2026-04-09T03:39:01.720Z

Spielbericht

Energie Cottbus: „Unser Schlüssel war das Gegenpressing“

Die Wollitz-Elf ist unter besonderer Stadionatmosphäre im Heimspiel der 3. Liga gegen den TSV 1860 München erfolgreich.

von René Kubasch · Gestern, 06:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Schneider Torsten

Verlinkte Inhalte

Vor 16273 Zuschauern setzt sich der FC Energie Cottbus deutlich im Heimspiel der 3. Liga gegen den TSV 1860 München durch. Warum es so deutlich wurde, lässt sich an mehreren Faktoren festmachen.



Defensiv stabil, offensiv kaltschnäuzig

Im Fußballfachjargon sagt man gern „Never change a winning team“. Dieser Prämisse folgte Pele Wollitz, da er seine Elf gegenüber dem Sieg in Havelse nicht verändert hat. Dementsprechend ging sein Team das Spiel an. Zwar passierte in der Frühphase in beiden Strafräumen sehr wenig, aber der FCE verteidigte es gut und ließ in den weiteren Spielminuten den Ball gut laufen, und ließ die Kreativität im Mittelfeld aufblitzen. Zunächst waren die Gäste darauf eingestellt, und machten natürlich die Räume eng. So war es für Energie zumindest im Strafraum noch schwer, sich durchzusetzen.

Dann erspielten sich die Hausherren die erste nennenswerte Tormöglichkeit. Jannis Boziaris führte den Ball länger mit seinem Dribbling, bis er im Strafraum angelangt war. Seinen Abschluss klärte 1860 zum Eckball (16.). Kurz darauf war es erneut Boziaris, der eine mögliche Führung auf dem Fuß hatte. Axel Borgmann leitete den Angriff auf dem linken offensiven Flügel ein. Nach zwei gespielten Querpässen donnerte Boziaris den Ball auf das Löwen-Tor, und zwang Schlussmann Thomas Dähne zu einer Glanzparade (21.). Kurz danach hatten die Gäste ihren ersten Hochkaräter auf das FCE-Tor. Kevin Volland probierte es mit einem Volleyschuss, welcher aber am Tor vorbeirauschte (23.).

Dann gingen die Hausherren mit 1:0 in Führung. Dominik Pelivan verlor beim Angriffsversuch im Strafraum den Ball. Entschlossen holte er sich diesen zurück und sah, dass Jannis Boziaris rechts am Strafraum stand. Dem überließ er den Ball, sodass er schön auf den zweiten Pfosten flanken konnte. Erik Engelhardt schraubte sich nach oben und beförderte den Ball per Kopf in die Maschen (29.). Rasch fiel dann das 2:0. Lukas Michelbrink brachte dann einen Pass zu J. Boziaris, der dann zurück zu L. Michelbrink in den Rückraum spielte. Anschließend setzte sich der an der Grundlinie gegen seinen Gegenspieler durch, und legte den Ball im Fünfmeterraum vor das Tor. Erik Engelhardt lauerte dort erneut, und schob in bester Stürmermanier ein.

Tolcay Cigerci hätte mit seinem Schuss fast das 3:0 erzielt. Jedoch flog der Ball an den linken Pfosten. Justin Steinkötter kam für 1860 noch einmal verheißungsvoll zu einer Torchance. Bei seinem Schuss wurde er rigoros von King Manu bedrängt, sodass die Gefahr für Schlussmann Marius Funk immer kleiner wurde.

Energie macht Deckel drauf, 1860 im Abschluss glücklos

Zu Beginn der zweiten Halbzeit gestaltete sich die Partie ausgeglichener, da die Sechzger entschlossener aus der Kabine gekommen sind. In dieser Phase wäre der 1:2-Anschlusstreffer möglich gewesen. In einer Situation scheiterten drei 1860-Akteure daran, das Tor zu treffen. Zuerst wurden die verheißungsvollen Schüsse von Justin Steinkötter und Samuel Althaus abgeblockt. Dann rettete King Manu für seinen geschlagenen Keeper auf der Linie, als Kevin Volland mit seinem Schuss das Tor unbedingt erzwingen wollte (54.).

Auf der Gegenseite probierte es Tolcay Cigerci mit einem Distanzschuss. Dort rettete Lasse Faßmann mit einem Kopfball im Fünfmeterraum, da sein Keeper praktisch geschlagen war (58.). Dann ging es für ein paar Minuten etwas ruhiger zu, da beide Teams doppelt gewechselt hatten.

Doch dann fiel so etwas wie eine Vorentscheidung. Marius Funk spielte einen langen Ball bis zur Mittellinie. Nach einigen Pässen landete dann der Ball bei Dominik Pelivan, der das Spielgerät auf die rechte Außenbahn weiterleitete, wo bereits Axel Borgmann gestartet war. Der zog dann bis zur rechten Strafraumlinie, und gab dann auf Justin Butler ab, der mit einem Flachschuss zur Tat schritt. Zwar war der 1860-Keeper Thomas Dähne an den Ball gekommen, brachte diesen aber nicht unter seine Kontrolle. So stocherte Erik Engelhardt das runde Leder über die Linie (66.).

Die Sechzger probierten trotzdem noch, zum Torerfolg zu kommen. Jedoch war die Cottbuser Entschlossenheit zu groß, sodass es fast unmöglich schien, zu treffen. Dabei war der Volleyschuss von Florian Niederlechner fast schon im Netz. Aber Nyamekye Awortwie-Grant stand auf der Linie, um für seinen geschlagenen Keeper zu retten (74.). So verwaltete Energie das Ergebnis bis zum Schlusspfiff clever.
____
Die Stimmen der Beteiligten:

Pele Wollitz: (FCE):
„Wir hatten in der ersten Halbzeit viel Spielfreude und eine gute Intensität wie auch Stimmung. Unser Schlüssel war das Gegenpressing. Und wenn wir das haben, dann entfalten wir unsere Wucht. Wenn vielleicht das 1:2 fällt, kann dieses Spiel kippen. Ich glaube schon, dass man dann etwas nachlässt. Trotzdem hat man dann gesehen, welche Möglichkeiten 1860 aus meiner Sicht hätte, wenn sie etwas freier spielen. Sie haben nun mal das Thema, immer Druck zu haben. Wenn man vor der Saison als Aufstiegskandidat genannt wird, dann ist das eine Bürde. Mit dem heutigen und vergangenen Spiel, was die Energie und Intensität betraf, sehr zufrieden.“

Markus Kauczinski (1860):
„Meinen Glückwunsch an Pele und Energie Cottbus. Der Sieg geht vollkommen in Ordnung. In der ersten Halbzeit haben wir keine Mittel gefunden und waren in allen Belangen unterlegen. Das Tempo konnten wir nicht mitgehen und die Zweikampfhärte war überhaupt nicht vorhanden. Erst in der 45. Minute hatten wir die erste Torchance. Mit dem 0:2 waren wir dann noch gut bedient. Die ersten fünfundzwanzig Minuten der zweiten Halbzeit waren dann sehr ordentlich, in denen wir anfingen, uns zu wehren. Dann hatten wir eine vielversprechende Tormöglichkeit durch Kevin Volland, die an den Pfosten ging. Mit dem 3:0 war das Spiel gegessen. Wir haben heute unsere Grenzen gesehen.“

____
Positiv:
Besonders auffällig ist gewesen, dass die unveränderte Elf von Pele Wollitz das Vertrauen zurückzahlte, indem man den Ball sehr geduldig laufen ließ und auch im Pressing sowie in den Zweikämpfen rigoros und konzentriert zu Werke gingen. Dabei kommen besonders Lukas Michelbrink und Jannis Boziaris in noch viel bessere Abläufe hinein, was der Spielidee und Spielwitz noch mehr zu gute kommt.

Fazit:
So lässt sich sagen, dass Energie seine Offensive auf mehreren Schultern verteilt hat, sodass Tolcay Cigerci dadurch mehr entlastet wird. Daraus resultiert, dass man für den Gegner schwerer auszurechnen ist. Und für die heiße Phase der Saison könnte dies ein wichtiger Faktor für den Erfolg sein.