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Vereinstreue

Der Herzschlag der SG Bingerbrück/Weiler heißt Tobias Karsch

Serie: Engagierter Ehrenamtler prägt Verein seit über einem Jahrzehnt +++ Trainer, Sportlicher Leiter, Organisator und Ansprechpartner in einem +++ Wohlfühlkultur als Erfolgsgeheimnis

von Max Schäfer · 03.07.2025, 11:00 Uhr · 0 Leser
Tobias Karsch bringt sich unermüdlich bei seiner SG Bingerbrück/Weiler ein und das sogar teilweise mehr als "nur" in Doppelfunktion.
Tobias Karsch bringt sich unermüdlich bei seiner SG Bingerbrück/Weiler ein und das sogar teilweise mehr als "nur" in Doppelfunktion. – Foto: kazy-stock.adobe / T.Karsch

Bingen. In der Welt des Amateurfußballs ist der Begriff „ehrenamtlicher Allrounder“ schnell gesagt – doch selten trifft er so treffsicher zu wie im Fall von Tobias Karsch. Seit über einem Jahrzehnt lenkt der mittlerweile 42-Jährige die sportlichen Geschicke der SG Bingerbrück/Weiler – mit so viel Einsatz und Leidenschaft, dass sein Name längst untrennbar mit dem Verein verbunden ist.

Er ist nicht nur Trainer und Sportlicher Leiter, sondern auch Organisator und DER Ansprechpartner bei der SG – oder wie Leon Kieslich, Karschs Stiefsohn und selbst aktives Vorstandsmitglied, es treffend formuliert: „Er ist der Mann für alles – und vor allem für alle.“

Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung.

Von der Seitenlinie zum Mittelpunkt des Vereins

Seine Reise begann zur Saison 2013/14, als der damalige Bezirksliga-Spieler von der SpVgg. Dietersheim zurück in seine sportliche Heimat Bingerbrück kam und bei der neu gegründeten Spielgemeinschaft von SV Bingerbrück und FC Teutonia Weiler als Trainer der zweiten Mannschaft einstieg. Was folgte, war eine beispiellose Entwicklung. Wer einen Blick auf die Trainerlaufbahn von Karsch bei der SG Bingerbrück/Weiler wirft, gewinnt schnell den Eindruck: Diese Liste ist länger als ein kompletter Wocheneinkaufszettel.

Karsch coachte in den Folgejahren mehrere Teams gleichzeitig, stand zum Teil dreimal unter der Woche und an beiden Wochenendtagen auf dem Platz – als Trainer der Zweiten, der Dritten und der A-Jugend, alles parallel. „Das funktioniert aber auch nur, wenn du einige positiv verrückte Leute im Verein hast", erinnert sich Karsch. Besonders hebt er die Unterstützung von Philipp Grünewald hervor, mit seinem Co-Trainer teilte er sich über Jahre hinweg Aufgaben und Mannschaften nahtlos auf.

Ihr habt auch eine gute Seele im Verein, die wir unbedingt mal vorstellen sollten? Schreibt eine Mail an fupa@vrm.de !

Der Aufwand war immens, doch der Lohn ließ nicht lange auf sich warten: Drei Titel in drei Jahren, darunter die Meisterschaft der dritten Mannschaft in ihrer Gründungssaison 2018/19 – ein sportlicher Höhepunkt, an den sich Karsch besonders gerne erinnert: „Wir hatten eine überragende Symbiose. In der heißen Phase haben wir alle Mannschaften zusammengebracht, das hat einfach gepasst. Und es war gleichzeitig der Startschuss für fünf Jahre mit drei aktiven Teams – ein Riesenvorteil für die Integration junger Spieler.“

Plattform für junge Spieler – Kultureller Kitt bei der SG

Eben dieser Punkt ist ein zentraler Aspekt von Karschs Arbeit: Nachwuchsförderung und Integration. Zahlreiche junge Eigengewächse fanden unter seiner Ägide den Weg in die Aktiventeams und wurden später zu essenziellen Stützen – das Paradebeispiel dafür ist Tim Heinz, der Kapitän der „Ersten", exemplarisch sind unter anderem ebenso Bastian Theis oder Pascal Lorek. Auch in der Trainerarbeit setzte Karsch vorzeitig auf verhältnismäßig junge Akteure: Eric Engelhardt (im Januar 2025 berufsbedingt vorübergehend ausgeschieden), Christian Meurer und Dominik Bülow wurden als Spieler früh in die Verantwortung genommen – nicht selten standen dadurch zwei Trainer an der Linie, um verschiedene Perspektiven und Aufgaben zu vereinen.

Tobias Karsch (vorne) schaut bei der SG von außen ganz genau hin. In der Saison 2015/2016 ging er selbst das letztes Mal so richtig auf Torejagd, bevor er seine Karriere auf dem Platz aufgrund von Verletzungen frühzeitig beenden musste.
Tobias Karsch (vorne) schaut bei der SG von außen ganz genau hin. In der Saison 2015/2016 ging er selbst das letztes Mal so richtig auf Torejagd, bevor er seine Karriere auf dem Platz aufgrund von Verletzungen frühzeitig beenden musste. – Foto: z.V.g. von Tobias Karsch

Seit der Saison 2023/24 steht Karsch als Cheftrainer der ersten Mannschaft an der Seitenlinie. Ganz nebenbei ist er (von 2017 an) der Sportlicher Leiter der SG und somit zuständig für Spielertransfers, Materialbeschaffung, Sponsorenkontakte und interne Organisation. „Die Jungs müssen schließlich gut ausgestattet sein", meint Karsch, dem „eigentlich nur noch das Amt des Jugendleiters fehlt – dann hätte ich wirklich alles mal gemacht“, witzelt er über sein Engagement in Bingerbrück.

Kein Verein wie jeder andere – und Karsch nicht irgendein Trainer

Was die SG Bingerbrück/Weiler besonders macht? Für Karsch ist es die „brutale Homogenität“ zwischen den Mannschaften: „Nach jedem Training wird das Sportheim geöffnet, die Leinwand runtergefahren und beispielsweise zusammen Champions League geschaut. Es gibt kaum Fluktuation – alle fühlen sich wohl.“

Dieser familiäre Wohlfühlfaktor ist kein Zufall. Er ist genau das, wofür Karsch steht. „Er behandelt alle Menschen im Verein gleich und ist für alle ein echter Freund. Das Mantra ‚die gute Seele im Verein‘ passt für Tobias wie angegossen“, sagt Kieslich über seinen Stiefvater.

Auch in der Sommerpause im Dauereinsatz

Die SG ist für Karsch „weitaus mehr als ein Hobby" - dies lässt sich allein aus seinem zeitlichen Aufwandsfaktor herauslesen. Die Aufgaben des Disponenten in einer Spedition, sein Hauptberuf, sind ein gutes Training für die logistischen Herausforderungen im Vereinsalltag. Und selbst in der Sommerpause blieb Karsch kaum Luft zum Durchatmen: „Seit vier Wochen haben wir keinen Spielbetrieb – aber gefühlt war ich da häufiger auf dem Sportgelände als während der Saison wegen meinen Tätigkeiten als Sportlicher Leiter.“

Kieslich bezeichnet Karschs umtriebiges Engagement als Grundlage für den Vereinserfolg: „Durch seinen kontinuierlichen Einsatz hat Tobias die SG in seinen zwölf Jahren in sportlicher Verantwortung zu einer sehr attraktiven Anlaufstelle in Bingen gemacht.“

Abschließende Fragerunde:

1. Mich motiviert es, im Verein ehrenamtlich tätig zu sein, weil...

„die Jungs mir die ganze Energie zurückgeben, indem sie immer versuchen alles umzusetzen, was ich ihnen vorgebe. Das treibt mich an, so in dieser Form weiterzumachen.“

2. Das schätze ich an meinem Verein: ...

„Wir sind bodenständig und gleichzeitig ambitioniert. Wir setzen nach oben keine Grenzen, haben in der Saison 2023/2024 schon Lunte gerochen, als wir fast in die Bezirksliga aufgestiegen sind, aber wir müssen gar nichts - und darauf sind wir stolz. Wir versuchen einfach für alle eine gute Plattform dazu bieten.“

3. Diese Mannschaft sollte unbedingt einmal gegen meinen Verein auflaufen: ...

„Meine Herzensliebe Eintracht Frankfurt kann sehr gerne ihre Visitenkarte 'im Bangert' abgeben."

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Zur Serie: Es gibt in nahezu jedem Fußballverein mindestens eine davon: Die Rede ist von einer engagierten Person, die größtenteils im Hintergrund agiert, sich akribisch einbringt und den Verein am Laufen hält. Ohne die vieles bei dem heimischen Sportverein nicht so funktionieren würde, wie es der Fall ist. In unserer Serie „Die gute Seele im Verein" rücken wir diese oft unsichtbaren Ehrenamtlichen ins Rampenlicht und würdigen ihren unverzichtbaren Einsatz.

Ihr habt einen Vorschlag für eine "gute Seele" aus eurem Verein, die wir unbedingt mal vorstellen sollten? Dann schreibt uns kurz eine Mail mit ein paar kurzen Informationen zur Person und idealerweise den Kontaktdaten.

  • Dein Kontakt (per E-Mail) zur FuPa-Redaktion: fupa@vrm.de

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Übersicht aller bisher veröffentlichten Berichte der Serie „Die gute Seele im Verein":