Neue Spieler, neuer Trainer, neue Liga – beim Viertligisten KFC Uerdingen geht der Blick nach vorn. Mit der Aufarbeitung der Vergangenheit muss sich hingegen die Justiz in Krefeld und in Düsseldorf beschäftigen. Die Landgerichte dort und auch das Amtsgericht in Krefeld müssen über mutmaßlich strafwürdige Vergehen der ehemaligen KFC-Verantwortlichen um die schillernde Person des russischen Investors Mikhail Ponomarev beschäftigen und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Krefeld und des Bundesverwaltungsamtes aufarbeiten, bewerten und zu einem Urteil kommen.
Im Fokus der Strafverfolgung stehen vier Personen. Ein ehemaliger Steuerberater des KFC Uerdingen, der für einen Antrag auf Zahlung von Corona-Hilfen in Höhe von 764.000 Euro verantwortlich zeichnete, muss sich mit der Forderung nach einer Erstattung auseinandersetzen. Der Vorwurf des Bundesverwaltungsamtes: Er habe zum Zeitpunkt der Antragstellung schon von der bevorstehenden Insolvenz des KFC Uerdingen gewusst beziehungsweise sie habe kommen sehen müssen. Ein Vergleichsgebot des Landgerichts Düsseldorf, das Verfahren mit der Zahlung von 400.000 Euro zu einem Ende zu bringen, lehnte der Beschuldigte ab.
Mit Ablehnung reagierte auch Ponomarev. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Krefeld, er habe sich der Beihilfe zur Untreue schuldig gemacht, sollten mit einem Strafbefehl geahndet werden. Ponomarev lehnte das nach Darstellung des Amtsgerichts Krefeld ab. Damit kommt es jetzt zu einem öffentlichen Hauptverfahren. „Es gibt noch keinen Verhandlungstermin in dieser Angelegenheit“, sagte Gerichtssprecher Christian Huge auf Anfrage unserer Redaktion. Ponomarev könnte mit der Rücknahme seines Widerspruchs gegen den Strafbefehl und die damit verbundene Anerkennung der Schuld eine öffentliche Gerichtsverhandlung noch abwenden.
Zuletzt machte er mit seinem Engagement im Profifußball in den Niederlanden und in Österreich von sich reden. Das Kicker Sportmagazin berichtete über neue und unübersichtliche Strukturen einiger Gesellschaften, an der er offenbar beteiligt ist. Die machen es vermutlich auch der Justiz schwer, einen vor zwei Jahren vom Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigten Erlass eines sogenannten dinglichen Arrests über das Auslandsvermögen des ehemaligen Präsidenten des KFC Uerdingen durchzusetzen. Ponomarev hatte in seiner Krefelder Ära eine Patronatserklärung abgegeben, dass er für die finanziellen Verpflichtungen des KFC Uerdingen eintreten werde. Bekanntlich war das nicht der Fall und der KFC ging mit kolportiert zehn Millionen Euro Schulden in die Insolvenz. Auf diese Patronatserklärung beruft sich auch der heute 80-jährige ehemalige Steuerberater des KFC. Vor diesem Hintergrund sei für ihn keine bevorstehende Insolvenz erkennbar gewesen. Ein Urteil am Landgericht Düsseldorf soll am 5. September fallen.
So weit sind die Dinge am Landgericht Krefeld noch nicht fortgeschritten. Nachdem die Staatsanwaltschaft Krefeld ihre während des Insolvenzverfahrens des KFC Uerdingen in 2021 begonnenen Ermittlungen abschloss und sie Anklage wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, des Vorenthaltens von Arbeitnehmerentgelten, Subventionsbetrugs und Untreue gegen drei ehemalige KFC-Verantwortliche erhoben hatte, ist über die Eröffnung des Verfahrens noch nicht entschieden. Damit dürfte jedoch in absehbarer Zeit zu rechnen sein. „Im Zwischenverfahren laufen noch Stellungnahmefristen bis Mitte dieses Monats. Danach ist über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden“, informierte Charlotte Röttgen, Sprecherin des Landgerichts Krefeld. Zuständig ist die Wirtschaftsstrafkammer in Krefeld. Ein Landgericht ist in Strafsachen als erste Instanz zuständig, falls bei einem Schuldspruch eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Jahren zu erwarten ist.