2024-05-24T11:28:31.627Z

Interview
– Foto: FC Rot-Weiß Erfurt

"Mein Handy stand zwei Tage nicht still"

Die wohl aufregenste Woche in seinem Fußballer-Leben liegt hinter Andy Trübenbach. Wir haben mit dem 32-Jährigen gesprochen...

Dabei dreht es sich um: Abschied nach fast zehn Jahren vom ZFC Meuselwitz, Vertragsunterschrift beim FC Rot-Weiß Erfurt, Triumph in der Baller League...

FuPa Thüringen: Eine aufregende, ereignisreiche Woche liegt hinter dir: Wie war deine Gefühlswelt? Wie geht es dir? Nimm uns mal mit wie deine Woche verlief?!
Andy Trübenbach: Mir geht's sehr gut. Der Trubel hat sich endlich gelegt. Für Jemanden, der ungern im Mittelpunkt steht, war die letzte Zeit nicht immer angenehm (lacht). Die letzte Woche war vollgepackt mit viel Stress, Emotionen & wenig Schlaf. Nach unserem 4:2-Erfolg (Anm. d. Red: ZFC Meuselwitz gegen Berliner AK) am Sonntag ging es am Montagmittag direkt nach Düsseldorf zum Final Four der Baller League. Unterwegs habe ich noch meinen Bruder und zwei Freunde in Erfurt eingesackt, um gegen 23.15 Uhr den Pokal in den Händen zu halten. Ich glaube uns hatten nur die Wenigsten auf dem Zettel, um so größer war am Ende natürlich auch die Freude. Es war ein wahnsinnig schönes Erlebnis. Ich bin sehr dankbar, dass ich dabei sein durfte! Gegen 00.30 Uhr als alle auf dem Weg zur Aftershow Party waren, fuhren wir schon Richtung Heimat, weil ich am nächsten Morgen pünktlich in Erfurt sein musste. Am Dienstag wurden Bilder aufgenommen, um am folgenden Tag meinen Wechsel nach Erfurt öffentlich zu machen. Danach stand mein Handy zwei Tage nicht still (lacht). Verrückt.

FuPa Thüringen: Nächstes Jahr spielst du bei RWE. Wie kam es zum Wechsel? Wann kam die Anfrage? Was sind deine Beweggründe für den Wechsel?
Andy: Den ersten Anruf bekam ich tatsächlich an einem Montag, auf dem Weg nach Köln zum zweiten Einsatz für Streets United. Herr Gerber war am anderen Ende der Leitung und fragte direkt, ob ich mir vorstellen könnte nächste Saison in Erfurt zu spielen? Konnte ich! Wir hatten im Anschluß noch einige sehr gute Gespräche. Ich wollte außerdem unbedingt nochmal was Neues erleben. Mit fast 33 Jahre musste ich nicht lange überlegen. Zurück in die Heimat, vor einer riesen Fankulisse kicken! Was will man mehr?!

FuPa Thüringen: Stimmt es, dass es in den letzten Jahren auch bereits Anfragen aus Erfurt gab?
Andy: Nein, direkte Anfragen gab es in den letzten Jahren keine. Klar hat man hier und da immer mal Gerüchte gehört. Aber wie gesagt, Anfragen gab es nicht.

FuPa Thüringen: Welche Perspektive siehst du in Erfurt? Was sind deine Ziele im Steigerwaldstadion - als Team und persönlich?
Andy: Meine Ziele mit dem Team sind keine geringeren als jedes Spiel zu gewinnen. Natürlich weiß ich, dass das fast unmöglich ist. Aber mit der Einstellung geh ich in jedes Spiel, egal ob Training oder Punktspiel. Ich hasse es zu verlieren. Ich tue mich aber allgemein schwer damit, über Dinge zu reden, die in Zukunft passieren könnten. Ich bin lieber draußen auf dem Platz und überlasse das Reden sehr gern anderen.

FuPa Thüringen: Wo siehst du deine Rolle?
Andy: Wie eben gesagt bin ich kein großer Redner. Ich versuche eher, als einer der Erfahreneren die jüngere Generation durch meinen Spielstil mitzuziehen. Vom Spielertyp gehe ich auch mal dahin wo es weh tut und lebe die Grundtugenden vor, die es braucht um erfolgreich Fußball zu spielen.

FuPa Thüringen: Mit welchen Gefühlen und Erinnerungen verlässt du den ZFC?
Andy: Ich hatte neun sehr schöne Jahre in Meuselwitz. Natürlich verlasse ich den Verein auch mit einem weinenden Auge. Als ich 2015 für ein Jahr unterschrieb, war absolut nicht abzusehen, dass der ZFC die längste aller Stationen in meiner Laufbahn sein wird. Es gab unzählige Up und Downs. Aber wir haben es Jahr für Jahr geschafft in der Liga zu bleiben. Das alles wird auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.

Abschied aus Meuselwitz, im Idealfall als Pokalsieger.
Abschied aus Meuselwitz, im Idealfall als Pokalsieger. – Foto: Marcel Junghanns

FuPa Thüringen: Was willst du mit Meuselwitz noch in den letzten Spielen erreichen? Pokal? Liga?
Andy: Darauf kann es nur eine Antwort geben. Da wir in der Liga fast durch sind, liegt der Fokus natürlich auf dem Pokalfinale zu Hause gegen Jena. Seit Jahren warte/n ich/wir darauf den Pokal zu gewinnen! Dieses Jahr muss es endlich klappen. Mit einem Sieg und dem Einzug in den DFB-Pokal wäre das ein gelungener Abschied. Auch wenn dann für mich eine mögliche Teilnahme am DFB-Pokal im nächsten Jahr nicht realisierbar ist (lacht).

FuPa Thüringen: Letzte hast du die Baller League mit dem Team von Mitbegründer Lukas Podolski gewonnen. Was hast du das Final-Four erlebt? Was bedeutet dir dieser Titel?
Andy: Wie schon anfangs erwähnt war es ein Riesenerlebnis für mich. Ich hätte nicht gedacht, dass es so emotional wird. Jeder der drei anderen Teams kam mit eigenem "Fanlager". Ich hatte das Gefühl, dass wir der absolute Underdog waren. Die ganze Halle war im Finale gegen uns. Aber gerade das hat uns noch fester zusammengeschweißt. Wir haben uns in beiden Spielen unglaublich gepusht. Jeder von uns wollte das Ding unbedingt gewinnen. Am Ende hat sich jeder gefahrene Kilometer absolut gelohnt.

FuPa Thüringen: Wie bist du in der Baller League bzw. im Team von Poldi gelandet?
Andy: Ich bekam an einem Sonntagabend, nach einem Ligaspiel über Instagram eine Nachricht. Sie hätten mich gern bei der Baller League dabei, ob man mal quatschen könne... Anfangs dachte ich, dass es fake ist. Aber ich hab gemerkt, dass es der offizielle Account der Baller League war. Dann gab es ein, zwei Telefonate. Im Anschluß wurde ich einem Spielerpool hinzugefügt, aus dem sich die Teams Spieler picken können, falls sich aus deren Mannschaft jemand verletzt. Um ehrlich zu sein hab ich dann in keiner Weise nochmal damit gerechnet, etwas von Jemandem zu hören. Aber eine Woche später, wieder Sonntagabend gegen 20 Uhr klingelt mein Handy: Streets United hat dich gepickt. Morgen geht's los! Es ging dann wirklich alles sehr schnell und sehr spontan. So hat alles angefangen.

Andy Trübenbach gewann mit Streets United die Premiere der Baller League.
Andy Trübenbach gewann mit Streets United die Premiere der Baller League.

FuPa Thüringen: Was ist deine Meinung zu neuen Fußball-Formaten wie der Baller League? Schöne Spielerei oder eine echte Alternative zum klassischen Fußball?
Andy: Im Großen und Ganzen kann ich mir nicht vorstellen, dass es eine wirkliche Altenative zum klassischen Fußball wird. Ich denke der Spaßfaktor sollte weiter im Vordergrund stehen. Die erste Saison hatte stabile Zuschauerzahlen. Mal sehen was die zweite Saison bringt. Ich werd es auf jeden Fall weiter verfolgen.

FuPa Thüringen: Sieht man dich auch in Zukunft in solche „Formaten“ wie die Baller League?
Andy: Nein. Erstens sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist. Und Zweitens liegt mein voller Fokus nur noch auf Vereinsebene. Jeden Montag nach Köln und zurück, auch in Verbindung mit meinen Verpflichtungen als Spieler im Verein, sind unmöglich. Außerdem ist mir das Verletzungsrisiko viel zu hoch.

Aufrufe: 017.4.2024, 14:15 Uhr
André HofmannAutor