2026-06-09T05:59:15.975Z

Allgemeines

„Produkt des gesamten Vereins“: 09-Coach Kruth zieht sein Titel-Fazit

Mittelrheinliga: Der SV Bergisch Gladbach 09 hat es geschafft: Nach einer konstant überzeugenden Spielzeit feiert die Elf von Chefcoach Kevin Kruth dank eines phänomenalen 10:0-Kantersieges über die SpVg Porz am letzten Spieltag die Regionalliga-Rückkehr.

von Tom Kunze · Heute, 06:50 Uhr · 0 Leser
Kevin Kruth hat den SV Bergisch Gladbach 09 nach fünf Jahren zurück in die Regionalliga geführt.
Kevin Kruth hat den SV Bergisch Gladbach 09 nach fünf Jahren zurück in die Regionalliga geführt. – Foto: Michael Schnieders

Nicht viele hatten vor der Mittelrheinliga-Saison 2025/26 auf den SV Bergisch Gladbach 09 als Meister gesetzt, doch genauso ist es schlussendlich gekommen. Während vor Beginn der Spielzeit allen voran Regionalliga-Absteiger SV Eintracht Hohkeppel, der VfL Vichttal oder etwa der Siegburger SV 04 als Aufstiegsanwärter gehandelt wurden, durften am Ende die 09er jubeln. Und das hochverdient: Einzig drei Niederlagen musste die Elf von Erfolgstrainer Kevin Kruth hinnehmen, so wenige wie keine andere Mannschaft. Mit 28 Gegentreffern stellen die 09er zudem die beste Defensivreihe der Liga. So steht am Ende einer anspruchsvollen wie erfolgreichen Saison die lang ersehnte Rückkehr in die vierthöchste Spielklasse, was allen voran Meistermacher Kruth zu verdanken ist. Der Erfolgscoach spricht im Rückblick auf die gesamte Saison von einer „gewachsenen Mannschaft“ und einer „brutalen Konstanz.“

Früher Pokal-Knockout als Motivation

Die Vorzeichen standen für den SV Bergisch Gladbach 09 vor dem Saisonstart in der Mittelrheinliga nicht wirklich optimal. Schließlich kam die Elf von Kevin Kruth nach dem Regionalliga-Abstieg 2021 aus ihrer bis dato schwächsten Mittelrheinliga-Spielzeit, die auf Tabellenplatz sieben beendet wurde. Zurückzuführen war diese mit Sicherheit auf die große personelle Umstrukturierung im Vorsommer, bei der Großteile des Kaders einen neuen Anstrich erhielten und gezielt auf junge Talente gesetzt wurde. Und diese Ausrichtung machte sich nun früher als erwartet bezahlt.

Nach dem frühen Ausscheiden im Mittelrheinpokal, bei dem sich die 09er in der ersten Runde Regionalligist und späterem Drittliga-Aufsteiger SC Fortuna Köln mit 1:5 geschlagen geben mussten, startete der SV09 zwei Wochen darauf in die Liga. Mit einem souveränen 4:0-Heimerfolg ließ die Kruth-Elf dem FC Teutonia Weiden keine Chance und schaffte sich gleich zum Saisonstart eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Auch in den darauffolgenden Duellen gegen Siegburg (2:0) und den SSV Bornheim (2:1) überzeugten die 09er und sammelten aus den ersten drei Partien die Maximalausbeute, ehe in den folgenden vier Duellen ein kleiner Leistungseinbruch folgte. Drei Remis und ein Sieg lautete die Folge-Bilanz der Kruth-Elf, ehe sich die 09er mit dem 2:0-Erfolg im Topspiel gegen Vichttal am neunten Spieltag wieder an die Tabellenspitze schossen. Von diesem Zeitpunkt an ließ sich der Primus dann nicht mehr vom Thron stoßen.

Die Freude kannte bei den Nullneunern nach der Meisterschaft keine Grenzen.
Die Freude kannte bei den Nullneunern nach der Meisterschaft keine Grenzen. – Foto: SV Bergisch Gladbach 09

Unangefochtener Spitzenreiter seit Spieltag neun

Sechs Spieltage darauf krönte sich der SV Bergisch mit einem 2:1-Erfolg bei der SpVg Porz zum Herbstmeister, ehe eine ähnlich starke Rückserie folgte: 15 Spiele, zehn Siege und 32 Punkte später konnte das Team um Kapitän Stefano Fragapane am 30. Spieltag die Meisterschaft bejubeln. Mit einem Sahneauftritt in der heimischen Belkaw Arena fertige der Spitzenreiter Kontrahent Porz mit 10:0 vom Platz, und behielt im Fernduell mit Verfolger Siegburg die Oberhand. Dass der Primus im letzten Saisonspiel keinerlei Druck verspüren ließ und einen solch eindrucksvollen Kantersieg einfuhr, passt zur beeindruckenden Leistung der jungen Gladbacher Mannschaft. Mit einem Altersschnitt von knapp 22 Jahren machten die 09er über die gesamte Spielzeit hinweg einen reifen Anschein und lieferten konstant ab. Eine Qualität, die aus Sicht von Aufstiegstrainer Kruth ausschlaggebend für den Titel und den damit einhergehenden Aufstiegstrumpf gewesen sei:

„Wir sind vor elf Monaten nicht mit der Überzeugung in die Saison gegangen, aufzusteigen beziehungsweise aufsteigen zu müssen. Wir wussten, dass wir eine extrem spannende und junge Mannschaft haben. Dass wir dann so eine erwachsene und konstante Saison spielen war nicht zu erwarten. Das war beeindruckend von den Jungs“, zeigt sich der 40-jährige Chefcoach - der seit etwas mehr als eineinhalb Jahren an der Seitenlinie der 09er steht - sichtlich stolz über die Entwicklung seines Teams. Dieses sei von Woche zu Woche mehr zusammengewachsen und habe sich schlussendlich allen voran durch den starken Teamgeist den Titeltraum erfüllt, wie Kruth weiter anfügt:

„Es gab andere Vereine mit deutlichem höherem Etat und einer größeren Erwartungshaltung. Bei uns ist das glaube ich eine Sache, die im Verlauf der Saison gewachsen ist. Wir haben das sehr akribisch gemacht, die Jungs haben voll mitgezogen. Wir sind als Mannschaft extrem gewachsen, da gibt es am Ende keinen einzelnen Spieler, den man hervorheben kann“, macht der Übungsleiter deutlich. Zusätzlich habe auch die Moral seiner Mannen über die gesamte Saison hinweg gestimmt: „Es war wichtig, dass wir auch nach Niederlagen wie zuhause gegen Siegburg (0:1) sofort zurückgekommen sind. Wir sind ruhig geblieben und haben die nächsten Spiele wieder gewonnen. Diese Stabilität hat uns über das gesamte Jahr hinweg stark gemacht“, hebt Kruth lobend hervor. Einschließlich der starken Kaderqualität um die hervorragende Hintermannschaft und die schnellen Offensivakteure war der SV09 schlussendlich von keinem Kontrahenten zu stoppen. Alles in allem sei dieser Erfolg „ein Produkt des gesamten Vereins“, wie Kruth zufriedenstellend bilanziert.

„Ziel sollte es sein, über dem Strich zu bleiben“

Nach der nun bevorstehenden Sommerpause darf sich der SV Bergisch Gladbach wieder auf Regionalliga-Fußball freuen. Dann geht es nach fünf Jahren Abstinenz wieder gegen Kaliber wie Rot-Weiß Oberhausen, die Sportfreunde Lotte, den Bonner SC oder die hochrangigen Zweitvertretungen vom FC Schalke 04, Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach. Eine Aufgabe, die fraglos keinesfalls leicht zu bewältigen wird. Doch die 09er um Aufstiegstrainer Kruth nehmen sich dieser Herausforderung voll und ganz an, und zeigen sich im Vorfeld optimistisch:

„Wir sind alle super stolz auf das abgeschlossene Fußball-Jahr und wollen das Abenteuer Regionalliga jetzt demütig und so professionell wie möglich angehen. Das Ziel ist es, mit sechs oder sieben Mannschaften konkurrenzfähig zu sein. Wir werden unseren Kader wieder ordentlich zusammenstellen und viel Energie und Einsatz reinstecken. 09 ist so ein Topverein mit all den strukturellen Möglichkeiten hier, deshalb sollte es auch das Ziel sein, am Ende über dem Strich zu bleiben“, lässt Kruth abschließend verlauten. Wohin die Reise in der vierthöchsten Spielklasse dann wirklich führen wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall geht die Kruth-Elf, als einer von vier Aufsteigern im Feld - neben dem VfB Hilden, der SG Wattenscheid 09 und Westfalia Rhynern - , vorerst als Außenseiter ins Rennen.