Florian Abel ist traurig. Die Freude über den Aufstieg in die Regionalliga ist für den Kapitän des KFC Uerdingen längst Geschichte. Der Ärger darüber, dass der Verein ohne ihn plant, obwohl er noch einen gültigen Vertrag für die kommende Saison besitzt, ist verraucht. Die Enttäuschung über den Umgang mit seiner Person ist riesengroß.
Wie ist denn eigentlich der Stand der Dinge? „Es gibt keinen neuen Stand“, antwortet Floian Abel, der vor vier Wochen aus den Medien erfahren hat, dass der KFC ohne ihn plant. Aber wie kann das sein, zwei Wochen vor dem Meisterschaftsauftakt? „Ich kann nur sagen, dass ich seit drei Wochen niemanden ans Telefon bekomme. Es hat kein Gespräch, keine Aussprache, keinen Termin gegeben, um gemeinsam eine Lösung zu finden.“
Das passt in das Bild, das die Uerdinger seit Wochen abgeben. Kommunikation und Transparenz sind Fremdworte, der Umgang mit Mitarbeitern entspricht schlichtweg nicht respektvollen Gepflogenheiten. Abschottung und Gemauschel dominieren, wo Offenheit und Klarheit geboten wären. Ein solches Vorgehen scheint angesichts der Planlosigkeit jedoch unmöglich zu sein.
Immerhin hat die KFC-Führung auf ihre Weise Klarheit geschaffen, indem sie Florian Abel auf der Vereins-Homepage nicht mehr im Kader führt. Mit dem Kapitän, der die Mannschaft in der vergangenen Saison trotz aller Widrigkeiten zusammengehalten hat, nicht zu sprechen, zeugt nicht gerade von Wertschätzung, sondern vielmehr von Respektlosigkeit – was aber die gesamte Kommunikation der derzeitigen Führung betrifft.
Wie lange der Verwaltungsrat sich das unverantwortliche Treiben noch anschaut und deckt, ist die große Frage. Nils Gehlings, der Vorsitzende des Gremiums, ist im Urlaub und hat in den vergangenen Monaten niemanden gefunden, der bereit ist, die Führung des Vereins zu übernehmen, der so dringend Führung benötigt. Zwar bestätigte Gehlings Mitte der Woche gegenüber der WZ, dass man einen Favoriten für den Vorstand gefunden habe, dieser aber aktuell nicht in Deutschland weile, weshalb finale Gespräche erst in der kommenden Woche stattfinden können.
Wie aber lässt sich dies mit den Urlaubsplänen von Gehlings selbst vereinen, der bis zum 22. Juli nicht zugegen sein soll? Denn schließlich kann nur der Verwaltungsrat einen neuen Vorstand ernennen und einsetzen.
Zudem wird sich der neue Vorstandsvorsitzende damit konfrontiert sehen, dass die sportlichen Planungen größtenteils abgeschlossen sind, er also kaum noch Einfluss auf Personalfragen und Kosten hat. Wie viel Einfluss der neue Vorsitzende damit also haben wird, lässt sich an einer Hand abzählen.
Zwei Wochen vor dem Meisterschaftsstart ist der Pokalsieger von 1985 weiterhin in einer desaströsen Situation: Es fehlt ein kompetenter, seriöser Vorstand, es drücken den Traditionsverein Verbindlichkeiten von über einer Million Euro, es fehlt ein regionalliga-tauglicher Kader mit gültigen Spielerverträgen – Stand jetzt hat der KFC 13 Spieler unter Vertrag – und Trainer Michel Dinzey schickt zum Saisonbeginn eine Mannschaft auf den Platz, die, zumindest was die Vorbereitung betrifft, einen erheblichen Wettbewerbsnachteil hat. Ein missratener Saisonstart wiederum dürfte den Teufelskreis, in dem sich der KFC befindet, weiter anheizen. Alles andere als rosige Aussichten für den Verein mit der großen, treuen und leidensfähigen Anhängerschaft, die ganz gewiss etwas Besseres verdient hat.