Das Sportzentrum Bresserberg soll in Kleve eine exponierte Stellung einnehmen. Immerhin ist es der Ort für Leistungssport in der Kreisstadt: Der 1. FC Kleve spielt in der Eroglu-Arena Oberliga-Fußball, die Frauen des VfR Warbeyen sind in der Regionalliga unterwegs, die dritthöchste deutsche Spielklasse. Doch baulich gibt es am Bresserberg noch eine Menge zu tun – und an vielen Stellen stockt es.
Vor allem die Tribüne ist vielen beim 1. FC Kleve ein Dorn im Auge. Das Gebäude ist seit der Errichtung im Jahr 2008 ein Rohbau. Toiletten gibt es nicht, es fehlen eine vernünftige Entwässerung, Fenster und Türen. Längst sollte die Sanierung der Tribüne (und der Wettkampfanlage im Gustav-Hoffmann-Stadion) angegangen werden. Dafür gibt es auch einen Förderbescheid in Höhe von 1,128 Millionen Euro, der bis Ende 2025 gültig ist. Doch es gibt ein Problem: Das Vorhaben wird von der Oberfinanzdirektion (OFD) seit Monaten geprüft. Wann die Prüfung in Düsseldorf abgeschlossen sein könnte, ist aber unklar.
Im Rathaus scheint zumindest vorsichtige Zuversicht zu herrschen. Zwar habe die OFD zurückgemeldet, dass noch immer kein Zeitplan genannt werden könne. „Es gibt aber die Idee, dass man mit einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn von einzelnen Ausschreibungspaketen arbeiten könnte“, sagte Fachbereichsleiter Christian Schoofs am Mittwochabend im Sportausschuss. Diesbezüglich werde man sich nun mit dem Tiefbauamt und dem Gebäudemanagement abstimmen. „Anfang nächster Woche könnte der Antrag gestellt werden, sodass mit Teilmaßnahmen gegebenenfalls begonnen werden kann“, sagte Schoofs. „Das ist ein kleiner Lichtblick an der Stelle.“
FDP-Fraktionschef Daniel Rütter hakte nach, ob sichergestellt sei, dass die Stadt Kleve über die Fördergelder verfügen kann, auch wenn die Maßnahme nicht – wie vorgesehen – bis Ende 2025 fertiggestellt wäre. Auch bezüglich einer Verlängerung befinde man sich im Austausch, Schoofs sagte: „Wir wollen das natürlich. Sonst laufen wir in ein Dilemma rein, weil wir nur wenig Zeit hätten, die Baumaßnahmen vornehmen zu lassen.“
Doch es gibt noch ein weiteres Problem. CDU-Vertreter Lukas Nakielski, der auch Jugendleiter beim 1. FC Kleve ist, wies auf Löcher und Folienrisse auf dem unteren Kunstrasenplatz hin. Schoofs erklärte, dass die Stadt am Dienstag mit dem Vorsitzenden Christoph Thyssen über die Sportanlage gelaufen sei. „Die rechte Hälfte, von oben betrachtet, ist in einem desaströsen Zustand“, sagte Schoofs. Spielen sei dort nicht mehr möglich, daher habe man die Platzhälfte gesperrt. „Auf der linken Seite sieht es eine ganze Ecke anders aus“, sagte der für Schulen, Sport und Kultur zuständige Fachbereichsleiter. Man habe dem Verein nun die Möglichkeit eröffnet, mit Teams ins Gustav-Hoffmann-Stadion auszuweichen. Nakielski hakte nach, ob es schon einen Zeitplan für die Instandsetzung des Kunstrasenplatzes gebe. „Wir gehen in die Wintermonate“, sagte der CDU-Politiker. An den Finanzen dürfte es nicht scheitern, 600.000 Euro wurden in den Nachtragshaushalt eingestellt. Schoofs aber erklärte, dass man Pläne erst machen könne, wenn ein neuer Nutzungsvertrag unterzeichnet ist.
Der Abschluss eines neuen Nutzungsvertrages beschäftigt Verwaltung und 1. FC Kleve schon seit Monaten. Im Rathaus meint man: Ehe der nicht unterzeichnet ist, liege die Verantwortung für den Kunstrasenplatz beim Verein und nicht bei der Stadt. „Es gibt nicht nur technische, sondern auch rechtliche Aspekte zu beachten“, sagte Bürgermeister Wolfgang Gebing. „Die Verantwortung für den Zustand der beiden Kunstrasenplätze liegt beim Pächter und nicht bei der Stadt.“ Man befinde sich aber in „sehr positiven“ Gesprächen mit dem Verein, eine „kurzfristige Lösung“ sei denkbar, so Gebing. „Es war dem Rat bewusst, dass wir die Mittel, die bereitstehen, sofort einsetzen, sobald Klarheit besteht – aber vorher auch nicht“, so Gebing. Christian Nitsch (SPD) zeigte sich irritiert. Man habe Geld in den Nachtragshaushalt eingestellt, um eine Winterbaustelle zu erreichen. Schließlich seien die Arbeiten dann erschwinglicher. „Im Frühjahr wird es wieder teurer“, sagte der SPD-Fraktionschef. „Ich verstehe nicht, weshalb von der Verwaltung noch keine Maßnahmen veranlasst wurden.“
Christoph Thyssen bestätigt auf Nachfrage, dass man sich in Gesprächen mit der Stadt bezüglich des Nutzungsvertrages befinde. Dass die Nutzbarkeit der Plätze nicht mehr lange möglich sein würde, sei absehbar gewesen. „Eine Instandsetzung der Plätze im Winter ist dringend erforderlich“, sagt Thyssen. Der Verein würde es begrüßen, wenn die Stadt die entsprechenden Arbeiten kurzfristig in Auftrag geben würde, so der Vorsitzende. Meisterschaftsspiele, etwa der A-Jugend, könnten nun nicht mehr auf dem Kunstrasenplatz stattfinden. Bei den Jüngsten sieht das anders aus, sie spielen nicht auf dem ganzen Platz. Teilweise werde man nun mit Teams auf den Rasenplatz im Gustav-Hoffmann-Stadion ausweichen, so Thyssen.
Der Verein arbeitet derweil an der Modernisierung und Erweiterung des vereinseigenen Klubheims im Herzen der Anlage. Die Bauarbeiten sind weit vorangeschritten, seit dem Frühjahr werden einzelne Umkleiden des Komplexes genutzt. Doch die Fertigstellung zieht sich, da die Verantwortlichen mit den Folgen eines Wasserschadens im Rahmen der Bauarbeiten zu kämpfen haben. Mit der Fertigstellung der Kabinen und der Gestaltung der Außenanlage soll zügig begonnen werden, wenn die Probleme behoben sind, so Thyssen.
Prüfung Die beim Finanzministerium angesiedelte Oberfinanzdirektion prüft die Unterlagen für das Projekt Tribünenausbau.
Zeit Im Februar meldete sich die Behörde, die Verwaltung lieferte im April Unterlagen nach, seit Juli sind sie vollständig prüffähig.