Wiesbaden. Die besten Spieler verlassen den Verein, um bei höherklassigen Teams anzugreifen. Kein seltenes Szenario im Amateurfußball. Umso schwieriger ist es dann, diese zu ersetzen. Beim Wiesbadener Kreisoberligisten FC Naurod sah man sich dabei im Sommer einer solchen Mammutaufgabe ausgesetzt – verlor mit Robert Koßmagk (SG Walluf), Florian Jaschinger und Luca Häuser (beide SV Wallrabenstein) gleich drei Schlüsselspieler. Immerhin schulterten die drei 40 der 84 Nauroder Tore aus der vergangenen Saison. Die Frage also: Wie ersetzt man so viele Tore? Die Antwort lautet: Mit Lio Erhard. Der 20-jährige Stürmer kann nach 16 Partien bereits 19 Tore und 16 Vorlagen verbuchen, ist zudem das Gesicht des Nauroder Höhenflugs. Vor dem Spitzenspiel bei der SG Germania Wiesbaden (So., 14 Uhr) spricht Erhard über seine Startschwierigkeiten im Herrenbereich und seine persönlichen Ziele.
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„Lio ist ein unglaublich physischer, dynamischer und athletischer Spieler. Darüber hinaus verfügt er über einen sehr guten Abschluss. Seine Einstellung und der Wille zeichnen ihn ebenfalls aus“, sagt Naurod-Coach Manfred Klug über Erhard. Dieser lernte beim SC TB Rambach das Fußballspielen, durchlief seit der D-Jugend alle Altersklassen des FCN. In seinem ersten Jahr in der „Naurod-Ersten“ steuerte der Angreifer zehn Torbeteiligungen bei.
Auf dem rechten Flügel "etwas fehl am Platz gefühlt"
In der vergangenen Saison waren es starke 19 Scorerpunkte, er sah sich jedoch nach eigenen Angaben keineswegs auf seinem Leistungszenit: „In der vergangenen Saison war ich oftmals nervös und hatte auch mehr Druck. Es war etwas anderes als in der A-Jugend, weil ich dort frei aufgespielt habe“, verrät Erhard. Hinzu kommt, dass der 20-Jährige oftmals auf dem rechten Flügel zum Einsatz kam – nicht die Idealposition, wie Erhard findet: „Dort habe ich mich etwas fehl am Platz gefühlt.“
In der aktuellen Saison kommt Erhard jedoch ausschließlich als Mittelstürmer zum Einsatz. „Diese Saison ist es mannschaftsübergreifend 100 Mal besser als die vergangene. Davon lässt man sich natürlich mitziehen“, sagt der 20-Jährige. Wenn Erhard trifft, gewinnt der FCN auch: Bei zehn von elf Siegen des Kreisoberligisten, steuerte der junge Stürmer mindestens einen Treffer bei.
Dennoch sieht er auch noch Verbesserungspotenzial: „Vor allem an der Schnelligkeit kann ich noch arbeiten und auch von der Physis her, kann ich auch zulegen“, sagt Erhard, der eine Ausbildung als Physiotherapeut absolviert. Der FC Naurod als Sprungbrett für höherklassige Aufgaben – an den Beispielen Jaschinger, Koßmagk und Häuser längst kein Geheimnis mehr. Erhard schließt einen solchen Weg nicht aus: „Ich will die Saison zu Ende spielen und dann gucken, wo es hingeht. Wenn ein passendes Angebot kommt, werde ich es mir anhören. Mein Ziel ist es aber schon, auch höherklassig anzugreifen. Ob das schon nächstes Jahr ist, wird man sehen.“
Sein derzeitiger Trainer Manfred Klug würde den Topscorer natürlich gerne behalten: „Natürlich möchten wir gerne, dass er bei uns bleibt. Umgedreht hoffen wir natürlich auch, der richtige Verein für ihn zu sein. Vielleicht kann auch der besondere Zusammenhalt im Verein dazu beitragen“, sagt Klug. In der Kreisoberliga stehen die Nauroder derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz, gastieren zum Spitzenspiel am kommenden Sonntag bei Gruppenliga-Absteiger Germania Wiesbaden. „Sie haben einen unglaublich starken Kader. Trotzdem versuchen wir, das Spiel zu gewinnen“, blickt Klug auf den Knüller.