2026-03-31T09:06:59.496Z

Allgemeines

Radikaler Umbruch bei Sportfreunden Düren – doch Demircan bleibt!

Trotz drohendem Abstieg und Massen-Abwanderung verlängert der Coach ligaunabhängig

von Andreas Santner · Heute, 10:44 Uhr · 0 Leser
Neben Marcel Demircan (im Bild) wird nur noch Marcel Reisgies den Sportfreunden Düren erhalten bleiben.
Neben Marcel Demircan (im Bild) wird nur noch Marcel Reisgies den Sportfreunden Düren erhalten bleiben. – Foto: Nick Förster

Am Oststadion steht im kommenden Sommer kein Stein mehr auf dem anderen. Bei den Sportfreunden Düren bahnt sich nach zehn Jahren der größte personelle Einschnitt der jüngeren Vereinsgeschichte an. Während fast der komplette Kader den Klub verlassen wird, setzt Trainer Marcel Demircan ein Zeichen: Der 37-Jährige hat seinen Vertrag verlängert und wird den anstehenden Neuanfang moderieren – ganz egal, in welcher Liga.

Die sportliche Lage ist derzeit alles andere als einfach. Mit gerade einmal 14 Punkten belegen die Sportfreunde einen Abstiegsplatz in der Mittelrheinliga. Das rettende Ufer, an dem derzeit der FC Hennef und die SpVg Porz thronen, ist sechs Zähler entfernt. Doch während der Überlebenskampf in der höchsten Verbandsebene voll im Gange ist, werfen die Planungen für die Spielzeit 2026/27 ihre Schatten weit voraus.

Das Ende einer Ära

Es ist ein Aderlass, der wehtut. Fast alle Akteure, die seit dem letzten großen Umbruch 2016/17 das Gesicht der Sportfreunde geprägt haben, werden den Verein im Sommer verlassen. Übrig bleiben von der „alten Garde“ lediglich Marcel Reisgies und eben Coach Marcel Demircan, der seit 2020 im Verein ist und das Team seit der Saison 2022/23 als Cheftrainer betreut.

– Foto: Nick Förster

Auch der Großteil der jüngeren Garde sucht neue Herausforderungen. Die Gründe für die Fluchtbewegung sind so vielfältig wie der Kader selbst: Bei den Routiniers über 30 stehen private und familiäre Gründe im Vordergrund, bei anderen sind es anhaltende Verletzungssorgen. So werden Gerrit Klepgen und Selim Düskün voraussichtlich ihre Karrieren beenden.

Demircan setzt ein Zeichen gegen die Melancholie

Inmitten dieses personellen Bebens sorgt Marcel Demircan für die nötige Stabilität. Trotz Angeboten anderer Vereine entschied er sich bereits vor einigen Wochen für einen Verbleib bei den Sportfreunden.

„Natürlich sind wir uns bewusst, dass bei diesem Abschied neben den sportlichen Herausforderungen auch viel Wehmut und Melancholie mitschwingen. Mit einigen Spielern verbindet mich ein 20-jährige Vergangenheit auf und neben dem Platz. Dieses Vakuum, welches dort zwangsläufig entstehen wird, muss jetzt mit Leben gefüllt werden", erklärt Demircan.

"Ein solcher personeller Aderlass ist sportlich nicht leicht abzufangen. Um jedoch gerade im laufenden Abstiegskampf ein klares Signal zu senden, habe ich dem Verein bereits vor einem Monat mitgeteilt, dass ich alle anderen Angebote ablehnen werde. Mein Ziel ist es, den anstehenden Umbruch ligaunabhängig aktiv mitzugestalten“, führt der 37-Jährige B-Lizenz-Inhaber fort.

Der Coach macht keinen Hehl daraus, dass der Abschied seiner Schützlinge Spuren hinterlässt, blickt aber dennoch kämpferisch nach vorn: „Es tut momentan weh, meine Jungs alle ziehen zu lassen, aber ich blicke auch mit Vorfreude auf die neue Aufgabe. Ich möchte den Verein in dieser schwierigen Phase keinesfalls im Stich lassen. Die Gespräche mit potenziellen Neuzugängen laufen bereits sehr vielversprechend. Wir werden eine starke Mannschaft auf die Beine stellen, die die Qualität besitzt, in beiden Ligen eine gute Rolle zu spielen.“

"Für Nostalgie bleibt da leider wenig Raum"

Warum es zu dieser massiven Fluktuation kommt, ordnet der 37-Jährige sachlich ein. Von finanziellen Aspekten über Fahrtzeiten bis hin zu Angeboten höherklassiger Klubs sei alles dabei. „Der Verein hätte sich natürlich gewünscht, dass gerade in einer potenziellen Abstiegsphase der eine oder andere bleibt. Aber das Fußballgeschäft ist schnelllebig und blickt primär nach vorne – für Nostalgie bleibt da leider wenig Raum. Ich bin dem Vorstand sehr dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen. Dass sie mich weiterhin in Ruhe arbeiten lassen, ist die Grundlage dafür, dass wir diesen Neustart erfolgreich meistern werden.“

Für die Sportfreunde Düren beginnt nun also das Projekt „Neustart 2026“. Mit Demircan an der Seitenlinie hat der Verein zumindest die wichtigste Konstante gesichert, um das Schiff durch die stürmischen Gewässer des Umbruchs zu steuern.

Die bisher bestätigten Abgänge im Überblick

Viktoria Birkesdorf: Hagen Blohm, Leon Chrisanth, Inan Sengül
Alemannia Lendersdorf: Tobias Frohn, Dominik Klepgen, Luca Bergstreiser
1. FC Düren: Peer Iven
Ziel unbekannt: Niclas Mandelartz, Xhelal Kurtaliqi, Halil Gashani, Bang-won Choi
Karriereende: Gerrit Klepgen, Selim Düskün