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Philipp Knappmeyer: Lübbeckes Bürgermeister, der kickt und trifft

"Die schönste Nebensache der Welt" ist für den wichtigsten Mann der Stadt in Ostwestfalen ein Ausgleich.

von Tom Vieth · 11.01.2026, 15:34 Uhr · 0 Leser
Philipp Knappmeyer ist seit November 2025 Bürgermeister der Stadt Lübbecke – und "Fußballer durch und durch".
Philipp Knappmeyer ist seit November 2025 Bürgermeister der Stadt Lübbecke – und "Fußballer durch und durch". – Foto: Privat

Wenn er denn die Zeit dafür hat, ist für Philipp Knappmeyer Sportplatz statt Rathaus angesagt. Der 41-jährige Sozialdemokrat wurde im November 2025 zum Bürgermeister der Stadt Lübbecke gewählt, schnürt ab und zu aber auch selbst für den FC Lübbecke II die Fußballschuhe. "Ich bin Sportler durch und durch", erklärt Knappmeyer bei FuPa Westfalen, "speziell Fußballer!"

Als Kind spielte Knappmeyer in den Jugendmannschaften des SV Hüllhorst und TuS Tengern und durchlief zudem alle Lübbecker Kreisauswahlen. Während seines Studiums der Sportwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin sammelte er Erfahrungen als Jugendtrainer, u.a. bei Hertha BSC, und kehrte nach Abschluss wieder nach Ostwestfalen zurück. Unter dem späteren Zweitliga-Trainer René Müller spielte Knappmeyer anschließend für den TuS Tengern in der Landesliga und schlug dann seine Trainerlaufbahn ein. Zuerst im Juniorenbereich am DFB-Stützpunkt, dann als Spielertrainer beim FC Lübbecke und Union Varl.

Zur Saison 2021/22 übernahm Philipp Knappmeyer schließlich eine knifflige Aufgabe: Er wurde Spielertrainer beim FC Lübbecke II in der C-Kreisliga. "Ein bunter Haufen", erinnert er sich. "Viele Religionen und Nationalitäten – der klassische Haufen talentierter Spieler, die alle gut sind, aber nirgends zurechtkommen." Es war der Beginn einer Erfolgsstory. Der Lübbecker Reserve gelangen drei Aufstiege in Serie, von der Kreisliga C bis in die Bezirksliga. Dabei stand zwischenzeitlich intern zur Debatte, ob man den Aufstieg in die A-Liga überhaupt wahrnehmen wolle. Dies nahm man schließlich wahr, kam dort aber erstmal auf den Boden der Tatsachen an.

Philipp Knappmeyer feierte mit "seiner" Reserve im Sommer 2025 den Bezirksliga-Aufstieg.
Philipp Knappmeyer feierte mit "seiner" Reserve im Sommer 2025 den Bezirksliga-Aufstieg. – Foto: Privat

"Die Saison war unfassbar!"

"Ich hatte zu Beginn der Saisonvorbereitung und nach den ersten Spielen natürlich das Gefühl, dass wir uns einzig und allein mit dem Klassenerhalt beschäftigen müssen. Wir sind mit einer 0:11-Niederlage in die Kreisliga A gestartet, hatten nach 5 Spielen 4 Punkte und 9:22 Tore, waren drittletzter und ein wenig die Schießbude der Liga." Doch nach den erfolgreichen Vorjahren mit zwei Aufstiegen in Folge habe er als Trainer immer ein grundlegendes Vertrauen in das Team gehabt, so Knappmeyer. Lübbecke II passte sich dem Niveau an und startete ab dem 9. Spieltag – "warum auch immer" – eine Serie von 21 Siegen. "Für einen so miserabel gestarteten Aufsteiger war das Wahnsinn!"

Für die Meisterschaft reichte es nicht, der TuS Tengern II feierte mit einem geholten Punkt mehr den Titel, verzichtete allerdings auf den Aufstieg, sodass Lübbecke II als Vizemeister für den Bezirksliga-Aufstieg qualifiziert war und so Geschichte schrieb. Für den Verein war es der erste Aufstieg in den überkreislichen Fußball seit 35 Jahren. "Die Saison war unfassbar und ist bis heute ein kleines Märchen", sagt Knappmeyer, "vielleicht der surealste Aufstieg in die Bezirksliga in der Geschichte des Kreises." In dieser Spielzeit, die Saison 2023/24 ließ man sogar das eigentliche Flaggschiff des Vereins, die erste Mannschaft, die auf Tabellenplatz 6 abschloss, hinter sich.

Einsätze sollen Ausnahme bleiben

Am Ende startete Lübbecke mit seiner ersten Mannschaft in der Bezirksliga, die dort auch direkt in die Landesliga durchmarschieren konnte. Mit Spielern, die 2023 noch in der Kreisliga B spielten. Die Reserve ist in der oberen Tabellenhälfte der Kreisliga A Lübbecke weiterhin eine etablierte Mannschaft, musste seit Sommer 2025 aber auf den Erfolgsvater Knappmeyer verzichten, der sein Traineramt abgab und bekanntlich im Winter zum Bürgermeister gewählt wurde.

Philipp Knappmeyer bei seiner Vereidigung als Bürgermeister im November.
Philipp Knappmeyer bei seiner Vereidigung als Bürgermeister im November. – Foto: Privat

Hin und wieder steht der 41-Jährige aber doch noch auf dem Platz. "Ich springe also ein wenn Not am Mann ist", erklärt er. So weit kam es auch im letzten Spiel des Jahres, als Reserve-Trainer Assad Jamo den Bürgermeister zum Aushilfseinsatz bat und gegen Türk Gücü Espelkamp (4:2) in die Startelf berief. Und es kam wie es kommen musste: Bürgermeister Knappmeyer kam, spielte und traf zum zwischenzeitlichen 4:1 selbst in die Maschen. "Mich haben viele auf das Tor angesprochen", berichtet er. "Auch Bürger in Lübbecke auf der Straße oder bei Terminen." Seine Ehefrau war von seinem Einsatz auf dem Sportplatz weniger begeistert. "Sie kennt mich aber auch nicht anders und sowohl sie als auch unsere Töchter mussten kräftig lachen, dass ich tatsächlich auch noch getroffen habe."

Dass Philipp Knappmeyer regelmäßiger auf den A-Liga-Plätzen zu sehen ist, schließt er allerdings aus. Beruf und Hobby seien beides nicht unter einen Hut zu kriegen. "Es zählt der Job, das Amt. Die Bürger haben mich gewählt, mir eine große Portion an Vertrauen übertragen. Insofern ist der Fußball, wenn Zeit da ist, Ausgleich und Genuss!", stellt er klar. Wenn es denn auch klappt, kickt Knappmeyer, selbst noch Vorsitzender des Fördervereins, auch bei den Alt-Herren mit. So stand er Anfang des Jahres bei der Vorrunde der Ü40-Hallenkreismeisterschaften auf dem Parkett. "Es hat riesig Spaß gemacht!"