
Die SpVg Frechen 20 hat sich am 22. Spieltag der Mittelrheinliga mit 1:0 bei Ligaschlusslicht FC Pesch durchgesetzt. Der Siegtreffer durch Hamza Hachimi fiel erst drei Minuten vor Schluss. Während das Ergebnis mit Blick auf das Tableau folgerichtig erscheint, hätte das Spiel auch einen anderen Verlauf nehmen können. Angereist mit dünn besetztem Kader tat sich der Favorit lange Zeit schwer. Chefcoach Okan Özbay - der sich sogar selbst das Trikot überstreifen musste - lobt den „charakterstarken“ Auftritt seiner Mannschaft im Anschluss in höchsten Tönen. Sein Gegenüber Ali Meybodi hadert hingegen mit der Chancenverwertung seiner Elf.
Wie groß die Personalsorgen der SpVg Frechen 20 beim Duell gegen den FC Pesch wirklich waren, lässt sich mit einem Blick auf den Kader und die Aufstellung der Gäste unschwer erkennen. Einzig drei Reservespieler inklusive Ersatzkeeper Julian Quirk hatte der Tabellensiebte zur Verfügung, Cheftrainer Okan-Tamer Özbay musste sogar selbst in der Startelf ran. Eine denkbar irrwitzige Ausgangslage, die aus Sicht des 33-jährigen Übungsleiters auf verschiedene Gründe zurückzuführen war: „Uns hat ein halbes Dutzend Stammspieler aus unterschiedlichen Gründen gefehlt. Die personelle Lage war so angespannt, dass ich sogar selbst von Anfang an auflaufen musste. Gleichzeitig haben wir versucht, unserer U23 im Abstiegskampf so gut es geht zu unterstützen“, erklärt Özbay die vielen Ausfälle und resümiert: „Unter diesen Voraussetzungen war dieser Sieg gefühlt mehr als nur drei Punkte.“
Dass die Begegnung schlussendlich einen gänzlich anderen Verlauf als das Hinspiel nahm, war demnach nicht komplett überraschend. Dieses endete nach durchgehend einseitigem Spielverlauf noch mit einem 7:0-Kantersieg für die SpVg. Im Rückspiel hätte sich Ligaschlusslicht Pesch eine gelungen Revanche nun durchaus verdient gehabt, stand sich jedoch zumeist selbst im Wege, wie Cheftrainer Ali Meybodi klarstellt: „Wir hatten wirklich genügend Möglichkeiten, um in Führung zu gehen und diese sogar auszubauen. Die haben wir leider Gottes kläglich liegen lassen“, führt der 50-Jährige die Niederlage seiner Elf in erster Linie auf die schwache Chancenverwertung seiner Mannen zurück und bilanziert: „Ich würde nicht sagen, dass das der Klassiker für Teams ist, die unten drin stehen - es ist schlicht der Klassiker, wenn man zu viele Torchancen liegen lässt.“
Dennoch hat der Übungsleiter auch lobende Worte für den Kontrahenten aus Frechen über, der trotz des dünnen Aufgebots dennoch überzeugte: „Frechen ist zwar dezimiert angereist, blieb aber durchweg gefährlich. Am Ende des Tages muss man auch sagen, dass es ein Stück weit eine Frage der Qualität ist, ein so knappes Spiel für sich zu entscheiden“, analysiert Meybodi. Bitter sei die Heimschlappe aber trotzdem, schließlich habe seine Mannschaft die Niederlage „nicht verdient gehabt“: „Nichtsdestotrotz hätten wir definitiv mit 2:0 oder 3:0 führen können, wenn nicht sogar müssen. Wenn man vorne die Dinger nicht macht, rutscht hinten eben mal einer durch und man steht mit leeren Händen da“, schlussfolgert der Coach. So geschehen in der 87. Spielminute, als Gästeakteur Hamza Hachimi eine Hereingabe von Kai-Maxime Vranken zum Sieg verwertete.
Frechen-Trainer Özbay, der die Partie aus allernächster Nähe miterlebte, ist allerdings einer etwas anderen Ansicht. Demnach habe sich seine Mannschaft den Auswärtssieg hart erkämpft und schlussendlich auch verdient, wie der heutige Innenverteidiger lobend hervorhebt: „Alle Jungs, die heute am Start waren, haben eine extrem charakterstarke Leistung gezeigt. Wir wollten diesen Platz mit Stolz verlassen und haben alles in die Waagschale geworfen, um irgendwie den Dreier zu holen“, betont Özbay und schlussfolgert: „Es war ein absolut verdienter Sieg, auch wenn wir viele Chancen haben liegen lassen. Hut ab vor dieser Leistung unter diesen Umständen - ich bin extrem stolz auf die Truppe.“
Durch den Auswärtssieg verteidigt Frechen den siebten Tabellenplatz und zieht punktgleich mit Tabellennachbar SC Fortuna Köln II. Nach dem überzeugenden 4:0-Erfolg über den 1. FC Düren vor der Osterpause gelingt der SpVg somit der zwölfte Saisondreier. Pesch hingegen bleibt nach zuletzt acht Treffern aus den vergangenen beiden Partien ohne eigenen Treffer und zum ingesamt 18. Mal auch ohne Punkt.