? Dann schreibt uns kurz eine Mail mit ein paar kurzen Informationen zur Person und idealerweise den Kontaktdaten.

Dein Kontakt (per E-Mail) zur FuPa-Redaktion: fupa@vrm.de
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Übersicht aller bisher veröffentlichten Berichte der Serie „Die gute Seele im Verein":

Aufrufe: 030.7.2025, 17:00 Uhr
Ruben SolmsAutor