2026-04-15T12:16:22.084Z

Allgemeines

Optik Rathenow: Vorschläge der Aufstiegsreform wären eine Katastrophe

Trainer Ingo Kahlisch vom Oberligisten FSV Optik Rathenow fordert fünf Aufsteiger und warnt vor dem Ende des regionalen Fußballs.

von red/pm · Gestern, 22:15 Uhr · 0 Leser
– Foto: Frank Arlinghaus

In der Debatte um die zukünftige Struktur des deutschen Fußballs bezieht der FSV Optik Rathenow aus der NOFV-Oberliga Nord eine unmissverständliche Position. Während die Initiative „Aufstiegsreform 2025“ unter dem werbewirksamen Motto „Meister müssen aufsteigen“ für eine grundlegende Änderung des Systems kämpft, schlägt man in Brandenburg Alarm. Es geht um nicht weniger als die Identität des Amateursports und die Existenz zahlreicher Vereine. In einem emotionalen Statement verdeutlicht der Klub, dass der Wunsch nach einem direkten Aufstieg aller Meister zur 3. Liga einen Preis fordern könnte, der für die Basis schlicht zu hoch ist.

Widerstand gegen die Reformpläne

Die Fronten im deutschen Fußball sind verhärtet. Aktuell sieht das System vor, dass trotz der existierenden fünf Regionalliga-Staffeln lediglich vier Mannschaften den Weg in die Profifußball-Etage antreten dürfen. Dies macht Relegationsspiele unumgänglich – ein Umstand, der insbesondere im Nordosten als massive Benachteiligung empfunden wird. Die Initiative „Aufstiegsreform 2025“ fordert daher eine Radikallösung. Doch der FSV Optik Rathenow stellt sich nun offen gegen diese Pläne. Die Befürchtung ist groß, dass eine Reform, die lediglich das Problem an der Spitze löst, an der Basis eine Welle der Zerstörung auslösen würde. Eine Zusammenlegung von Ligen, wie sie von den Unterstützern der Initiative angestrebt wird, hätte laut den Verantwortlichen aus Rathenow fatale Auswirkungen.

Existenzangst im Amateurfußball

Die Sorge in Rathenow ist tief verwurzelt in den mathematischen und strukturellen Konsequenzen einer solchen Umgestaltung. Eine Reduzierung der Staffeln würde eine Kettenreaktion auslösen, die von der obersten Amateurklasse bis hinunter in die tiefsten Ligen spürbar wäre. Viele Vereine hätten in diesem Szenario das Nachsehen und wären gezwungen, den bitteren Weg des Zwangsabstiegs anzutreten. Das betrifft laut der Stellungnahme des FSV Optik Rathenow die Oberliga ebenso wie die Verbandsliga. Das sportliche Schicksal hunderter Fußballer stünde auf dem Spiel, nur um den Aufstieg an der Spitze zu vereinfachen. Für die Kritiker aus Brandenburg ist klar: Das gesamte Konzept des regionalen Fußballs würde durch eine solche Reform obsolet werden. Wenn die Distanzen zwischen den Vereinen ins Unermessliche wachsen, verliert die Spielklasse ihren Namen und ihren Sinn.

Die Forderung nach fünf Aufsteigern

Für den Verein und seinen langjährigen Trainer Ingo Kahlisch kann die Lösung daher nicht in einer Verkleinerung der Ligalandschaft liegen. Der Fokus der Kritik richtet sich stattdessen auf die übergeordneten Verbände. Die klare Ansage aus Rathenow lautet: Die Lösung können nur fünf Aufsteiger sein. Damit wird die Verantwortung direkt an den DFB adressiert. Es müsse möglich sein, in der dritthöchsten Spielklasse sowohl das nötige Geld als auch den entsprechenden Platz bereitizustellen, um jedem Meister der fünf Regionalligen den direkten Sprung nach oben zu ermöglichen, ohne dabei das Fundament des Sports zu opfern. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wandte sich Kahlisch in einem persönlichen Schreiben direkt an den NOFV-Verbandspräsidenten Herrmann Winkler.

Der Brief im Wortlaut

Die Emotionalität und die Dringlichkeit dieses Anliegens spiegeln sich in jedem Wort des Schreibens wider, das die Sichtweise des Vereins zusammenfasst. Hier ist der Brief von Ingo Kahlisch an Herrmann Winkler, den der FSV Optik Rathenow veröffentlicht hat:

„Sehr geehrter Herr Winkler,

wir möchten Ihnen gerne nochmal unsere Ansicht bezüglich der Aufstiegsregelung "Meister müssen aufsteigen" mitteilen.

Es darf nicht sein, dass für einen zusätzlichen Aufsteiger aus der Regionalliga in die 3. Liga mehr als 50 % der Oberliga- und 50% der Verbandsliga-Vereine in ganz Deutschland absteigen müssen.

Die Folgen wären eine absolute Katastrophe für den Amateurfußball.

Es heißt auch Regionalliga, da es sich um regionalen Fußball handelt. Eine Abschaffung unserer Regionalliga Nordost, hätte zur Folge, dass z.B. der Bremer SV gegen den FC Eilenburg spielen würde.

Wo wäre das noch regional?

Der DFB muss in der Lage sein, für einen Aufsteiger mehr, das nötige Geld und den Platz in der 3. Liga bereit zu stellen.

Vielen Dank.

Sportliche Grüße

Ingo Kahlisch“