Der Start in den neuen Job als Fußballtrainer hätte schlechter verlaufen können. Nachdem Jesco Neumann bei dem vor der Saison hoch gehandelten Landesligisten Holzheimer SG Mitte November kurzfristig für den entlassenen Hamid Derakhshan übernommen hatte, gab es gegen den Cronenberger SC einen deutlichen 5:1-Erfolg vor heimischem Publikum.
Dass der Spielplan dann vor dem schweren Gang am Sonntag zum Tabellenvierten ASV Süchteln ein freies Wochenende einschob, kam dem 36-Jährigen und seiner neuen Aufgabe zupass. So konnte der Gewöhnungsprozess zwischen Trainer und Mannschaft ohne den ganz großen Druck, direkt wieder liefern zu müssen, weiter vorangetrieben werden.
„Die Zeit haben wir aber auch gebraucht, um uns besser kennenzulernen“, sagt Neumann, der als Inhaber der A-Lizenz zuvor im Nachwuchsleistungszentrum von Borussia Mönchengladbach und im Seniorenfußball beim TuS Grevenbroich sowie beim BV Wevelinghoven gearbeitet hatte. Aus seiner Zeit in Wevelinghoven kannte Neumann auch Holzheims aktuellen Sportdirektor Simon Büttgenbach, der nicht unwesentlich an seiner Verpflichtung beteiligt war. Nach dem ersten, ganz wichtigen Erfolgserlebnis ging es aber nicht nur ums Kennenlernen, sondern auch darum, dem arg von Ausfällen gebeutelten Kader mal Zeit zum Durchatmen und Runterfahren zu verschaffen. „Da war das Thema Belastungssteuerung ein ganz wichtiges“, erklärt Neumann. Ein deutliches Indiz dafür, dass diese Vorgehensweise gepasst hat, zeigte sich dann am Dienstag dieser Woche. Denn nach dem spielfreien Wochenende stand im Viertelfinale des Kreispokals die Partie beim A-Ligisten FC Delhoven auf dem Programm. Der haushohe Favorit ging die Partie mit der nötigen Mischung aus Lockerheit und Ernsthaftigkeit an, was unter dem Strich einen deutlichen 6:2-Erfolg und den Einzug in die Vorschlussrunde einbrachte. Zudem konnten zuletzt angeschlagene Spieler wie Maik Odenthal und Sinan Kurt wichtige Minuten auf dem Weg zurück zur Bestform sammeln.
Neumanns wichtigste Erkenntnis nach etwas mehr als zwei Wochen in Diensten der HSG: „Das ist eine ganz feine Mannschaft mit guten Charakteren. Alle sind gewillt, daran mitzuarbeiten, dass hier ein Gefüge entsteht. Es macht einfach viel Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.“ Dabei spielt sicher auch eine Rolle, dass sich der neue Coach von Beginn an willkommen gefühlt hat, dass ihm die vielen erfahrenen Spieler in der Mannschaft mit ihrer Unterstützung den Einstieg leicht gemacht haben. „Ich habe von Beginn an versucht, in die Jungs reinzuhören, um zu erfahren, was aus ihrer Sicht wichtig ist“, erklärt Neumann. Froh war er auch, dass es unter den aktuell verletzten Akteuren die Bereitschaft gab, ihn am Spielfeldrand zu unterstützen, schließlich hatten sich mit Hamid Derakhshan aus Solidarität auch dessen Co-Trainer verabschiedet. Aber klar ist für Neumann auch: „Ich werde nun peu à peu auch meine Ideen einbringen.“ Was vor seinem Amtsantritt war, spielt für ihn keine Rolle. Was den spielerischen Ansatz anbelangt, steht für ihn Flexibilität an oberster Stelle. „Mit unserer Qualität wollen wir über Ballbesitz in die gefährlichen Räume kommen, uns aber auch je nach Auftreten des Gegners anpassen können“, erklärt Neumann.
Wobei er auch gegen den Tabellendritten ASV Süchteln den Anspruch hat, dem Gegner den eigenen Spielansatz aufzudrängen. Und das, obwohl die Gastgeber zwar nur zwei Plätze, aber noch satte sieben Punkte vor der HSG liegen. Das bedeutet allerdings auch, dass sich Holzheim mit dem dritten Sieg in Folge noch näher an die Spitzengruppe heranrobben könnte und der vor der Saison anvisierte Aufstieg vielleicht doch noch mal in Reichweite kommt. Doch auf solche Rechenspielchen will sich Neumann nicht einlassen. „Das ist mir zu weit weg. Wir wollen nun die Zeit bis zur Winterpause gut meistern. Und dann schauen wir mal, wie wir die Rückrunde angehen, wenn alle Mann wieder an Bord sind.“