
Der SSV Merten hat sich auch in seiner zweiten Saison nach dem Aufstieg fest im oberen Drittel der Liga etabliert. Nach der Vizemeisterschaft in der Premierensaison steht die Mannschaft von Trainer Bünyamin Kilic (38) zur Winterpause erneut auf einem starken fünften Tabellenplatz – mit 29 Punkten sogar einen Zähler mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Der Abstand nach oben ist gering, das Feld an der Spitze eng beisammen.
Entsprechend fällt Kilics Zwischenfazit differenziert aus. „Mit dem bisherigen Saisonverlauf sind wir nicht unzufrieden. Wir sind die einzige Mannschaft, die gegen den Tabellenletzten verloren hat, und die Punkte fehlen am Ende des Tages für den alleinigen Platz zwei. Dementsprechend wäre ich sehr zufrieden gewesen, wenn wir die drei Punkte on top hätten. Das soll nicht despektierlich rüberkommen, es ist nur eine Feststellung“, ordnet der Mertener Coach ein.
Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Zahlen, wie eng die Liga zusammengerückt ist. Während im Vorjahr 28 Punkte noch für Rang zwei reichten, bedeutet ein Punkt mehr aktuell „nur“ Platz fünf. Für Kilic ist das ein klares Zeichen der Entwicklung. „Wie vor der Saison prognostiziert, ist die Spitze der Saison auf mehrere Schultern verteilt. Bergisch ist zwar noch ungeschlagen, aber die Top fünf sind nah dran. Bei der Drei-Punkte-Regelung kann die Tabelle nach drei Spielen wieder ganz anders aussehen“, erklärt er. Die beiden Regionalliga-Absteiger hätten das Niveau zusätzlich angehoben, die Liga sei insgesamt „ausgeglichen stark“.
Besonders bemerkenswert ist die Bilanz des SSV Merten gegen die direkte Konkurrenz. Gegen die vier Teams vor ihnen blieb die Elf um Kapitän Jerome Propheter ungeschlagen, gewann drei dieser Duelle und holte beim Tabellenführer SV Bergisch Gladbach ein 1:1. „Aus der Top fünf haben wir die meisten Punkte gegeneinander geholt. Das ist schon eine Wucht, die nicht selbstverständlich war – vor allem mit unserer Verletztenmisere“, betont Kilic.
Neben der Arbeit an der Seitenlinie hat der Trainer seit Saisonbeginn zusätzliche Verantwortung übernommen. Gemeinsam mit Teammanager Chris Kremer ist Kilic auch in der sportlichen Leitung aktiv. Eine Rolle, die weniger romantisch ist als das Trainerdasein. „Der Kaderaufbau war eine immense Last. Wir mussten den Etat reduzieren, um den Rasenplatzbau mit zu unterstützen. Es war eine Menge Arbeit an Gesprächen mit den Jungs. Der Kader mit 22 Mann ist nicht allzu groß. So viel Spaß habe ich an dieser Rolle ehrlich gesagt nicht, aber in meinem Beruf bin ich Personalgespräche gewohnt, daher fällt es mir nicht schwer“, sagt Kilic offen.
Sportlich richtet sich der Fokus nun klar auf die Rückrunde. In der Vorbereitung soll vor allem an Abläufen und Feinabstimmungen gearbeitet werden. „Wir hatten am Anfang Schwierigkeiten, die neuen Spieler zu integrieren, aus Gründen wie Urlaub etc. Es hat gedauert, aber wir haben alle zueinander gefunden. Daran wollen wir weiter arbeiten, um Automatismen und Harmonie auf dem Platz zu fordern, aber auch zu fördern“, erklärt der Coach.
Personell bleibt der SSV weitgehend stabil. Rikiya Ohashi, Hirotaka Sugiura und Kenny Oelbaum haben den Verein verlassen, um andernorts mehr Spielzeit zu bekommen. „Wir haben ihnen keine Steine in den Weg gelegt, weil es super Jungs sind“, stellt Kilic klar. Kompensiert werden die Abgänge durch vertraute Gesichter: Gaspard Fehlinger kehrt nach einem kurzen Intermezzo in Lövenich zurück, ebenso Winzent Suchanek und Farid Bacevac, die aus privaten Gründen kürzergetreten waren. „Alle gehörten zum Team des Vizemeisters und bereichern uns daher in der Rückrunde“, so Kilic. Weitere Neuzugänge sind nicht geplant.
Die Zielsetzung bleibt bewusst bodenständig. „Wir werden versuchen, unsere Position im oberen Drittel zu verteidigen. Ob mehr als Platz fünf geht, werden wir sehen. Wir haben nicht die Vorgabe, die Vizemeisterschaft zu wiederholen, würden natürlich aber gerne“, sagt Kilic mit einem Augenzwinkern.
