
Jule Marit Mollin aus dem NFV-Kreis Rotenburg zählt zu den talentierten jungen Schiedsrichterinnen der Region. Seit dieser Saison pfeift sie in der Frauen-Oberliga und wird ab der kommenden Saison auch bei den Herren in der Bezirksliga Spiele führen. Gestern leitete sie das Bezirkspokalfinale der Frauen zwischen dem FC Oste/Oldendorf und dem TuS Fleestedt. Im Interview spricht sie über das Spiel, ihre Ziele und darüber, was sie angehenden Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern rät.
Du hast gestern das Frauenfinale im Bezirkspokal geleitet. Wie hast du das Spiel und die Atmosphäre rund um die Partie erlebt?
Es war einfach rundum toll. Die Mädels auf dem Platz haben alle ein super Spiel gemacht und alles reingehauen, während auch die vielen Zuschauer ordentlich Stimmung gemacht haben. Es war schön zu sehen, wie viele Menschen gekommen sind. Auch wenn die Zuschauer nicht für meine Assistenten oder meinetwegen da waren, war das auch für uns ein besonderes Spiel, das uns in Erinnerung bleiben wird.
Wie groß war deine Aufregung vor dem Anpfiff?
Es ging tatsächlich. Eine gewisse „Grundnervosität“ habe ich vor jedem Spiel, aber die sorgt gleichzeitig dafür, dass ich konzentriert bleibe.
Bei einem Pokalspiel und gerade bei einem Finale ist es natürlich nochmal anders, weil man einfach weiß, worum es geht. Es ist halt „alles oder nichts“, da möchte man noch weniger einen Fehler machen als sonst schon.
In erster Linie habe ich mich aber einfach auf das Spiel gefreut. Die Aufregung war (zum Glück) eher sekundär. Dazu hat aber auch beigetragen, dass ich zwei Assistenten dabei hatte, die ich schon länger kenne und bei denen ich wusste, dass ich mich im ganzen Spiel auf sie verlassen kann.
Du leitest Spiele in der Frauen-Oberliga und wirst in der kommenden Saison auch in der Herrenbezirksliga pfeifen. Welche Ziele verfolgst du für deine weitere Laufbahn als Schiedsrichterin?
Erstmal freue ich mich total auf die neue Herausforderung in der Herrenbezirksliga. Als ich vor zwei Jahren mein erstes Herrenspiel in der 3. Kreisklasse geleitet habe, hätte ich nicht damit gerechnet, dass es mir so viel Spaß macht, dass ich überhaupt mal selber Bezirksliga pfeifen möchte.
Mein Ziel für die kommende Saison ist also erstmal, mich in der Herrenbezirksliga zu etablieren und weiterhin gute Leistungen zeigen zu können.
Meine Oberligasaison bei den Frauen lief ebenfalls gut. An diese Leistungen möchte ich gerne auch in der kommenden Spielzeit anknüpfen.
Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr ehrgeizig bin (Mama würde wahrscheinlich sagen, dass ich’s manchmal auch etwas übertreibe ;)). Langfristig möchte ich mich noch weiterentwickeln und an mir arbeiten, sodass ich hoffentlich sowohl bei den Herren als auch bei den Frauen noch den ein oder anderen Aufstieg feiern kann.
Keine Ahnung, wie weit ich noch komme, aber solange es mir Spaß macht, werde ich’s probieren, weiter an mir arbeiten und Vollgas geben.
Wie bist du dazu gekommen, Schiedsrichterin zu werden?
Ich hab Anfang 2019, also mit 14 Jahren, meinen Schiri-Schein gemacht. Dazu beigetragen haben zum einen mein Papa, der früher ebenfalls als Schiedsrichter aktiv war, und die Tatsache, dass ich fußballerisch nicht besonders talentiert bin.
Auch wenn ich schon von klein auf gerne mit Papa oder mit Freunden im Garten gekickt habe, hat sich schnell herauskristallisiert, dass meine Talente woanders liegen. Es war also ein Stück weit eine Lösung für „Ich kann nicht selber spielen, aber möchte trotzdem dabei sein“. Ich habe dann zu einem späteren Zeitpunkt zwar auch nochmal für drei Jahre aktiv in der Damenkreisklasse gespielt, aber mittlerweile lässt die Zeit das gar nicht mehr zu. Die Schiedsrichterei war da schon immer Priorität.
Was würdest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die überlegen, selbst Schiedsrichterin oder Schiedsrichter zu werden?
MACHT ES und traut euch! Die Schiedsrichterei hat mir persönlich auf ganz vielen Ebenen was gebracht. Ich habe gerade in Bezug auf meine Persönlichkeit eine sehr große Entwicklung gemacht. Man entwickelt ganz unbewusst und fast schon nebenbei viele Softskills auf dem Platz. Egal ob in puncto Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Belastbarkeit, Durchsetzungsvermögen oder Entscheidungsfindung.
Mal abgesehen davon, habe ich so viele nette Menschen und auch meinen Freund allein durch die Schiedsrichterei kennengelernt. Dieses Hobby hatte in wirklich allen möglichen Lebensbereichen einen positiven Einfluss auf mich.
Deswegen rate ich jedem: Traut euch und gebt dem Ganzen eine Chance. Damit meine ich konkret: Macht diesen Schein, leitet mehrere Spiele und fahrt auch als Assistent bei den erfahreneren Schiris mit. Nehmt alles mit, was irgendwie geht. Auch wenn die Schiedsrichterei häufig kritisch dargestellt wird, gibt es so viele positive Seiten und Effekte, auf die ich nicht verzichten würde wollen. Definitiv überwiegen diese positiven Seiten, sodass übermäßig kritische Trainer, Zuschauer oder Spieler nur schwindend gering ins Gewicht fallen, wenn man das große Ganze betrachtet.
Das Finale des Lüneburger Bezirkspokals der Frauen