
Nach der Insolvenz des Streaminganbieters Sporttotal lässt sich die Regionalliga Bayern nicht mehr streamen. Vereine aus der Bayernliga haben nun womöglich eine Alternative gefunden.
Dass die Übertragungsrechte im Profifußball ein umstrittenes Thema darstellen, ist bekannt. Normalerweise geht es bei dieser Debatte um die Rechte an Profiwettbewerben wie der Bundesliga oder der Champions League. Nun ist aber auch die Regionalliga Bayern betroffen. Bis zum März dieses Jahres übertrug der Streaminganbieter Sporttotal die Spiele der bayerischen Viertliga-Staffel.
Die Idee dahinter war damals revolutionär. Der Streaminganbieter installierte Kameras in den bayerischen Regionalliga-Stadien. Eine KI sorgte dann dafür, dass die Kamera sich immer auf den Spielball fokussierte. Die Technik überließ Sporttotal den Vereinen in der Regel kostenlos. Auf diese Weise konnte das Unternehmen ein breites Streamingangebot anbieten, während die Vereine ohne Mehrkosten eine größere Aufmerksamkeit genossen. Sowohl für den Streaminganbieter, als auch für die Regionalliga-Klubs war das eine Win-win-Situation.
Der Vertrag zwischen der Plattform und dem Bayerischen Fußball-Verband wurde 2017 geschlossen und wäre noch bis ins Jahr 2027 gelaufen. Doch im März 2025 meldete Sporttotal Insolvenz an. Seit Beginn der neuen Spielzeit ist die Regionalliga Bayern weitestgehend von den Bildschirmen verschwunden. Mittlerweile ist Sporttotal unter dem Namen USF-Sport wieder online. Regionalliga-Fußball läuft auf dem neuen Streamingdienst aber nicht.
Der BFV steckt nun in einer juristischen Zwickmühle. Denn obwohl der Verband den Vertrag mit USF-Sport nicht geschlossen hat, ist er noch bis zum 30.06.2027 an das Unternehmen gebunden. „Aufgrund der Insolvenz prüfen wir aktuell die rechtliche Situation“, erklärt Fabian Frühwirt, stellvertretender Geschäftsführer und Pressesprecher des BFV, gegenüber dem „Kicker“. Aktuell überträgt der BR lediglich die jeweilige Freitagspartie eines Spieltages. Alle anderen Spiele verschwinden in der Versenkung.
Für bayerische Fußballfans bleibt aktuell nur der neidische Blick in die anderen Regionalligen. Hier ist die Übertragung der Spiele gewährleistet. Ob der MDR und „Sport im Osten“ im Nordosten, „Leagues.com“ im Westen und Südwesten oder „nordfv.tv“ im Norden - alle vier anderen Regionalliga-Staffeln bieten eine umfassende Streamingabdeckung, teilweise aber auch hinter einer Paywall.
Genau hier liegt für den BFV das Problem. „Grundsätzlich gibt es beim BFV die sportpolitische Entscheidung, wonach Amateurfußball nicht hinter der Bezahlschranke verschwinden darf“, erklärt Frühwirt. Neben den rechtlichen Problemen mit USF-Sport ist es vor allem schwierig, einen Partner zu finden, der auf eine Paywall verzichten kann.
Einige Klubs haben jetzt auf eigene Faust gehandelt. Vereine aus der Bayernliga nutzen das Veo-Kamerasystem. Bei diesem System handelt es sich um eine vollautomatische Sportkamera. Mit ihr ist es möglich, Spiele ohne Kameramann aufzunehmen und zu analysieren. Auch hier sorgt eine KI dafür, dass das Bild automatisch auf den relevanten Bildausschnitt gerichtet ist. Die Kamera steht dabei am Spielfeldrand. Durch das geringe Gewicht kann das System auch zu Auswärtsspielen mitgebracht werden.
Das aufgezeichnete Videomaterial lässt sich auch live streamen. Bayernligisten wie der TSV 1860 Rosenheim und der FC Pipinsried nutzen das System bereits. Auch der BFV hat bereits eine Partnerschaft mit Veo. Sollte sich im Rechte-Streit nicht bald eine Lösung finden, könnte dies auch eine zweckmäßige Lösung für die Regionalliga werden. (ng)