Der Abschied von Micha Bayer markiert das Ende einer prägenden Ära bei der TSG Söflingen. Nach 12 Jahren als Trainer zieht sich der 56-Jährige zurück. Ein Blick zurück auf Erfolge, Herausforderungen und die bewegte Zeit unter seiner Leitung.
Micha Bayer wird nach 12 Jahren als Trainer der TSG Söflingen zum Saisonende den Verein verlassen. Er beschreibt den Entscheidungsprozess als wohldurchdacht und betont, dass er gemeinsam mit dem Verein in den vergangenen Jahren immer in der Winterpause über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gesprochen hat. „Wir haben es die letzten Jahre immer so gehalten, dass wir uns in der Winterpause unterhalten und besprechen, ob es weitergeht“, erklärt Bayer. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören. Der Grund: „Es geht darum, dass die Jungs nach 12 Jahren eine andere Ansprache, einen anderen Reiz brauchen.“
Die vergangene Saison war eine der schwierigsten in Bayers Trainerkarriere. Die TSG Söflingen musste aus der Bezirksliga absteigen. Bayer schildert, dass der verschärfte Abstieg von Beginn an große Herausforderungen mit sich brachte. „Es war von Beginn an klar, dass wir eine Top-Saison brauchen, um eine Chance zu haben, drin zu bleiben“, erinnert er sich. Doch die Mannschaft konnte die erforderliche Leistung nicht abrufen, und der Abstieg war früh abzusehen. Trotz der schwierigen Umstände blieb das Team geschlossen. „Mitgenommen habe ich ein Team, das trotz der Situation zusammenblieb und bis zum letzten Spiel alles versucht hat“, sagt Bayer.
Nach dem Abstieg befindet sich die TSG Söflingen aktuell auf Platz 12 der Kreisliga A2 Donau/Iller. Die Saison begann vielversprechend mit vier Siegen in den ersten vier Spielen. „Nach einer sehr guten Vorbereitung konnten wir die ersten vier Spiele gewinnen“, so Bayer. Doch Verletzungen und Abwesenheiten während der Urlaubszeit warfen das Team aus der Bahn. „Leider ist es uns nicht mehr gelungen, den Trend klar zu drehen.“ Dennoch sieht Bayer keine grundlegenden Baustellen im Team. „Wir müssen nur unsere Qualität, die zu 100 Prozent im Kader steckt, auf den Platz bringen.“
Die 12 Jahre bei der TSG Söflingen waren nicht nur von Herausforderungen, sondern auch von großen emotionalen Momenten geprägt. Bayer erinnert sich besonders an den Aufstieg im letzten Spiel, der für ihn der Höhepunkt seiner Amtszeit war. Im Derby gegen den TSV Blaustein erfuhr das Team in der 85. Minute, dass der direkte Konkurrent sein Spiel nicht gewinnen konnte. „Wir waren zu dem Zeitpunkt klar vorne, und die Nachricht schwappte von den Zuschauern über die Trainerbank und das Team. Diese Emotionen werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, erzählt Bayer. Die anschließenden Feierlichkeiten auf dem Sportplatz mit Zuschauern, Jugendspielern und Vereinsverantwortlichen seien ebenfalls unvergesslich.
Eine der größten Herausforderungen für Bayer war es, junge Spieler aus der eigenen Jugendabteilung in die erste Mannschaft zu integrieren. „Wir sind ein Verein, der versucht, Jungs, die bei uns ihre Ausbildung in der Jugend durchlaufen haben, bei den Aktiven zu etablieren“, erklärt er. Dies sei nicht immer einfach gewesen, da junge Spieler Fehler machen und trotzdem weitergefördert werden müssen. „Wir hatten sehr viele Spiele, bei denen alle im Kader eine Vergangenheit in der Jugend von uns hatten.“
Bayer hebt hervor, dass sich die TSG Söflingen in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat. „Der Verein ist mit der Zeit gegangen, ob es um Sponsoring, Social Media oder das Filmen der Spiele geht“, beschreibt er. Er selbst habe dabei Impulse gegeben, aber auch auf die starke Struktur innerhalb der Abteilung vertraut. „Hier sind Menschen am Werk, die aus dem Fußball kommen und genau wissen, was zu tun ist.“
Bayer blickt mit Wehmut auf seine Zeit bei der TSG zurück. „Ganz klar, die Menschen, die gemeinsame Zeit, die Gespräche und die Trainingseinheiten“, nennt er als Aspekte, die er am meisten vermissen wird. Besonders die Kabine und der Austausch mit den Spielern haben ihn während seiner Amtszeit begleitet.
Bayers Fokus liegt aktuell darauf, die Mannschaft für die zweite Saisonhälfte optimal vorzubereiten. „Der einzige fixe Plan ist, das Team so aufzustellen, dass wir ein anderes Gesicht zeigen können“, betont er. Was seine persönliche Zukunft betrifft, lässt er sich alle Optionen offen. „Es gab schon Vereine, die auf mich zugekommen sind, aber ich höre mir alles an und entscheide in Ruhe.“ Auch eine interne Aufgabe bei der TSG könnte eine Möglichkeit sein. „Hierzu bin ich mit der Abteilungsleitung im Austausch.“
Abschließend richtet Bayer noch einige Worte an die Mannschaft und die Fans. „Ich wünsche der TSG den Aufstieg und dass dies weiterhin mit der DNA des Vereins gelingt, ohne Bezahlung der Spieler“, sagt er. Für ihn sei die Verbindung zum Verein mehr als nur eine berufliche Beziehung. „Einmal TSG, immer TSG. Egal, was ich in Zukunft mache, ich werde Fan bleiben und den Kontakt halten.“
Die TSG Söflingen befindet sich derzeit auf Platz 12 der Kreisliga A2 Donau/Iller. Mit 16 Punkten aus 15 Spielen ist die Mannschaft weit entfernt von den Spitzenplätzen, die derzeit vom FC Burlafingen und dem FC Neenstetten dominiert werden. Die Winterpause bietet jedoch die Gelegenheit, die Weichen für eine erfolgreichere zweite Saisonhälfte zu stellen.
Micha Bayer verlässt die TSG Söflingen als prägende Figur. Seine Leidenschaft, Führung und Hingabe haben den Verein nachhaltig beeinflusst und werden den Spielern, Verantwortlichen und Fans in Erinnerung bleiben.