
Der SV Eintracht Hohkeppel hat sich rechtzeitig vor der Winterpause in Stellung gebracht. Nach einer Hinrunde mit Höhen und Tiefen beendete der Regionalliga-Absteiger die erste Saisonhälfte mit fünf Siegen in Serie und überwintert mit 30 Punkten auf Platz zwei der Mittelrheinliga. Punktgleich mit dem Siegburger SV und dem VfL Vichttal liegt Hohkeppel nur fünf Zähler hinter Tabellenführer SV Bergisch Gladbach 09 – und hat den Aufstieg längst nicht aus den Augen verloren.
Dass die Mannschaft von Trainer Abdullah Keseroglu (37) heute zur Spitzengruppe gehört, war nicht zu jedem Zeitpunkt der Hinrunde absehbar. Der Coach, der den Verein am dritten Spieltag übernahm und bereits von 2019 bis 2022 in Hohkeppel gearbeitet hatte, blickt differenziert zurück. „Die Hinrunde war ein Auf und Ab. Bis zur Mitte der Hinrunde hatten wir keine zwei Siege in Folge. Nichtsdestotrotz war bis dahin auch nicht alles schlecht“, erklärt Keseroglu. Trotz fehlender Konstanz habe sein Team schon früh gezeigt, dass es mit den Besten mithalten kann. „Wir haben gute Ergebnisse gegen gute Mannschaften erzielt. Auswärts haben wir zu diesem Zeitpunkt zwar noch keinen Dreier geholt, aber wir haben in Bergisch Gladbach ein gutes Spiel gemacht und in Merten ebenfalls eine ordentliche Leistung gezeigt.“
Ein Wendepunkt war aus Sicht des Trainers die klare Niederlage in Siegburg. „Eigentlich war nur das Spiel in Siegburg nicht gut. Das hat uns aber wachgerüttelt – und seitdem läuft es“, sagt 37-Jährige. Tatsächlich folgte kurz darauf der erste Auswärtssieg der Saison am 9. November in Königsdorf, ehe Hohkeppel eine Serie startete, die das Bild der Hinrunde entscheidend veränderte.
Besonders auffällig ist die Heimstärke der Eintracht. Sieben der acht Heimspiele wurden gewonnen, die Mannschaft ist auf eigener Anlage ungeschlagen. „Wir haben dort nur vier Gegentore kassiert“, betont der Trainer. Auf fremden Plätzen hingegen besteht weiterhin Nachholbedarf: Nur zwei Siege aus sieben Auswärtsspielen stehen zu Buche. „Auswärts ist noch Luft nach oben, aber wir haben uns stabilisiert und uns den zweiten Platz verdient“, so Keseroglu.
In der Wintervorbereitung will er gezielt an dieser Auswärtsschwäche arbeiten. „Jetzt steht eine Wintervorbereitung an, in der wir an ein, zwei, drei Dingen noch arbeiten wollen, ohne den Schwung zu verlieren. Die Mannschaft ist eingespielt“, erklärt der Coach. „Fakt ist aber: Wir wollen unsere Auswärtsbilanz verbessern, mehr Punkte holen und weniger Gegentore kassieren.“
Zusätzliche Brisanz bringt der Spielplan zum Rückrundenstart. In den ersten fünf Partien warten mit VfL Vichttal, SSV Merten und Tabellenführer Bergisch Gladbach gleich mehrere direkte Konkurrenten und Top-Teams. Keseroglu sieht darin keinen Nachteil. „Ich finde es gut, dass wir direkt gegen Teams aus den Top fünf spielen. Wir haben richtig Bock darauf. Und alle Topspiele sind zu Hause: Vichttal, Bergisch Gladbach und Merten.“
Unabhängig von der sportlichen Ausgangslage wurde der Verein zuletzt auch strukturell gefordert. Die Abmeldung der zweiten Mannschaft aus der Landesliga verändert die Rahmenbedingungen. „Es war immer hilfreich, Spieler, die Spielpraxis benötigen, runterzuschicken. Es ist nicht ideal, aber wir haben den Kader verkleinert, sodass die Spieler jetzt insgesamt auf mehr Einsatzzeiten kommen“, ordnet Keseroglu ein.
Personell muss Hohkeppel den Abgang von Alexander Guiddir, dem torgefährlichsten Offensivspieler der Hinrunde, verkraften. Keseroglu macht keinen Hehl daraus, dass der Verlust schmerzt. „Der Abgang von Alex tut natürlich weh. Er war unser bester Offensivspieler“, sagt er, verweist aber zugleich auf die Entwicklung der Mannschaft. „Man darf aber nicht vergessen, dass er in den letzten sieben, acht Spielen, in denen wir diese Serie hatten, auch nicht dabei war. In dieser Phase haben sich andere Spieler entwickelt.“ Dem Schritt Guiddirs in die Regionalliga traut er demnach zu: „Die Qualität dafür bringt er auf jeden Fall mit.“
Als Reaktion hat Hohkeppel bereits nachgelegt. Gjastin Nrejaj, Louis Müller und Tarik Dogan verstärken den Kader. „Dann haben wir einen sehr guten Kader für die Rückrunde“, ist Keseroglu überzeugt. Vielleicht kommt noch ein weiterer Offensivspieler hinzu – viel Bewegung erwartet er aber nicht mehr.