
Karsten Wettberg, der kleine Mann mit dem großen Fußball-Verstand und dem genauso großen Herzen, ist tot. Er war nicht nur eine Löwen-, sondern auch eine Haching-Legende, führte die SpVgg 1989 erstmals in die 2. Liga – und hüpfte vor lauter Freude vom Zehn-Meter-Turm des Hachinger Freibads. Merkur-Reporter Thomas Ernstberger erinnert sich an den Vollblut-Trainer, der jetzt im Alter von 84 Jahren gestorben ist.
Ich lernte den „kleinen Mann aus Elsendorf“ irgendwann Ende der 80er-Jahre kennen. Ich erinnere mich genau: Es war auf der Tribüne im Sportpark, als Wettberg neben mir Platz nahm. Ich war damals ein junger Sport-Reporter beim Starnberger Merkur, er schon damals eine Trainer-Legende. „Herr Wettberg, ich bin…“, wollte ich mich vorstellen. Karsten unterbrach mich sofort: „Ich weiß doch, wer du bist. Und das Sie lassen wir.“ Eine große Ehre – und der Beginn einer langen gemeinsamen Zeit im Münchner Fußball. Fast 40 Jahre lang liefen wir uns immer wieder über den Weg, die Scherze über seine Größe nahm er stets gelassen und mit einem spitzbübischen Lächeln hin. Wir trafen uns auf Fußball-Plätzen, telefonierten (z.B. immer an den Geburtstagen – er am 10., ich am 14. November, allerdings ein paar Jahre auseinander), führten Interviews, tauschten uns vorzugsweise über die Münchner Löwen, aber auch über Haching aus. Und natürlich über sein soziales Herzensprojekt, den FC Sternstunden des Bayerischen Rundfunks, für den er über 100 Spiele absolvierte. Wie stolz war Wettberg darauf, auch mit über 80 noch für das Team auf dem Platz zu stehen – und das als Ehrenspielführer, wie er gerne hervorhob.
Bei einem dieser Benefizspiele traf ich „Wetti“ zum letzten Mal. Das war im Mai 2023 auf der Anlage des FC Penzing im Landkreis Landsberg, der zu seinem 75. Geburtstag mit seinen All-Stars gegen das Sternstunden-Team spielte. Wie immer eine herzliche Umarmung, ein Erinnerungsfoto und Karsten mit Feuereifer auf dem Platz. Ich ahnte damals nicht, dass wir uns nicht mehr wiedersehen sollten. Zu agil, zu lebensfroh, zu junggeblieben wirkte der damals 81-Jährige.
In letzter Zeit wurde es seltsam ruhig um den Hachinger Meistertrainer. Ich wunderte mich die ganze Zeit schon, dass er, dessen Meinung immer gefragt war, nicht mehr in den Medien auftauchte. Am Sonntag erfuhr ich den traurigen Grund. Wieder ist ein langjähriger Weggefährte, der jetzt im Fußball-Himmel angekommen ist. Mach’s gut, Karsten, und bleib auch da oben am Ball! (te)