
Osthofen. Manche Geschichten beginnen in der Geschichte. So wie die von Abdelkader Meslem, dem neuen Trainer des A-Klassisten FSV Osthofen. „Wie es zu diesem Engagement kam, da muss ich weit ausholen“, sagt der 31-Jährige. Und dann ist er plötzlich in seiner Zeit bei RWO Alzey und deren ehemaligem Coach Max Kimnach. „Der“, erzählt Meslem, „meinte damals, ich hätte die Persönlichkeit und das Talent, einmal eine Mannschaft zu trainieren.“
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Seitdem ist viel Wasser Rhein und Selz runtergeflossen. Meslem, älterer Bruder des künftigen Wormatia-Zehners Belel Meslem, wechselte vom Wartberg zum SV Leiselheim, mit dem er vorvergangene Runde sogar in die A-Klasse aufstieg – als Tore schießender Cotrainer und Kapitän. Dass aus dem Klassenverbleib nichts wurde – geschenkt. Abdelkader Meslem hätte den Wormser Vorortlern auch in der B-Klasse die Treue gehalten. Wenn da nicht Kimnachs Worte gewesen wären.
So avisierte Meslem schon vor Monaten seinen Mitspielern, dass er beim SV Leiselheim bleiben würde, sofern er kein Trainerangebot bekäme. Damals dachte noch niemand daran, dass genau das vom FSV Osthofen kommen könnte. Da saß Dennis Steinhauser noch fest im Sattel. Dann das Zerwürfnis, die Trennung im Mai und die Idee des Sportlichen Leiters, Timo Kaufmann, Abdelkader Meslem als Nachfolger zu konsultieren.
Beide kennen sich. Das war der eine Punkt. Der andere: „Wenn man eine solche Chance bekommt, dann muss man die nutzen“, so Meslem. Die Unterstützung Leiselheims hatte er. Nun steckt er mitten in der Saisonvorbereitung der Wonnegauer und fädelt die Spielerwechsel ein.
Ein brisanter ist dabei. Der von Lukas Didzun, der zuletzt auch das Trikot des SV Leiselheim trug. Der Vermutung, Meslem habe ihn mit zum FSV genommen, widerspricht der Trainer. Nein, da habe der Zufall mitgespielt. Und, kleine Anekdote am Rande: Ausgerechnet in der Leiselheimer Mannschaftssitzung, in der Didzun seinen Wechsel verkündete, outete sich auch Meslem als Osthofener Coach in spe. Der eine habe nichts von den Absichten des anderen gewusst, schildert Meslem schmunzelnd. Auch sowas passiert.
Vier weitere Zugänge seien bereits spruchreif. So wechseln nach Worten Meslems Maurice Proß von TuS Weinsheim, Luca Schneider (SG Westhofen/Gundheim/Abenheim) und Arne Kehl vom VfR Alsheim ins Sommerried-Stadion. Emmanuel Afedzie gibt indes nach längerer Pause sein Comeback.
Verabschieden wird sich voraussichtlich nur John Brauer. Der junge Spieler versucht sein Glück in Mutterstadt in der Landesliga, was ihm Meslem auch gönnt: „Würde er es nicht probieren, käme vielleicht eines Tages der Tag, an dem er das bereut“, sagt ein Fußballer, dem qualitativ auch eine höherklassige Laufbahn hätte offenstehen können. Mehrfach probierte er sich in der Landesliga bei RWO Alzey (auch, um mit seinem Bruder zusammenzuspielen) und dem SVW Mainz. Am Ende fühlte er sich aber doch im unteren Amateurlager viel wohler.
Obwohl in der kommenden Runde möglicherweise sechs Teams aus der A-Klasse in die Bezirksliga aufsteigen können, verspricht Meslem dem Verein nicht das Blaue vom Himmel. Der Aufstieg sei definitiv kein Muss, so die Haltung des FSV. Stattdessen biete sich diese Saison als gute Übergangsphase an – auf den neuen Trainer, seine Vorstellungen und das Schmieden eines Mannschaftsgeistes. Meslem: „Da sind viele Junge im Kader, die ich entwickeln möchte. Sie sollen sportlich wachsen. Und das in einer Liga, in der jeder jeden schlagen kann“, skizziert der Coach.
Selbst wolle er nur im Notfall die Schuhe schnüren. Mit seinen 31 Jahren sieht sich der Ex-Alzeyer, der inzwischen nach Worms umgesiedelt ist, eher am Spielfeldrand. Zumal er einen nachgewiesenermaßen treffsicheren Spieler in der Mannschaft hat: Erik Schin, das Osthofener Urgestein, macht weiter.
Den Leiselheimer Abstieg hat er gut verkraftet. Personell sei der Kader am Ende zu schwach besetzt gewesen, um in der A-Klasse zu bestehen. Die Zeit beim SV wolle Meslem nicht missen. „Wir sind Freunde. Das war dort mehr als nur Fußball“, reflektiert er. Deshalb revidierte er im Frühjahr auch einen Beschluss, den er der Mannschaft zum Jahreswechsel verkündet hatte. Und zwar seinen offiziellen Abschied vom SV. Wenige Wochen später kassierte den wieder ein, wenngleich unter der Voraussetzung, dass er kein Trainerangebot erhält. Dass es eben so kam, ist eine der Geschichten, die das Leben schreibt.