In der Kreisliga 1 ist der TSV Peißenberg abgeschlagen auf letztem Platz der Fairnesstabelle. Sportlich befindet sich der TSV auf Platz drei.
Über seine Kicker lässt Hubert Jungmann überhaupt nichts kommen. „Das sind lauter Pfundskerle“, lobt der Trainer des TSV Peißenberg seine Mannschaft als verschworenen und integren Haufen. Die von ihm hochgepriesene „super Truppe“ ist in den vergangenen Wochen jedoch stark ins Gerede gekommen. In der Fairness-Tabelle der Kreisliga 1 belegt das Team aus der ehemaligen Bergarbeitergemeinde augenblicklich einen deprimierenden letzten Platz. In nur zwölf Begegnungen sahen die Peißenberger 36 Mal Gelb, vier Mal Rot und drei Mal Gelb-Rot. Darüber hinaus kassierte der TSV noch vier Zeitstrafen. So tief wie der TSV gesunken ist, fuhren früher nicht einmal die Bergleute in den Stollen ein.
„Die letzten sechs Wochen waren frustrierend“, hadert Jungmann mit seiner Elf. Denn mittlerweile genießen seine Kicker den zweifelhaften Ruf als böse Buben, was sich nicht nur bei der Konkurrenz tief ins Gedächtnis einprägt, sondern vor allem bei den Schiedsrichtern. „Das wird von denen mit Argusaugen verfolgt“, ist sich der Coach sicher, dass seine Fußballer bei den Regelhütern mittlerweile auf der schwarzen Liste stehen. Allein der letzte Auftritt beim FC Real Kreuth bestätigt diese Vermutung. Referee Matthias Dolderer zeigte Michael Gladiator und Caner Demirci glatt Rot und Eleftherios Caci die Ampelkarte. Nach dieser Orgie von Platzverweisen gab es selbst für Jungmann an der Situation, in die sich seine Jungs manövriert haben, nichts mehr zu beschönigen. „Es ist zu spät“, stellte der Coach fest. Der Ruf des TSV Peißenberg ist längst ruiniert.
Nach dem Abschlusstraining am morgigen Donnerstag will die Abteilungsleitung versuchen zu retten, was noch zu retten ist, und den Kickern ernsthaft ins Gewissen reden. Sie darf sich darauf einstellen, vor vielen aufmerksamen Zuhörern zu sprechen, denn der Übungseifer der Peißenberger ist hoch. 30 bis 35 Spieler zählt Jungmann bei jeder Einheit. Von mangelnder Trainingsdisziplin kann also nicht die Rede sein. Auch die vier Roten Karten relativieren sich, wenn man die Vergehen und ihre Strafen berücksichtigt. Dennis Mulaj und Hannes Kunterweit flogen vom Rasen, weil sie ihre Gegenspieler in aussichtsreicher Position am Trikot zerrten. Mehr als ein bis zwei Spiele Sperre mussten sie für ihre Vergehen nicht verbüßen. Auch Michael Gladiator wird wohl glimpflich davon kommen für seine Notbremse gegen Kreuth. Anders sieht es Caner Demirci aus, der gegen die Königlichen vollkommen entgleiste und sich eine üble Tätlichkeit leistete. „Dafür kriegt er vier, fünf Spiele Sperre“, mutmaßt sein Coach. Bis zur Winterpause wird Demirci ihm auf jeden Fall fehlen.
Für Jungmann und seine Ambitionen bedeutet der Verlust von zwei weiteren Stammspielern nichts Gutes. Der Trainer kennt das Spielchen schon. Als ihm im Spätsommer noch der komplette Kader zur Verfügung stand, mischte seine Mannschaft die Liga auf und etablierte sich an der Tabellenspitze. Sie schaffte das mit fairen Mitteln. In den ersten fünf Partien sammelte der TSV 14 Gelbe Karten und ein Mal Gelb-Rot. Aber mit dem Derby gegen Hungerbach begann die Situation zu eskalieren. Die Zahl der Verwarnungen und Verweise stieg rasant an. Einzige Ausnahme: Die Glanzleistung von Unterammergau, wo der TSV mit 5:1 gewann und ohne irgendeine Karte auskam.
Jungmann sieht deshalb auch einen direkten Zusammenhang zwischen den siegreichen Spielen und der faden Phase mit lediglich mäßigem Erfolg, die unmittelbar folgte. Als es gut lief, hatte er alle seine Stammkräfte an Bord. Als sie in den Urlaub gingen, fehlten der Mannschaft Substanz und Geschlossenheit. Als sie aus den Ferien zurückkamen, vermisste er bei seinen Leistungsträgern die nötige körperliche Fitness. Mit der Kondition ging auch die Cleverness verloren. „Zwischen einen Zweikampf führen und einen Zweikampf führen gibt es einen Unterschied“, so der Coach mit Verweis auf die Karten-Statistik. Vielleicht schreibt sich das jemand von seinen Spielern ja hinter die Ohren. Jetzt, wo sowieso alles schon zu spät ist und sich nur einer halbwegs freut. Der Verwalter der Mannschaftskasse. 50 Euro kostet eine Rote Karte. Wenn das so weitergeht, werden die Peißenberger noch reiche Leute.