2025-04-02T15:12:16.030Z 1743858321599

Ligabericht
Elia Kukanda bejubelte das 3:2-Siegtor.
Elia Kukanda bejubelte das 3:2-Siegtor. – Foto: TSV Schott / Chiara Puci

Last-Minute-Sieg des TSV Schott gegen Wormatia

3:2-Siegtreffer weit in der Nachspielzeit - genauso wie in der Hinrunde, nur anders herum

Die Szenen ähnelten sich. Weit in der Nachspielzeit, das 3:2-Siegtor, und alle auf und neben der Auswechselbank stürmen quer übers Feld. Nur ist es diesmal Oberliga-Spitzenreiter TSV Schott Mainz, der auf den letzten Drücker den Dreier gegen Wormatia Worms eintütet, und nicht genau umgekehrt, so wie in der Hinrunde.

„Die Last-Minute-Siege bleiben in Erinnerung“, strahlt Etienne Portmann, Vorlagengeber zum Mainzer Siegtreffer. „Und es schmeckt sehr süß. In der Hinrunde machen sie das Tor und rennen jubelnd an uns vorbei, diesmal ist es anders herum.“ Wie quasi die gesamte zweite Halbzeit über, spielten sich die Mainzer über die Flügel durch. Johannes Gansmann legte zurück auf Portmann. „Ich wollte schießen, habe aber gesehen, dass da noch ein Verteidiger kommt“, erzählt der Spielmacher. Der Querpass fand Eliakim Kukanda, der mit viel Übersicht flach ins kurze Eck traf (90.+4). In der letzten Minute der angezeigten Nachspielzeit.

„An dem Jubel sieht man, wie wichtig das Tor für die Schott-Spieler war“, sagt Wormatia-Trainer Marco Reifenscheidt, „das Allerwichtigste für uns sieht man da vorne.“ Es ist der Moment, in dem seine Spieler auf die mit knapp 50 VfR-Fans bemannte Tribünenseite gehen und viel Zuspruch ernten. Vor und während des Spiels gab es bereits Gesänge, und der Wormser Anhang hatte Anlass, seine Mannschaft zu unterstützen. 2:0 führten die Gäste. Obgleich der Mainzer Sieg letztlich verdient ist, war es eine Leistung, aus der man viel mitnehmen kann. „Ich habe eine Mannschaft mit Charakter gesehen“, sagt Reifenscheidt.

Von Beginn an war der VfR mit im Spiel, obgleich der TSV mehr Anteile und Abschlüsse hatte. Richtig zwingend war die Chance von Takero Itoi, die Luca Pedretti per Blitz-Reflex vereitelte (16.). Damit war die Grundlage für das Wormser Führungstor gelegt. Erijon Shaqiri traf von der linken äußeren Strafraumkante ins lange Eck (18.). Und es wurde noch besser. Nicolas Obas war selbst Triebfeder des Angriffs, den er mittig per Abstauber vollstreckte (28.). Ein besonderes Tor an alter Wirkungsstätte für den offensivfreudigen Außenverteidiger: „Ich habe hier drei Jahre gespielt, es war überwiegend eine super Zeit. Die erste Hälfte der Saison war nicht gut. Aber heute haben wir ein Zeichen gesetzt, dass wir es können.“

Wormser spielen sich gut durch das Mainzer Pressing durch

Den Wormsern gelang es immer wieder, sich aus dem Mainzer Pressing zu befreien, über schnelle Passfolgen und mithilfe weiter Bälle auf Jan Dahlke. Sie verteidigten engagiert. Und sahen ein Foul vor dem Mainzer Anschlusstor. Jost Mairose setzte sich robust durch, Etienne Portmann ließ im Zentrum Laurenz Graf stehen und traf mit der Fußspitze (41.). Ähnlich resolut schnappte sich kurz danach Shaqiri von TSV-Verteidiger Nils Gans die Kugel, dribbelte vor, spielte quer – und Dahlke setzte die Hundertprozentige an den Innenpfosten (45.). „Wir spielen das gut aus. Schade“, sagt Reifenscheidt.

Was wohl eine 3:1-Führung bewirkt hätte? Schott-Chefcoach Samuel Horozovic jedenfalls stellte auf Dreierkette und Doppelspitze um, weil ihm der Zugriff gegen den Ball fehlte. „Das war kein Pressing, was wir gespielt haben“, moniert Horozovic, „aber nach einem 0:2 so zurückzukommen, das hat was.“ Eine Viertelstunde lang hielten die Gäste nach dem Seitenwechsel gut stand, dann nahm der Druck überhand. Andauernd brachen Mainzer über außen durch, auch gegen die nun formierte Wormser Fünferkette. Leon Kern fand in der Mitte Itoi, der ausglich (62.). In einer Fülle Strafraumszenen kam der letzte Ball nicht an, drei Schüsse aus dem Rückraum flogen drüber, bei einem vermeintlich klaren Elfer gegen Ismael Wiegand blieb die Pfeife stumm.

Das erste 3:2 zählt nicht, das zweite schon

In Minute 88 ist der Ball drin – Handspiel. Der Jubel, der kurz aufbricht, gibt nur andeutungsweise einen Vorgeschmack auf den Orkan, der sechs Minuten später losbricht. Es wird noch einmal angepfiffen, doch gefährlich wird der VfR nicht mehr. „Elia – Wahnsinn, wie gut der ist“, lobt Portmann den Siegtorschützen, der eigentlich auch auf seiner Position zu Hause ist und sich deshalb schwer tut, auf Startelf-Einsätze zu kommen. „Ein Kreativspieler, kaum vom Ball zu trennen. Wenn man sieht, wen wir eingewechselt haben...“ Auch Tempodribbler Wiegand bekommt ein Extralob vom Mainzer Ausnahmespieler.

Der Sieg tut gut, nicht nur, weil vor dem Topspiel in Pirmasens Rang eins behauptet wurde. „Worms ist immer noch eine Top-Mannschaft“, betont Portmann, „vielleicht haben wir es am Anfang nicht als Topspiel wahrgenommen. Aber wenn man, wie wir, mit so vielen Topspielern so lange drückt, setzt sich das irgendwann durch.“ Reifenscheidt wollte seinen Mannen gar keinen großen Vorwurf ob des 2:3 machen. „Das ist ihre Stärke, sie ziehen dich auseinander, kommen hinter die Kette. Aber wir können auch kicken, das haben wir gezeigt. In der zweiten Halbzeit ging der Zugriff verloren. Dann rutscht irgendwann einer durch.“

Mit dem Leverkusen-Vergleich kann Mainz gut leben

„Wir sind nicht hektisch geworden“, betont Horozovic. Dass es so kontrolliert und planvoll herausgespielt war, war neben dem Zeitpunkt das eigentlich Spektakuläre an Kukandas Tor. Nach einer Reihe früher Führungen werden nun auch die Last-Minute-Siegtreffer zum sich wiederholenden Muster. Der Leverkusen-Vergleich gefällt Horozovic. „Und so eine Jubeltraube schweißt zusammen.“

TSV Schott Mainz: Balters – Just, Ahlbach, Gans, Schwarz (66. Vodi) – Bohl (54. Kukanda) – Mairose, Portmann – Itoi (85. Gansmann), Kern, Rosenberger (54. Wiegand).

Wormatia Worms: Pedretti – Baylan (76. Küpelikilinc), Graf, Smiljanic, Obas – Marquardt (68. Gitau), Rosenbaum (68. Loechelt), K. Özkaya (85. Jensen), M. Özkaya – Shaqiri, Dahlke (85. Willrich).

Aufrufe: 030.11.2024, 17:37 Uhr
Torben SchröderAutor